Herr Höttges, seit Jahresanfang stehen Sie an der Spitze der Telekom. Das ist keine einfache Aufgabe: Die Märkte sind im Umbruch, der wirtschaftliche Druck wächst. Wie würden Sie die Telekom beschreiben?
Mir ist klar, dass wir nicht nur ein Unternehmen sind, das die Gesellschaft mit Infrastruktur für Kommunikation versorgt. Vielmehr sind wir so etwas wie ein vertrauenswürdiger Begleiter in einer komplexen digitalen Welt. Das Leben von Menschen nachhaltig zu vereinfachen und zu bereichern ist unser Auftrag.

Ein hehres Ziel, aber neue Player buhlen um die Kunden. Die Menschen nutzen WhatsApp, Snapchat oder Facebook. Verliert die Telekom hier nicht den Anschluss?

Innovationen können ganze Branchen schnell auf den Kopf stellen. Wichtig ist zu erkennen: Was ist Gefahr, was Potenzial? Wir vertrauen selbstbewusst auf das, was wir können. Wir haben hervorragende Ingenieure, Entwickler und Techniker. Unser Ziel ist es, die besten Plattformen zu bauen, auf denen innovative Partner ihre Produkte anbieten können.

Wie zum Beispiel …?
Etwa der Business Marketplace – eine neue Plattform für Anwendungen aus der Cloud. Kleine und mittelständische Unternehmen finden hier ein umfangreiches Software-Angebot von namhaften Partnerunternehmen wie Microsoft, Symantec und Box.

Reicht das im globalen Konkurrenzkampf?
Wir können uns im Wettbewerb nur dann behaupten, wenn wir es schaffen, alle Zugangstechnologien unserer Netze miteinander zu verknüpfen. Mit dem Fortschritt wachsen die Möglichkeiten, oft aber auch die Komplexität und damit die Erwartungen unserer Kunden. Manche mögen das vielleicht als Bedrohung sehen; ich sehe das als Chance.


Zur Person
(© 2015 Deutsche Telekom)

 
Höttges startet 1989 bei der Managementberatung Mummert & Partner. 1992 wechselt er zur Viag Gruppe, wo er bis 2000 verschiedene Positionen innehat. Im September 2000 wird Höttges Finanzchef bei T-Mobile Deutschland und gleichzeitig Mitglied des Vorstands. Im März 2009 steigt er zum Finanzvorstand bei der Deutschen Telekom AG auf und ist zuständig für Finanzen und Controlling. Im Januar 2014 tritt Höttges als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom die Nachfolge von René Obermann an. Höttges ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Geschäftskunden fragen heute nach kombinierten Festnetz- und Mobilfunk-Angeboten. Was hat die Telekom hier zu bieten?
Zum Beispiel die Verbindung von IT und Telekommunikation in unseren Cloud-Lösungen. Die kann kaum einer so sicher anbieten wie wir. Infrastruktur, Beratung, Technik und Service – alles kommt aus einer Hand. Das muss man erst einmal nachmachen.

Sie legen den Fokus auf Geschäftskunden, vor allem auf den Mittelstand. Warum?
Wir haben die Verantwortung, alles zu tun, um Deutschland im Bereich TK und IT im globalen Wettbewerb sicher und zukunftsfähig zu machen. Hier spielt der Mittelstand als Stütze der deutschen Wirtschaft eine zentrale Rolle. Wir wollen die vielen Betriebe und Unternehmen stärker an die Hand nehmen und ihnen die Berührungsangst vor aufwendigen IT-Lösungen nehmen. Wir wollen ihnen zeigen, wie kostengünstig, sicher und effizient vernetztes Arbeiten sein kann. Hier liegt viel Potenzial.

Unsere Wirtschaft lebt vom Erfolg und von der Innovationskraft der meist mittelständischen Betriebe. Wie kann die Telekom den Motor Mittelstand befeuern?
Indem sich die Telekom als Partner in einer zunehmend digitalisierten Welt versteht. Wir helfen, die großen Umbrüche zu bewältigen. Die Cloud zum Beispiel verändert Prozesse, Geschäftsmodelle und Kostenstrukturen. Unsere mittelständischen Kunden sollen sich nicht mit komplizierter Technik auseinandersetzen müssen. Das ist unsere Sache, das können wir. Aber am Ende ist die Cloud nicht nur eine Frage der richtigen Technik. Es hat genauso viel mit Vertrauen zum Anbieter zu tun.

Dennoch wird die Telekom gern als reiner Handy- und Festnetzanbieter gesehen, weniger als IT-Dienstleister …
Stimmt. Für viele Menschen steht die Telekom nach wie vor für Telefon für alle. Mittlerweile sind wir aber auch IT-Dienstleister und bieten zum Beispiel die Cloud für alle an. Unsere Kunden bekommen schlicht sehr gute Verbindung und hervorragende Dienste, egal ob zu Hause oder unterwegs. Das ist auch für uns eine große Chance, denn in den Netzen liegt unsere DNA. So gesehen sind wir eine moderne „Netz-Company“. Dafür nehmen wir Milliarden in die Hand, und daran wird sich auch künftig nichts ändern. Ich bin ein bekennender Netzinvestor.

Klar ist auch: Die Telekom muss sich selbst erneuern. Wo liegen die Stolpersteine?
Was wir nicht brauchen, sind Silodenken und Abgrenzung, Doppelarbeit und Verantwortungslosigkeit. Diese Dinge sind mir fremd, und wir arbeiten daran, sie aus dem Unternehmen zu verbannen.