Die Bedeutung von Unternehmenskultur

Für welche grundsätzlichen Werte und Überzeugungen eine Firma steht, drückt sich in ihrer Unternehmenskultur aus. Und das gleich zweifach. Zum einen von außerhalb betrachtet, also aus Sicht von Kunden oder Partnern, zum anderen von innen betrachtet mit den Augen der Mitarbeiter. Interessant: Beide Perspektiven können ganz unterschiedliche Bilder ergeben. So nimmt die Klientel manchmal etwas ganz anderes wahr als die Belegschaft.

Auch interessant: Change Management-Prozess – Veränderung in 7 Phasen

Und nicht immer entwickelt sich eine Unternehmenskultur nach einem Plan, sondern entsteht einfach organisch aus dem alltäglichen Geschäft. In jedem Fall ergibt sich ein gewisses Selbstverständnis, das intern wie extern registriert wird. Zum Beispiel mittels bestimmter Verhaltensweisen oder auch Denkmuster, welche die Werte des Unternehmens – ob gewollt oder nicht –repräsentieren.

Warum eine Unternehmenskultur wichtig ist

Die eigene Unternehmenskultur wirkt oft emotional und kann für eine Art Wir-Gefühl sorgen, mit der sich das Unternehmen gegenüber dem Wettbewerb abgrenzt. Besonders Startups gelingt es immer wieder, sich durch ihre Werte von Beginn an mit Kunden und Mitarbeitern zu verbinden.

Unternehmenskultur In Unternehmen mit festgelegten Werten sind Mitarbeiter stärker gebunden. (© 2018 Shutterstock / Rawpixel.com)

Unternehmen mit einer klaren eigenständigen Kultur verschaffen sich oft einen Vorteil gegenüber Konkurrenten, die keine individuelle Haltung erkennen lassen. Denn wer für etwas steht, der zieht in der Regel gleichgesinnte Mitarbeiter an, die sich mit ihm stärker als mit anderen Arbeitgebern identifizieren. Daher leisten seine Beschäftigten oft mehr und bleiben ihm länger treu. Ähnlich ist es bei den Kunden: Fühlen sie sich einer Firma verbunden, dann wechseln sie seltener zur Konkurrenz.

Diverse Studien und Befragungen belegen den positiven Effekt einer gelebten Unternehmenskultur. Zum Beispiel ist die Belegschaft in entsprechenden Firmen produktiver und seltener krank. Beides führt wiederum zu effizienteren Abläufen und höheren Gewinnen.

Wie Firmen eine eigene Kultur entwickeln

Die Unternehmenskultur schlägt sich in vielerlei Hinsicht nieder. Damit haben Firmen unterschiedliche Möglichkeiten, ihre eigenen Werte gezielt zu entwickeln. Das fängt bei einem eigenen Slogan an oder einer festgelegten Philosophie bei der Arbeit. Auch eine ganz bestimmte Kleiderordnung, außergewöhnliche Arbeitsbedingungen oder gewisse Vorbilder können die eigene Unternehmenskultur beeinflussen.

Auch interessant: Na, wie geht’s? – Gute Firmen wissen, wie die Belegschaft tickt

Startups haben dabei den Vorteil, dass sie ihre Unternehmenskultur frei von eingefahrenen Strukturen entwickeln können. Zudem sind sie oft flexibler und haben so die Chance, sich schneller und deutlicher vom etablierten Markt abzugrenzen.

Unternehmenskultur Die Unternehmenskultur muss in alle Abteilungen hinein wirken. (© 2018 Shutterstock / NicoElNino)

Allerdings sollten Neugründungen, wie andere Unternehmen auch, auf eine gewisse Stringenz und Konstanz achten. Schnellschüsse gehen leicht nach hinten los und ein ständiger Wechsel der Unternehmenskultur bekommt der Marke nicht, weil sich dann weder bei Mitarbeitern noch bei Kunden Vertrauen aufbauen lässt.

Unternehmenskultur prüfen und anpassen

Trotz aller gebotenen Beständigkeit: Keine Unternehmenskultur ist in Stein gemeißelt. Gerade bei Unternehmen, die seit Generationen bestehen, können sich die Werte mit der Zeit (und dem Zeitgeist) verändern. Daher empfiehlt es sich, regelmäßig das Selbstverständnis zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Dabei helfen Antworten auf folgende Fragen:

Fragen beim Entwickeln einer Unternehmenskultur
  • Wohin soll das Unternehmen sich entwickeln?
  • Welche Stärken und Schwächen hat die bisherige Unternehmenskultur?
  • Mit welchen Werten erfüllt die Marke Kundenerwartungen?
  • Hebt sich die Unternehmenskultur noch von den Wettbewerbern ab?
  • Durch welches Verhalten sollen die Mitarbeiter die eigene Kultur transportieren?
  • Wie lässt sich die Firma optisch und von der Philosophie her abgrenzen?

Egal ob Start oder Pflege einer Unternehmenskultur – beides muss genau geplant und konsequent umgesetzt werden. Dafür ist ein schrittweises Vorgehen sinnvoll. Zuerst sind die strukturellen Stellschrauben für den gewünschten Kulturwandel auszumachen. Was soll sich ändern, ist hier die Leitfrage. Dann ist zu klären, wie stark und in welche Richtung an ihnen gedreht werden muss. Hier sollten alle Abteilungen mitwirken, denn schließlich muss das ganze Unternehmen die neue Kultur mittragen und täglich leben.

Nicht immer schaffen Firmen dies im Alleingang. In diesem Fall können externe Berater bei der Wandlung helfen.

Das Modell zur Unternehmenskultur von Schein

Die ersten wissenschaftlichen Ansätze zur Unternehmenskultur stammen von Edgar H. Schein. Der US-amerikanische Soziologe war Vorreiter in dem Bereich und entwickelte Theorien dazu, wie Firmen hier bewusst oder auch unbewusst vorgehen.

Daraus entwickelte er ein Modell mit drei Ebenen. Die erste bezieht sich auf Verhaltensweisen und Rituale, sogenannte Artefakte. Diese Ebene äußert sich laut Schein in sichtbaren Verhaltensweisen, wie etwa dem Corporate Behaviour oder auch der festgelegten Kleidung, dem Logo und dem Aussehen der Büros.

Auch interessant: Employer Branding – Mitarbeiter als Markenbotschafter nutzen

Die zweite Ebene bilden die gemeinsamen, auch emotionalen Werte innerhalb des Unternehmens. Dazu gehören beispielsweise Freundlichkeit, Offenheit und Lockerheit oder auch eine konservative Einstellung. Diese Werte können offensichtlich sein, aber auch unbemerkt von Außenstehenden bestehen.

Auf der dritten Ebene befinden sich unbewusst und unsichtbar angelegte Grundannahmen. Sie beziehen sich auf Werte, die nicht mehr hinterfragt werden, da sie bereits tief im Unternehmen verankert sind.

Unternehmenskultur kurz zusammengefasst

Die Unternehmenskultur bestimmt Haltung und Gesinnung einer Firma. Sie teilt sich in der Regel sowohl nach innen als auch nach außen mit. Auswirken kann sie sich auf alle Bereiche, etwa in den internen Umgangsformen, in einem speziellen Kleidungsstil oder dem Verhalten gegenüber Kunden und den Beziehungen zu Geschäftspartnern.

Unternehmenskultur Eine Unternehmenskultur zu entwickeln und zu pflegen lohnt sich. (© 2018 Shutterstock / Khakimullin Aleksandr)

Die eigene Unternehmenskultur lässt sich gezielt entwickeln. Dann vermitteln die Mitarbeiter bewusst gewählte Werte und Verhaltensformen kollektiv nach innen und außen. Im Idealfall orientieren sich auch die Geschäftspartner und Kunden an der strategisch geplanten Philosophie.

Es ist zudem möglich, dass sich eine Unternehmenskultur unbewusst ergibt. In diesem Fall entsteht ein Bild der Werte einer Firma, ohne dass sie direkt daraufhin steuert.

Vereinfacht lässt sich die Unternehmenskultur auch mit dem Fazit „So machen wir das hier“ beschreiben.

Drei Beispiele für Unternehmen mit spezieller Kultur

Rutschen statt Treppe laufen, mit dem kostenlosen Fahrrad zwischen Restaurant, Yogakurs und Massage pendeln oder schnell mal die Kletterwand besteigen. Was nach einer Urlaubsanlage klingt, ist eigentlich der Arbeitsplatz von Google-Angestellten. Der Konzern ist mit seiner lockeren Unternehmenskultur so berühmt geworden, dass Hollywood sogar einen Film darüber gedreht hat. Der Grund für dieses Umsorgen der Belegschaft ist einfach: Google kämpft ständig mit anderen Firmen der Branche um die besten Mitarbeiter.

Eher nüchtern als spielerisch geht es beim bekanntesten Discounter Deutschlands zu: ALDI richtet seine Unternehmenskultur darauf aus, in allen Bereichen höchste Effizienz anzustreben und dadurch das beste Preis-Leistungsverhältnis herauszuholen. Das kommt bei vielen Kunden gut an, polarisiert aber auch. Denn wo Produkte möglichst billig eingekauft und angeboten werden, bleiben teilweise Mitarbeiter oder auch Zulieferer auf der Strecke.

Ganz auf Tradition konzentriert sich dagegen die Unternehmenskultur von Dr. Oetker. Der Konzern bemüht sich, nach außen wie innen familiär zu wirken und dadurch Mitarbeiter wie auch Kunden an sich zu binden. Vom Logo bis zur Kommunikation ist deshalb alles auf Beständigkeit und Hochwertigkeit der Produkte ausgelegt.