Studie: Aktuell immer weniger Gründer. Woran liegt das?

Wie sieht die Situation der Gründer und Startups in Deutschland im Juli 2017 aus? Eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau zeigt: Es gibt so wenig Gründer wie noch nie. Der KfW-Gründungsmonitor 2017 belegt, dass die Gründungsquote von 1,5 Prozent in 2015 auf 1,3 Prozent in 2016 gesunken ist. In Zahlen: Um 91.000 Personen weniger haben eine selbstständige Tätigkeit begonnen im Vergleich zu 672.000 Personen in 2015. Der Grund: Die gute Beschäftigungslage in Deutschland ließ die Zahl der „Notgründer“ sinken. 196.000 Personen gründeten ihr eigenes Unternehmen, um sich selbst zu verwirklichen. Das Gros machen 310.000 sogenannte Chancengründer aus: Sie wagten den Schritt in die Selbstständigkeit, weil sie von ihrer Idee beseelt sind.

 

Wie sieht die Branchenverteilung und regionale Zuordnung aus?

Im vergangenen Jahr zeigte der KfW-Gründungsmonitor erstmals, dass jeder fünfte Gründer ein „digitaler Gründer“ ist. Das heißt, dass die Kunden ihr Angebot nur mithilfe digitaler Technologien nutzen können. Die Geschäftsmodelle digitaler Gründer sind vielfältig und reichen von rein digitalen App-Anbietern und Betreibern von Webportalen oder Webhosting-Diensten über Anbieter mit digitaler Komponente, wie bei Online-Händlern oder Anbietern auf Online-Marktplätzen, oder sie umfassen eine Tätigkeit, die im Wesentlichen auf digitaler Technologie basiert, wie bei Softwareentwicklern, Webdesignern, IT-Consultants, im Online-Marketing oder bei der Digitalfotografie. Dazu kommen die aufstrebenden, hochspezialisierten Startups, die von den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz profitieren.

„Wir können mit der Zahl von 672.000 Gründern in Deutschland nicht zufrieden sein“, stellt Jörg Zeuner fest, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Von den sogenannten Chancengründern erwartet er „einen besonderen volkswirtschaftlichen Beitrag“.

Jörg Zeuner Jörg Zeuner (© 2017 KfW)

„Gründer bringen häufiger Marktneuheiten an den Start und haben eine enorme Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“

Jörg Zeuner
Chefvolkswirt KfW Bankengruppe

Für das Jahr 2017 erwarten die Autoren des Gründungsmonitors „ein Ende der Talfahrt“. Dank der stabilen konjunkturellen Lage würden wieder mehr Menschen ermuntert, ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen umzusetzen.

Der KfW-Gründungsmonitor in Kürze

Der KfW-Gründungsmonitor basiert auf den Angaben von 50.000 zufällig ausgewählten, in Deutschland ansässigen Personen, die jährlich repräsentativ befragt werden. Für die Identifikation von Gründern legt die KfW dabei eine breite Gründungsdefinition zugrunde, die voll- wie nebenerwerbliche, freiberufliche wie gewerbliche Existenzgründungen abdeckt.

Wie sieht es mit dem Risikokapital aus?

Andererseits konnten Startups im ersten Halbjahr 2017 mehr als doppelt so viel Geld durch Finanzierungsrunden einsammeln als im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtwert ist von 972 Millionen auf 2,16 Milliarden Euro deutlich gestiegen. Das belegt das Startup-Barometer der Unternehmensberatung Ernst & Young für Juli 2017. Gleichzeitig ist die Zahl der Finanzierungsrunden nach oben geschnellt und stieg um sechs Prozent auf 264. „Damit übertraf das Finanzierungsvolumen auch den bisherigen Rekordwert, der im ersten Halbjahr 2015 mit insgesamt 1,95 Milliarden Euro erzielt wurde“, sagt Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young. „Die deutsche Startup-Szene hat sich sehr lebhaft entwickelt.“

Sieben Startups, auf die Sie achten sollten

1: Türen öffnen mit Nello
Das Münchener Startup macht das Smartphone zum Portier in der Hosentasche, das dem Bewohner selbst wie auch autorisierten Handwerkern oder Lieferanten in bestimmten Zeitfenstern die Hauseingangstür öffnet. Dafür haben die Gründer Christoph Baumeister, Daniel Jahn, Ermal Guni, Iurie Tap und Timur Yigit 2014 einen Chip entwickelt, mit dem die Gegensprechanlage aufgerüstet wird. Mit der dazugehörigen App kann die Haustür auch aus der Ferne geöffnet werden. Sobald jemand klingelt, erhält der Bewohner eine Nachricht und kann entsprechend reagieren. Seit April ist Nello One erhältlich und soll mit zehn Lieferdiensten funktionieren, darunter Amazon Prime Now und UPS, aber auch mit Startups wie Lieferando, Foodora oder Deliveroo.
www.nello.io

2: Steuern berechnen mit Taxdoo
Die Berechnung der Umsatzsteuer ist für Unternehmer ein notwendiges Übel. Die Gründer das Hamburger Startups Taxdoo Roger Grothmann, Matthias Allmerdinger und Christian Königsheim haben eine Komplettlösung für Online-Händler entwickelt, die das Verfahren EU-weit automatisiert. Dafür arbeitet Taxdoo mit lokalen Steuerberatern in der gesamten EU, die für die zuverlässige Einhaltung aller Regularien sorgen und die Kommunikation mit den jeweiligen Finanzbehörden übernehmen. Für seine Entwicklung wurde Taxdoo gerade von der Digital- und Medieninitiative nextMedia.Hamburg als bestes Hamburger Startup ausgezeichnet. Nach eigenen Angaben konnten die ersten Kunden die Kosten durch das automatisierte Umsatzsteuerverfahren bereits um rund 80 Prozent senken.
www.taxdoo.com

3: Betrug verhindern mit Fraugster
Online-Händler verlieren im Durchschnitt über 1,5 Prozent ihrer jährlichen Einnahmen durch Betrug. Die Geschäftsidee von Chen Zamir und Max Laemmle basiert auf der Prävention von Betrugsfällen mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Das 2014 gegründete deutsch-israelische Startup Fraugster hat zur Prävention eine Künstliche Intelligenz auf der Basis von selbstlernenden Algorithmen entwickelt, die Betrüger von normalen Kunden innerhalb von 15 Millisekunden unterscheiden kann. Dafür geht sie bis zu 2.000 Datenpunkte wie Namen und Adressen durch und entscheidet, ob ein Betrugsfall tatsächlich vorliegt. Das Produkt ist seit dem 21. Juni 2017 auf dem Markt.
www.fraugster.com

4: Daten analysieren mit Teraki
Daniel Richart und Markus Kopf entwickelten 2015 in Berlin eine Software, die große Mengen an Daten um irrelevante Informationen kürzt. Dadurch fallen über 90 Prozent Daten, die von Sensoren für das Internet der Dinge erfasst werden, weg. Anwendungen können die Übertragungs- und Verarbeitungszeit von Datensätzen verkürzen und Speicheranforderungen sowie den Energieverbrauch von Endgeräten um mindestens 50 Prozent senken. Durch das Ausfiltern und Verschlüsseln einzelner Daten schützt die Software gleichzeitig die Privatsphäre der Kunden, indem nur ausgewählte Daten bei Nutzung des Internets der Dinge gezielt an Zielserver gesendet werden und in die Datenanalyse einfließen.
www.teraki.com

5: Digitalen Durchblick mit DATAlovers
Die 2015 von Andreas Kulpa und Tilman Au gründetet 2015 Datalovers AG mit Sitz in Mainz und Berlin hat sich auf Big-Data-Lösungen und Künstliche Intelligenz für Unternehmen spezialisiert. Für Vertriebsunternehmen hat das Start-up die Business-Suchmaschine bearch entwickelt, die über intelligente Algorithmen riesige Online-Datenmengen automatisch erfasst und analysiert. Die Datenbank enthält bislang alle 5,4 Millionen deutsche Unternehmen sowie etwa 750.000 Schweizer Firmen. Über eine Volltextsuche kann der Inhalt durchsucht werden. Über das Tool können Unternehmen neue Kunden gewinnen und neue Märkte erschließen. Zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IDW) Köln und bedirect aus Gütersloh erstellt Datalovers  den jährlichen „Digital Index“, der den Grad der Digitalisierung von knapp drei Millionen deutschen Unternehmen bewertet und misst.  CEO Andreas Kulpa verwaltet den Auf- und Ausbau des Unternehmens sowie das operative Geschäft. Weitere Unterstützung im Bereich „theoretische Basis und wissenschaftliche Belastbarkeit“ erhält die DATAlovers AG von Peter Gentsch, Experte für Digital Management und Inhaber des Lehrstuhls für internationale BWL an der HTW Aalen.
www.datalovers.com

Andreas Kulpa und Tillman Au Die beiden Gründer von DATAlovers: Andreas Kulpa und Tillman Au (© 2017 Marcus Reuter)

 

6: Daten besser und effektiver nutzen mit Geospin
Künftig werden Unternehmensentscheidungen nicht mehr ohne die Auswertung dynamischer und feingranularer geographischer Daten auskommen. Darauf basiert die Geschäftsidee von Geopsin, einer Ausgründung aus 2016 aus der Smart City Forschungsgruppe der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Mit Hilfe von Machine Learning und geostatistischen Big-Data-Analysen wollen die Gründer – Johannes Bendler, Niklas Goby, Sebastian Wagner, Tobias Brandt und Christoph Gebele – Unternehmen unterstützen, ihre Dienstleistungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort anzubieten und so ihre Wertschöpfungskette zu optimieren. Potenzielle Kunden von Geospin sind Unternehmen, die bereits Daten sammeln, speichern und diese gerne analysieren würden.
www.geospin.de

7: Innovative, kundenzentrierte Forderungen mit collectAI
collectAI digitalisiert Forderungsmanagement mithilfe von KI-basierten Services (Künstliche Intelligenz). Die Technik verbessert die Kundenerfahrung und erhöht Konversionsraten. Das Hamburger Fintech-Unternehmen deckt den gesamten Prozess ab, von E-Invoice über Mahnwesen bis hin zum Inkasso. Die selbstlernende und sich selbst aktualisierende Technik stellt den Endkunden in den Mittelpunkt der Kommunikation: Sie findet den passenden Medienkanal, die richtige Ansprache und das Timing, um mit ihm in Kontakt zu treten. Ziel ist es stets, die Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren sowie Umsatz und Kundenbindungsrate zu steigern. Schuldner gibt es bei collectAI nicht: Jeder Kunde ist es wert, bedient zu werden und soll im Prozess des Forderungsmanagement auch König bleiben. Mirko Krauel ist Geschäftsführer und CEO des Unternehmens.
www.collect.ai