Die Zeiten, in denen im Bonner Gemeinschaftskrankenhaus Kastenwagen voller Patientenakten durch die Flure geschoben wurden, sind vorbei. Der Arzt ist mit dem iPad auf Visite. Befunde und Diagnose lassen sich auf dem Ärztetablet sofort und überall abrufen. „Wird zum Beispiel ein Notfall-Patient in die Ambulanz eingeliefert, können Ärzte und Pflegekräfte seine Daten unmittelbar einsehen, ohne dass Akten oder Röntgenbilder umständlich gesucht und durchs ganze Haus getragen werden müssen”, erklärt Jochen Textor, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Radiologie des Bonner Gemeinschaftskrankenhauses bei der Vorstellung des Projekts in Bonn.

Rund 150 Ärzte und etwa 450 Pflegekräfte greifen inzwischen mobil mit dem iPad mini auf das Krankenhausinformationssystem (KIS) der Telekom, iMedOne, zu. In der Regel werden pro Station sechs Geräte eingesetzt, jeweils drei für das Pflegepersonal sowie für die Ärzte. Insgesamt verfügt das Krankenhaus über rund 200 Tablets – und ist damit für die Zukunft gut gerüstet. „Alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert“, erklärt Timotheus Höttges, Vorstandschef der Deutschen Telekom das Ärztetablet.

Im Gesundheitswesen bestehe zwar noch großer Nachholbedarf. „Ich bin aber davon überzeugt, dass das Krankenhauswesen in den kommenden fünf Jahren einen großen Sprung machen wird, was die Digitalisierung betrifft“, sagt Höttges.

Patienten profitieren, Ärzte sparen Zeit

Das Bonner Gemeinschaftskrankenhaus verfügt über 479 Betten und beschäftigt insgesamt knapp 1.100 Mitarbeiter. Jährlich werden etwa 18.000 stationäre sowie 36.000 ambulante Behandlungen durchgeführt. Für die Modernisierung investierte das Haus rund eine halbe Million Euro – und profitiert von der Digitalisierung gleich mehrfach. So erleben die Patienten mit dem schnellen Datenabruf auf den Tablets eine deutlich gesteigerte Qualität bei der Visite. Der Arzt kann alle Befunde, Krankheitsverläufe oder Röntgenbilder bequem am Krankenbett abrufen und mit dem Patienten besprechen.

Telekom-Vortsand Timotheus Höttges stellt das Ärztetablet vor. Telekom-Vortsand Timotheus Höttges stellt das Ärztetablet vor. (© 2015 Deutsche Telekom AG)

 

Zudem steigt die Effizienz bei Ärtzten und Pflegepersonal: Ärzte sparen allein beim Nachschauen der medizinischen Daten durchschnittlich eine Minute Zeit und können sich länger mit Patienten austauschen. Das bestätigen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Charité in Berlin über einen Zeitraum von 14 Wochen, bei der neun Neurologen Visiten mit und ohne Tablets durchführten.

Die Software der Telekom deckt den gesamten Pflegeprozess ab, sämtliche Arbeitsschritte finden sich hier wieder. Mit einem Fingertipp wird die jeweilige Kategorie mit einem grünen Häkchen versehen. Zweimaliges Tippen hat ein rotes Häkchen zur Folge und bedeutet, dass die Maßnahme nicht nötig oder nicht durchführbar war und daher nicht erbracht wurde. Neben den Vitaldaten enthält die digitale Akte viele weitere Informationen. „Ich kann zum Beispiel die Laborwerte aufrufen und auf einer Art Zeitleiste sehen, wie sich der Wert im Laufe der Zeit verändert hat“, erklärt Gesa Stöhr, Assistenzärztin am Bonner Krankenhaus. Das System lässt sich auch mit dem Picture Archiving and Communication System (PACS) verknüpfen. Damit können Ärtzte etwa Röntgenbilder auf dem iPad mini anzeigen lassen. Mit der Kamera des Tablets ist zudem eine schnelle Wunddokumentation möglich.

Ärztetablet: Überwachung der Medikation

Für die Anordnung der Medikation hat das Bonner Krankenhaus sein Medikamenten-Informationssystem eingebunden. Hintergrund: „80 Prozent der Behandlungsfehler passieren durch eine falsche Medikation. Die Ursachen liegen in Übertragungsfehlern oder weil Handschriften nicht gelesen werden können“, erklärt Chefarzt Textor. Mit einem Blick auf das Tablet stehen dem Arzt nun detaillierte Informationen zur Medikation und den Wechselwirkungen der verordneten Medikamente zur Verfügung.

Und noch einen Pluspunkt bringt das Ärztetablet mit: Seine Glasoberfläche ist hygienischer als Papier und lässt sich – im Gegensatz zur herkömmlichen Akte – problemlos desinfizieren.