Wenn Mitarbeiter im Büro telefonieren, mit dem Smartphone unterwegs Zugverbindungen checken, über Fax eine Kundenbestellung bestätigen und auf dem Tablet das Portfolio des Auftraggebers abgleichen, läuft für sie ein ganz normaler Arbeitsalltag ab. Sie kommunizieren. Mit Schnur, ohne Schnur, im Büro, unterwegs, zu Hause, in der Cloud. Die ständige Erreichbarkeit, die vernetzte Welt ist unser Zuhause.

Früher waren Telefonate leitungsvermittelt

Was uns inzwischen fast normal erscheint, ist für die Technik und die Netze eine echte Herausforderung. "Bis in die 80erJahre war Kommunikation analog, erzählt Mathijs Dijkhuizen, IT-Manager bei der Telekom, wie es einst war. "Früher war ein Telefonat leitungsvermittelt", erklärt er. "Wenn Herr Schmidt mit Frau Maier telefoniert hat, wurde für das Gespräch ein einziger Kanal reserviert."
Pro Telefonat eine eigene Leitung – bis einer der beiden den Hörer auflegte. Bei 279 Milliarden Gesprächsminuten sind das eine Menge Reservierungen – so lange haben die Deutschen hierzulande zum Beispiel 2013 telefoniert, weist der Branchenverband Bitkom Research in einer aktuellen Studie nach. Zugegeben: Fast 40 Prozent der Gespräche laufen über Mobilfunk, anders wäre die Quasselei nicht zu stemmen.

Der gute Ton im Netz So funktioniert IP-Technologie am Telefon: Die Sprache wird digitalisiert, in Päckchen zerlegt und getrennt voneinander zum Empfänger geschickt. Dort wiederum nimmt der Angerufene die einzelnen Päckchen wieder als Sprache wahr. (© 2015 Caepsele)

 

Die Netzauslastung steigt

Zu der Vielzahl von Gesprächen kommen immer mehr Daten hinzu: Wir senden Baupläne zum Kunden und in die Firma, während wir chatten, simsen, shoppen, Fußballergebnisse abrufen, E-Mails schreiben, Videos teilen. So kommen unglaubliche 1 100 Milliarden Gigabyte Datenvolumen pro Jahr zusammen. Das rechnet die Untersuchung "EMC Digital Universe" allein für Deutschland bis 2020 vor. Es wird also voll in den Netzen.

Das Problem: "Wir nutzen zum Teil noch analoge Technik, die über viele Jahrzehnte gewachsen ist", sagt Markus Müller, CIO der Telekom, die als Netzbetreiber einen großen Teil des milliardenschweren Daten und Sprachvolumens zu bewältigen hat. 39 Millionen Mobilfunkkunden sowie 21 Millionen Festnetz und knapp zwölf Millionen Breitbandanschlüsse zählte die Telekom Ende 2013. Sie alle wollen bedient werden.

Telefon, Internet, Fax und Fernsehen sprechen nachher eine gemeinsame Sprache

"Noch laufen Telefongespräche, Internet, Mobilfunk, Datenverkehr und Entertain meist getrennt, jeder für sich", beschreibt CIO Müller die Infrastruktur des Netzes. Für den Kunden komfortabler ist es, alle Daten zu bündeln und nur noch über eine Plattform zu schicken. "Das wäre besser, als viele Inseln zu betreiben", sagt auch IT-Manager Dijkhuizen. Es entsteht eine moderne, zukunftssichere und vereinfachte Netzstruktur für geschäftliche Nutzer jeder Größenordnung.
IP steht für Internet-Protokoll und ist eine Art "Weltsprache" im Netz. Und das ist auch der Trick dabei: Alle Daten, egal ob Stimme oder Schrift, werden digitalisiert und via Internet-Protokoll verschickt. Es ist, als würden plötzlich alle Dienste dieselbe Sprache sprechen, viele Infrastrukturen verschmelzen zu einer einzigen.

"Mit der neuen IP-Technologie klingt Sprache wie Hi-Fi."

Mathijs Dijkhuizen

IT-Manager bei der Telekom

Mit der modernen IP-Netztechnik wächst zusammen, was zusammen gehört: Festnetz mit Mobilfunk, dazu Internet, Cloud und das Entertain-Angebot der Telekom. Für Unternehmen bedeutet das eine wesentliche Vereinfachung, denn alles bedient sich der gleichen Basis, die Technik wird endlich homogen. Zum Beispiel entfällt auch die Trennung von Festnetz und Mobilfunknummer. Mit der neuen IP-Technik greift die "One-Number"Regel: Alle Empfangsgeräte wie Smartphones, Handys und Festnetztelefone lassen sich über eine einzige Telefonnummer erreichen.

 

Der gute Ton im Netz Egal ob Mobilfunk oder Festnetz: Mit All IP telefonieren Telekom-Kunden auf Wunsch künftig nur noch mit einer Nummer. All-IP ermöglicht das One-Number-Prinzip. Der Anrufer merkt davon nichts. (© 2015 iStockphoto)

Auch weitere Dienste wie Videokonferenzen, Telefonieren aus Outlook heraus oder das Steuern der Telefonanlage mit dem Smartphone lassen sich künftig selbst einrichten. Selbst die Bedienung und Administration der Telefonanlage können Firmen in Eigenregie übernehmen. Wenige Klicks genügen, um zum Beispiel neue Rufnummern zu buchen und gleich einzurichten.

Die Sprachqualität wird dank IP deutlich besser

Ein weiterer Effekt der harmonisierten Infrastruktur ist zwar nicht zu sehen, wohl aber zu hören: Die Sprachqualität wird deutlich besser. "Telefonate klingen dreidimensional – wie HiFi", schwärmt Dijkhuizen. "Es ist, als würde der Gesprächspartner im selben Raum stehen und nicht Kontinente weit weg." Voraussetzung für die HD-Qualität sind jedoch Telefone, die dafür vorbereitet sind, und zwar auf beiden Seiten.

Keine Frage, der Umbau von analog zu digital zählt zu den wichtigsten technischen Aufgaben, die die Telekom in ihrer Geschichte zu bewältigen hat. "Das ist vergleichbar mit dem kompletten Austausch des Schienensystems der Bahn", sagt Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Telekom.

Sprache mit Vorrang

Um Telefonate in Hifi-Qualität zum Klingen zu bringen, ist im Hintergrund eine Menge Vorarbeit nötig. Zum Beispiel muss der Betreiber dafür sorgen, dass Gesprächsdaten im Netzverkehr generell Vorrang vor anderen Daten haben. "Sie werden quasi markiert und erhalten Vorfahrt – es sind Bits und Bytes mit Blaulicht sozusagen", erklärt Dijkhuizen. Das Grundprinzip ist einfach: Jedes Wort wird zunächst in Datenpakete zerlegt, durch das Netz weitergeleitet und am Ziel – dem Gesprächspartner – wieder richtig zusammengesetzt. "Dabei darf nichts schief gehen und kein Bit verloren gehen", sagt Dijkhuizen. "Sonst hört der Gesprächsteilnehmer Kauderwelsch."

Anwender bemerken nichts von der aufwendigen Umwandlung im Hintergrund. Ihre Bits und Bytes rauschen weiterhin mit hoher Geschwindigkeit von Übergabepunkt zu Übergabepunkt, bis sie als Internet-Seite, als Video, Bild oder Text auf dem Tablet, Smartphone oder dem Bildschirm im Büro als Ganzes erscheinen – dem Internet-Protokoll sei Dank. "Mit der neuen IP-Technologie können wir mehr Leistung, besseren Service und ein ganz neues Portfolio anbieten", sagt Telekom CIO Müller. "Unternehmen profitiert an vielen Stellen von der vereinheitlichten Plattform."

So werden etwa veraltete ISDN-Geräte überflüssig, ebenso Splitter. Selbst ganze Telefonanlagen sind künftig obsolet und können abgebaut werden. "Die gesamte Telefonanlage inklusive aller Nebenstellen kommt künftig aus der Cloud", erklärt Müller den großen Kundenvorteil. Auch Dienstleistungen von Drittanbietern bindet die Telekom dann mit einem Knopfdruck ein. Da alle Dienste dieselbe Sprache sprechen, fällt die Integration hausfremder Leistungen leicht. So lassen sich Systemdienstanbieter etwa von Antivirenprogrammen, Musik oder Streaming-Partner und Cloud-Dienstleister kinderleicht in die Plattform einklinken.

Auf Basis des IP-Anschlusses lassen sich für Kunden alle Leistungen modular und skalierbar buchen: Unified Communications, cloudbasierte TK-Anlagen, Serverleistung aus der Cloud – alles kommt aus einem Stecker, von einem Anschluss. "IP-Technologie ermöglicht auch weitgehend Selfservice. Kunden können vieles, was sie brauchen, selbst konfigurieren", erklärt Müller den Vorteil. Das geht bis zur Vergabe weiterer Arbeitsplätze. Motto: Selbstbestimmt ist der Kunde.