Das hätte man sich fast denken können: Die anhaltenden NSA-Enthüllungen sorgen für gewaltige Verunsicherung bei Unternehmen und dämpfen den Cloud-Trend in Deutschland. Zumindest sehen sich viele Cloud-Skeptiker darin bestätigt, ihre Daten und Anwendungen intern zu lagern und zu betreiben. Das belegt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Pierre Audoin Consultants (PAC) in Berlin, die unter anderem von der Deutschen Telekom mitfinanziert wurde.

Mehr als 80 Prozent der Cloud-affinen Unternehmen sind nicht bereit, kritische Daten außer Haus zu geben, belegen Aussagen der Studie. „Wenn ein Großteil der Unternehmen, die der Nutzung von Cloud Services aufgeschlossen gegenüberstehen, Sicherheitsbedenken äußern, dann können diese nicht nur als Vorbehalte abgetan werden“, sagt Andreas Stiehler, Principal Analyst – Digital Enterprise bei Pierre Audoin Consultants (PAC). „Diese Bedenken müssen ernst genommen werden“, meint der Cloud-Experte.

Die Akzeptanz cloud-basierter Anwendungen unterscheidet sich je nach konkreter Business-Software. Wie die PAC-Studie zeigt, werden Web- und Videokonferenzen weitaus besser akzeptiert als etwa Office-Anwendungen. Die Akzeptanz cloud-basierter Anwendungen unterscheidet sich je nach konkreter Business-Software. Wie die PAC-Studie zeigt, werden Web- und Videokonferenzen weitaus besser akzeptiert als etwa Office-Anwendungen. (© 2015 PAC)

 

Cloud-Anbieter aus Deutschland sind besonders gefragt

Wer die Wolke nutzt, schaut sich seinen Anbieter seither genauer an: 57 Prozent der befragten 200 Unternehmen jeder Größe quer durch alle Branchen bestehen darauf, dass sich die Rechenzentren ihrer Provider in Deutschland befinden. Punkten können demnach Anbieter mit dem Prädikat „Made in Germany“. Auffällig zudem: Auch beim Thema Cloud bevorzugen kleine und mittlere Unternehmen lokale Partner, die sie als Vertragspartner erster Wahl beraten und bei der Umsetzung vor Ort unterstützten können.

Ohnehin ist die Cloud längst in Deutschland angekommen. Knapp 61 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen für die IT-Arbeitsumgebungen ihrer Mitarbeiter beziehungsweise planen oder diskutieren diese. Am häufigsten sind das allerdings noch intern betriebene Lösungen (Private Cloud) und Hybridlösungen, einen Mix aus der Private Cloud und der herkömmlichen Bereitstellung der Anwendungen. IT-Arbeitsumgebungen, die als Cloud Service von externen Providern bereitgestellt werden (Public Cloud), spielen in den Überlegungen der meisten IT-Verantwortlichen bislang nur eine untergeordnete Rolle (fünf Prozent).
Ein wesentlicher Grund für die Bevorzugung intern betriebener Lösungen sind die ausgeprägten Sicherheitsbedenken. Konkret verweist ein Großteil der Befragten Unternehmen auf einen möglichen Zugriff auf geschäftskritische Daten durch unberechtigte Dritte, etwa Geheimdienste. Weiterhin sind viele Unternehmen nicht sicher, ob die eigenen Datenschutzrichtlinien bei einem Cloud-Anbieter eingehalten werden können.

Der Gang in die Cloud fällt bei Web- und Videokonferenzen offensichtlich leichter.

Andreas Stiehler Principal Analyst Digital Enterprise, PAC

Die Nutzung und der Einsatz von Cloud-Anwendungen entwickeln sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. „Die Nase vorn haben Web- und Videokonferenzen“, sagt Stiehler. „Der Gang in die Cloud fällt hier offensichtlich leichter, vor allem wegen der hohen Innovationsgeschwindigkeit in diesem Bereich. Mit Blick auf die Sicherheit werden diese Anwendungen auch als weniger kritisch eingestuft “, weiß Stiehler. Am häufigsten werden bislang E-Mail-, Document Sharing- und Conferencing-Anwendungen (jeweils 21 Prozent) eingesetzt. Die PAC-Analysten rechnen in diesen Bereichen mit einem weiteren Wachstum der Cloud-Kundenbasis – wenngleich „mit angezogener Handbremse“. Die Analysten rechnen immerhin mit 20 bis 30 Prozent mehr Nutzer in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Evolution statt Revolution Sicherheitsbedenken sind der größte Hemmschuh für Unternehmen, die sich nicht in die Cloud wagen. 82 Prozent aller befragten Firmen sind nicht bereit, ihre Daten außer Haus zu geben. (© 2015 PAC)

 

Die Cloud bringt mehr Flexibilität

Zu den wichtigsten Argumenten für die Cloud zählen höhere Mobilität und Flexibilität. Knapp 90 Prozent der Cloud-affinen Unternehmen halten diese Argumente für relevant, mehr als 40 Prozent für entscheidend. Gleichzeitig sollten die Angebote aber auch niedrigere Kosten (80 Prozent) und eine höhere Sicherheit (68 Prozent) als bei der herkömmlichen Bereitstellung der Anwendungen gewährleisten. Was die Anbieter betrifft, bemängelt etwa jedes zweite Unternehmen eine geringe Reife der Angebote, Einschränkungen bei der Abbildung individueller Anforderungen oder ein ungünstiges Kosten-/Nutzenverhältnis. „Zwischen Marketing-Versprechen und tatsächlicher Leistung klafft offensichtlich noch eine Lücke. Hier müssen die Anbieter nachbessern“, rät Stiehler.

Das Fazit der Studie für die Cloud-Anwender: Die meisten Vorhaben adressieren derzeit eher insellösungsartig einzelne Mitarbeitergruppen wie die mobilen und Home-Office-Mitarbeiter, als das gesamte Unternehmen. Zudem werden vielfach nur ausgewählte Anwendungen und nicht ganze Arbeitsplätze Cloud-basiert bereitgestellt. Das Problem dabei: Die Vorteile des Cloud-Modells in puncto Kosteneinsparungen, Agilität und Sicherheit lassen sich jedoch nur dann ausschöpfen, wenn  über kurz oder lang sämtliche Arbeitsplatz-Anwendungen für alle Mitarbeitergruppen über eine einheitliche Plattform Cloud-basiert bereitgestellt werden. Ein solch "großer Wurf" spielt in den Überlegungen der Verantwortlichen heute jedoch kaum eine Rolle. Viele würden es bei der Umsetzung und weiteren Planung bislang eher bei einer „Cloud light“ belassen. Insgesamt könne man, so die Analysten, denn auch eher von einer Evolution als von einer Revolution sprechen.

Details zur Studie

  • Institut: PAC Pierre Audoin Consultants
  • Autoren: Dr. Andreas Stiehler, Principal Analyst – Digital Enterprise und Melanie Flug, Analyst & Researcher
  • Erhebungsdaten: Von Juni bis September 2014 wurden 200 IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen jeder Größe mit unterschiedlicher Branchenzugehörigkeit telefonisch (CATI) befragt. Bei den Befragten handelte es sich primär um IT-Leiter oder Stellvertreter, teils aber auch um die für IT zuständigen Mitglieder der Geschäftsleitung sowie Workplace- oder Cloud-Verantwortliche innerhalb der IT.
  • Umfang: 45 Seiten
  • Jahr: 2014

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