Wer sich dem historischen Brauereigebäude in der Berliner Rheinsberger Straße nähert, spürt das pulsierende Leben der Startup-Szene. Vor dem Eingang parken Elektroroller und Dutzende Fahrräder, nicht weit von einem Tesla Model S. Hinter der Backsteinfassade herrscht reges Kommen und Gehen. Die meisten hier sind zwischen Anfang 20 und Ende 30, einige unterhalten sich in kleinen Gruppen in Gesprächsecken, andere brüten konzentriert mit Kopfhörern auf den Ohren über ihren Laptops. Geplant war die Factory Berlin ursprünglich als reiner Co-Working-Space. Doch mittlerweile steht das Netzwerk im Mittelpunkt: „Einige der größten Unternehmen unserer Zeit entstanden durch zufällige Begegnungen“, heißt es auf der Homepage der Factory, ins Leben gerufen vom ehemaligen Immobilienunternehmer und mehrfachen Startup-Investor Udo Schloemer. „Hier in der Factory Berlin möchten wir derartigen Zufällen ein Stück weit auf die Sprünge helfen.“

Was zu gelingen scheint, denn mittlerweile sind nicht mehr nur Gründer und Freelancer auf den 16.000 Quadratmetern Bürofläche anzutreffen. Neben der Bundesregierung, die das Projekt fördert, kooperieren große Konzerne wie Google, die Deutsche Bank, Schaeffler oder ERGO mit der Factory, ebenso Investoren wie Klaus Hommels oder Seriengründer Frank Thelen, bekannt als Juror aus der TV-Sendung „Höhle der Löwen“. Selbstbewusstes Ziel der Factory: zum „weltweit wichtigsten Netzwerk für Innovationstreiber aus alter und neuer Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien werden“, wie Factory-Gründer Schloemer kürzlich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche sagte.

Digitale Unterstützung für den Mittelstand

Jüngster prominenter Kooperationspartner auf dem Weg dorthin: die Telekom. Sie bringt Kontakte zu Zigtausenden mittelständischen Unternehmen mit – alles potenzielle Kunden digitaler Startups.

„Viele Mittelständler leiden unter dem sogenannten Knowing-Doing Gap: Sie haben erkannt, dass sie in Sachen digitale Transformation aktiv werden müssen. Aber die Umsetzung ist aus unterschiedlichen Gründen – wie fehlende Skills oder Budgets – oft schwierig und langsam“, sagte Thomas Spreitzer während seiner Keynote anlässlich der Partnerschaft mit der Factory Berlin. Spreitzer verantwortet den Vertrieb Kleine und Mittlere Unternehmen, Partnervertrieb und Marketing bei der Telekom Deutschland. „Diesen Zielkonflikt wollen wir als Partner der Digitalisierung im Mittelstand lösen. Gerade Startups bieten oft einfache Lösungen ohne großen Integrationsaufwand an, die den Einstieg in die Digitalisierung einfacher gestalten.“

Um junge Unternehmen und Mittelständler zusammenzubringen, hat die Telekom im Frühjahr zudem das Startup-Programm TechBoost ins Leben gerufen. Startups mit Cloud-basiertem Geschäftsmodell, die sich für das Programm qualifizieren, erhalten von der Telekom nicht nur 100.000 Euro Guthaben für IT-Ressourcen aus der Open Telekom Cloud und Rabatte auf Telefon- und Internet-Tarife, sondern vor allem Unterstützung bei Vertrieb und Marketing. „Wir verstehen uns eben nicht als bloße finanzielle Förderer, sondern in erster Linie als Kooperationspartner“, sagt Miriam Mertens, Vice President Startup-Kooperationen der Telekom. „Wir suchen Startups, die bereits ein Produkt und erste Kunden haben. Wenn wir erst einmal unsere Marketing- und Vertriebsmaschinerie in Gang setzen, geht es in der Regel ziemlich schnell.“

Um die Rolle des Mittlers zwischen Startup-Welt und Mittelstand noch besser ausfüllen zu können und unmittelbar mit Startups in Kontakt zu kommen, die insbesondere Lösungen für mittelständische Unternehmen entwickeln, wird die Telekom ab sofort mit eigenen festen Arbeitsplätzen in der Factory Berlin vertreten sein. „Wir haben enorm viel Erfahrung im Umgang mit mittelständischen Unternehmen. Doch wenn es um Geschwindigkeit und Nischen-Know-how geht, könnt ihr Startups das viel besser. Deshalb suchen wir euch als Partner“, sagte Thomas Spreitzer zum Abschluss seiner Keynote in Berlin. „Auf diese Weise bietet sich für Startups, Mittelstand und die Telekom die Chance, sich perfekt zu ergänzen.“

Weiteführende Links:

Junge Unternehmen, die bereits mit der Telekom kooperieren:

  • Coachimo, das Expertenportal
  • DATAlovers, künstliche Intelligenz für den Vertrieb
  • NavVis, Indoor-Digitalisierung
  • enfore, Digitalisierung für kleine Unternehmen

Startup-Metropolen abseits von Berlin: