Social Entrepreneurship

Social Entrepreneurship bedeutet eine andere Herangehensweise an Unternehmertum und Gründungen: Für Sozialunternehmer steht bei ihrer Gründung ein sozialer Mehrwert im Vordergrund.

Gesellschaftliche Probleme angehen

Die Gründung eines Unternehmens ist in der Regel darauf ausgerichtet, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Ein Social Entrepreneur hat dagegen eine andere Triebfeder: Er möchte mit seinem Handeln vorrangig gesellschaftliche Probleme lösen.

Das bedeutet nicht, dass ein Sozialunternehmen zwangsläufig eine Non-Profit-Organisation sein muss. Tatsächlich gibt es Sozialunternehmen in verschiedenen Ausprägungen: non-profit oder profitorientiert oder als sogenannte hybride Gesellschaften, die nur teilweise nach Gewinnen streben.

Entscheidend für ein Social Entrepreneurship ist vor allem eines: Im Mittelpunkt des Handelns steht immer die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Die Gewinnmaximierung ist zweitrangig.

Sozialunternehmen gibt es in vielen Formen

Ein Gründer hat in vielen Bereichen die Möglichkeit, sein Start-up als Social Business aufzubauen: Es gibt Beispiele für erfolgreiche Unternehmen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umwelt – und sogar eine Bank kann man als Sozialunternehmen aufbauen, wie der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus bewies.

Er gründete schon 1983 in Bangladesch die Grameen Bank, die als erste Bank sogenannte Mikrokredite an Arme in Entwicklungsländern vergab. Die Menschen konnten sich damit ein eigenes Geschäft aufbauen und der Armut dauerhaft entkommen. Dafür erhielt die Grameen Bank 2006 sogar den Friedensnobelpreis.

Social Entrepreneurship: Grüner gründen Kaffee ist ein Produkt, das bereits seit Jahren fair gehandelt wird. (© 2018 Shutterstock / nullplus)

Andere Formen, in denen Sozialunternehmen existieren:

  • Fair Trade – also fairer Handel. So vertriebene Produkte fördern die lokale wirtschaftliche Entwicklung und sichern Bauern oder Handwerkern in Niedriglohnländern einen fairen Lohn für ihre Arbeit. Mittlerweile finden sich auch immer mehr solche Fair-Trade-Shops im Internet.
  • Buy one – give one. Diese Unternehmen spenden für jeden verkauften Artikel aus ihrem Webshop das gleiche Produkt an einen Bedürftigen.
  • Charity-Shopping. Solche Sozialunternehmen leiten einen Teil ihrer Verkaufserlöse in soziale Projekte.
  • Nachhaltige Produkte. Gerade Startups mit Schwerpunkt Umweltschutz achten auf die Herkunft und die anschließende Recycelbarkeit ihrer Produkte oder machen gleich das Recycling zu ihrem Geschäftsmodell.
  • Soziale Innovationen, also die Erfindung hilfreicher Produkte und deren Vermarktung.

Egal welches Geschäftsmodell ein Social Entrepreneur wählt: Die Überschrift „Sozialunternehmen“ allein reicht nicht für den Erfolg. Um sich langfristig im Markt zu behaupten, müssen Qualität, Service und Preis des angebotenen Produktes oder der Dienstleistung stimmen.

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Social Entrepreneurship kann man studieren

Social Entrepreneurship hat heute so an Bedeutung gewonnen, dass auch Hochschulen das Thema aufgenommen haben.

  • Die Leuphana-Universität in Lüneburg hat einen eigenen Studiengang.
  • In München gibt es eine Social-Entrepreneurship-Akademie.
  • Die Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance bietet einen Masterstudiengang Public Policy mit Schwerpunkt Soziales Unternehmertum an.
  • Die European Business School (EBS) baut ein Kompetenzzentrum für Social Entrepreneurship.

Spezialisten leisten Starthilfe

Der ehemalige McKinsey-Berater Bill Drayton unterstützt mit seiner 1980 gegründeten Organisation Ashoka überall auf der Welt Sozialunternehmer mit einem sogenannten Fellow-Programm. Die Gründer erhalten ein dreijähriges Lebenshaltungsstipendium und Beratung. Noch viel wichtiger aber sind die wertvollen Kontakte, die die Organisation vermittelt.

Social Entrepreneurship: Grüner gründen Fachleute stehen Gründern im Social Business mit Rat und Tat zur Seite. (© 2018 Shutterstock / NicoElNino)

Auch die Schwab-Foundation leistet Sozialunternehmern Hilfestellung. Dahinter steht Klaus Schwab – Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums. Eine andere Anlaufstelle ist die Unternehmensberatung iq consult. Ihr Eigentümer Norbert Kunz ist selbst Ashoka-Fellow und stellt Gründern in Berlin neben der professionellen Beratung sogar eigene Räumlichkeiten zur Verfügung, das sogenannte „Social impact lab“.  Spendwerk und Heldenrat sind weitere Unternehmen, die sich auf die Beratung von Social Entrepreneurship spezialisiert haben.

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Social Business: Woher kommt das Geld?

Der Gründer eines Social Entrepreneurship braucht Geld, um sein Unternehmen aufzubauen. Auch wenn er Lösungen für gesellschaftliche Probleme in den Vordergrund stellen möchte: Kosten fallen für sein Startup genauso an wie für eine traditionelle Unternehmensgründung.

Finanzielle Unterstützung können Social Startups in Deutschland hier bekommen:

  • KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die im Auftrag der Bundesregierung Sozialunternehmer unterstützt
  • Auridis gGmbH – eine Stiftung von Aldi, die vor allem Bildungsprojekte fördert
  • Risikokapitalgeber wie die Fonds BonVenture und Social Venture Fund

TechBoost

Die Telekom unterstützt mit ihrem TechBoost-Programm Startups und begleitet sie auf dem Weg zum Erfolg.

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Auch Sozialunternehmer sind Unternehmer

Obwohl der gesellschaftliche Aspekt im Vordergrund steht: Social Entrepreneure sind letzten Endes Unternehmer. Auch sie müssen Geschäftsprinzipien beachten, um langfristig Erfolg zu haben. Auch sie brauchen einen Businessplan, müssen profitabel arbeiten, ihre Produkte vermarkten, ihre Kunden pflegen.

Im besten Fall stellen sie das Ideal eines Unternehmers dar: Ein Kaufmann, der sich sowohl seiner unternehmerischen wie auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist.