Fußballweltmeister, Exportweltmeister, Qualitäts-Weltmeister – Made in Germany gilt seit Jahrzehnten als Garant für Wertbeständigkeit und Qualität. Doch nicht überall sind die Deutschen technisch in der Pole-Position: Beim Thema Internetgeschwindigkeit sind wir hierzulande international nur Mittelmaß. Das belegt eine aktuelle Studie vom US-Internetdienstleister Akamai. Laut der Untersuchung „The State of the Internet“ landet Deutschland im Ranking der Länder mit schnellem Internetzugang weit abgeschlagen auf Platz 29 (mit durchschnittlich 8,8 Mbit/s). Die Internetgeschwindigkeit lahmt.

An der Spitze stehen Südkorea (22,2 Mbit/s) sowie Hong Kong (16,8 Mbit/s). In der Sonderverwaltungszone Chinas kann man zum Beispiel einen Film in SD-Qualität (1GB) in knapp achteinhalb Minuten herunterladen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Webgeschwindigkeit in Hong Kong um satte 37 Prozent erhöht.

Selbst im europäischen Vergleich schneiden die Deutschen mäßig ab: Am schnellsten sind Surfer in der Schweiz unterwegs (14,5 Mbit/s) wie auch in den Niederlanden (14,2 Mbit/s). Auch in Tschechien ist das Netz im Durchschnitt mit 12,3 Mbit/s deutlich schneller als hierzulande.

Deutsches Web: Zu langsam für die Weltspitze

Eine erstaunliche Feststellung, denn leistungsfähige Breitbandnetze seien für schnelles Internet eine „unbedingte Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum“, erklärt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bis 2018 will die Bundesregierung alle deutschen Haushalte mit einem schnellen Internetzugang versorgen – 50 Megabit pro Sekunde sollen für jeden Bundesbürger drin sein.

Die Daten der Studie werden von Akamai genau erhoben und gemessen. Dabei wird die tatsächliche Internetgeschwindigkeit zur Rate gezogen, nicht die verkaufte oder theoretisch verfügbare. Laut den Bundeswirtschaftsministerium war 2014 in Deutschland im ländlichen Raum für immerhin 13,8 Prozent der Haushalte ein Anschluss mit mindestens 50 Mbit/s verfügbar, im städtischen Raum gar für 78,5 Prozent. Während das Internet in den Städten also ordentliche Geschwindigkeiten vorweisen kann, lahmt die Leitung in vielen ländlichen Gebieten mit nicht einmal zwei Megabit.

Internetgeschwindigkeit_vergleich Internetgeschwindigkeit: Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher. (© 2015 )

In der Praxis sehen die Zahlen dann deutlich anders aus: Laut Akamai-Report weisen gerade einmal 18 Prozent der Internetanschlüsse in Deutschland eine Verbindungsrate von mehr als 10 Mbit/s auf. Mit diesem Wert liegt Deutschland klar hinter den führenden europäischen Ländern wie den Niederlanden (45 Prozent), der Schweiz (42 Prozent) und Tschechien (37 Prozent). Auch mit der durchschnittlichen Geschwindigkeit beim Surfen kann man kaum protzen: Deutschland liegt weltweit auf Platz 21 mit durchschnittlich 7,7 Mbit/s.

LTE-Netze stehen noch in den Startlöchern

Nicht nur in Sachen Breitbandnetz liegt Europa hinter Asien und den USA zurück, das Gleiche gilt für den schnellen Datenfunk LTE. Mit dem Mobilfunkstandard der vierten Generation lassen sich Daten bis zu 300 Megabit pro Sekunde übertragen. In Südkorea etwa hätten LTE-Anschlüsse im Mobilfunkmarkt Ende 2014 einen Anteil von 70 Prozent eingenommen, während sie in Westeuropa nur 15 Prozent ausmachten, ergab eine Untersuchung des Mobilfunk-Ausrüsters Ericsson. Die USA lägen im Mittelfeld mit einer LTE-Durchdringung von 40 Prozent.

Rasantes Wachstum im Mobilfunk vorhergesagt

Die Forscher bei Ericsson rechnen allerdings damit, dass Westeuropa bis 2020 den Rückstand weitgehend aufholt und LTE-Anschlüsse einen Marktanteil von 85 Prozent haben werden. Weltweit werden bis dahin 70 Prozent der Bevölkerung Smartphones mit ultraschnellen Datenfunktechniken nutzen. Die Folge: Ein rasanter Anstieg der Datenmengen in den mobilen Netzen. Netzwerk-Ausrüster wie Ericsson und Mobilfunkbetreiber wie die Telekom entwickeln daher seit Jahren den neuen Mobilfunk-Standard 5G, der riesige Datenmengen besser und schneller übertragen soll.

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