Flugsimulatoren: Großwetterlage, Fluggerät, Krisen-Szenarien – möglichst viele exogene und endogene Parameter der Flugrealität werden für die Pilotenausbildung simuliert - um spielerisch bestmöglich für die Realität zu trainieren. Fehler? Erlaubt! Ja, sogar gewollt!

Das Planspiel ist eine handlungsorientierte Methode, bei der komplexe ökonomische oder politisch-soziale Funktionszusammenhänge in einem modellhaften Spielszenario simuliert werden. So werden Planspiele immer häufiger eingesetzt, um Personal und sein Verhalten besser mit den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen. Im angelsächsischen Raum nennt man das: „Gaming Simulation“ oder „Action Learning“.

Sie bestehen in der Regel aus drei Sphären. Aus:

• abstrahierter bzw. vereinfachter Abbildung eines sozialen Systems (der Firma)
Spielregeln (existierende oder neu zu entwickelnde)
Spielern, die in Rollenspielen Ist- oder Soll-Verhalten abbilden

Im Spiel: Unternehmerisch denken lernen

 

Die Analyse des Spielverlaufs liefert die Learnings, mit der das Unternehmen Prozesse optimieren bzw. auf betriebsbezogenen Denk- und Verhaltensänderungen aufsetzen kann :

• Beschreibende Spielanalyse: Was ist passiert? Was haben die Spieler empfunden?
• Reflexion: Wie lässt sich der Spielverlauf erklären? Bewertung der Ergebnisse.
• Transfer: Was war realistisch? Welche Learnings gibt es für die Firma? Ableitung von Verhaltensänderungen.
• Kritik: Erkenntnis-Grenzen!

Das Spektrum der Planspiele ist so breit wie es Themen im Unternehmen gibt. Sie kreisen um Verkaufstraining, Führung, Team-Building, Produktionsabläufe, Change-Management, Sucht-Prävention oder sogar auch Burn-Out-Prävention.

Uwe Schirrmacher ist Gründer und Geschäftsführer der „SchirrmacherGroup“ (Planspiele, Spiele, Spieleshows, Trainings, Medien). Der gelernte Kaufmann und langjährige Personal-Leiter und -Entwickler eines großen mittelständischen Unternehmens (4.500 Mitarbeiter) zählt Konzerne wie BMW, Deutsche Bahn, MediaSaturn, Sparkassenverbände, Marc O´Polo oder Wella zu seinen Kunden.

mittelstand DIE MACHER fragte ihn: Mit welchen Problemen, Aufgabenstellungen kommen Unternehmer zu Ihnen?
Uwe Schirrmacher: „Unternehmensführer kommen mit fast allen Aufgabenstellungen zu uns. Häufig steht bei Unternehmen die Vermutung im Raume, dass Mitarbeiter nicht wirklich unternehmerisch bzw. in Firmen-Prozessen denken. Das liegt häufig auch daran, dass viele Mitarbeiter spezialisiert sind und sich nicht in den vor- und nachgelagerten Prozessen innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens auskennen. Es bremst ein Unternehmen aus, wenn Mitarbeiter etwa das SAP-System bloß mit Zahlen füttern, aber nicht wissen, wo diese herkommen, wo die Zahlen hingehen bzw. was das alles für Auswirkungen auf Kunden hat. Zu viele Mitarbeiter funktionieren zwar in der Firma, verstehen das eigene Geschäft aber nicht. Planspiele helfen, es endlich zu verstehen, zu durchdringen. Das ist Voraussetzung für eine insgesamt bessere Geschäftsentwicklung.“

Uwe Schirrmacher ist Gründer und Geschäftsführer der „SchirrmacherGroup“ (Planspiele, Spiele, Spieleshows, Trainings, Medien). Uwe Schirrmacher ist Gründer und Geschäftsführer der „SchirrmacherGroup“ (Planspiele, Spiele, Spieleshows, Trainings, Medien). (© 2015 U. Schirrmacher)

In welchen Bereichen werden Planspiele heute eingesetzt?

Uwe Schirrmacher: „In so gut wie allen: z. B. stehen Personalentwickler vor der Herausforderung, dass sie nach 20 Jahren immer gleicher Seminare – Führung I, Führung II, Führung III – auch mal ganz andere Methoden einführen müssen, die wachrütteln. Methoden, auf die sich die Mitarbeiter mit Haut und Haaren einlassen. Nur so geht Veränderung. Wir haben auch für die so schwierigen Themen Burn-Out-Prophylaxe oder Sucht-Prävention Planspiele entwickelt, die erlauben, ohne Berührungsängste vorzubeugen.“

Was ist Ihr Produktversprechen?

Uwe Schirrmacher: „Wir optimieren Mitarbeiter-Verhalten und harmonisieren es mit betriebswirtschaftlichen Erfordernissen. Mitarbeiterverhalten und Betriebswirtschaft stehen in einem ganz engen Kontext. Erwachsene lernen mit Planspielen wieder so effektiv, leicht und prägend wie Kinder. Es ist die natürlichste Art des Lernens. Kinder erlernen spielend ihr Sozial- oder Rollenverhalten. Bestes Beispiel: Mädchen, die mit Puppen spielen, experimentieren für eine spätere Mutterrolle. Wir adaptieren diese – sehr emotionale – Lernart: Bei uns darf experimentiert werden, hier dürfen, ja sollen geradezu Fehler gemacht werden. Das alles geschieht vollkommen stressfrei. Weil Planspiele weder als Prüfungssituationen wahrgenommen werden, noch Angst empfunden wird. Der Spaßfaktor bewirkt den produktivsten Lernmodus. Mit Planspielen erreichen Unternehmen drei mal schneller Ihre Coaching-Ziele, als mit normalen Schulungen oder mit klassischen Trainingsmethoden.“

Sind die Planspiele maßgeschneidert oder von der Stange?

Uwe Schirrmacher: „Wir entwickeln in minutiöser Kleinarbeit Spiele, die das Unternehmen spiegeln und die Aufgabenstellung. Beispiel: Ein Mittelständler wollte mehr Tuchfühlung zum Markt, näher am Kunden sein. Um den Mitarbeitern ein Gefühl für Kundendenke zu geben, haben wir den Kunden regelrecht in der Planspiel ‚eingebaut’ und ihm eine extra starke Stellung eingeräumt. Dieser Kunde hat dann im Spiel ganz anders agiert, als Chef oder Mitarbeiter dachten. Auch Wettbewerber wurden ‚eingebaut’. Am Ende kam heraus, dass die meisten Mitarbeiter den Kunden nicht wirklich auf dem Schirm hatten, sondern für sie war alles erledigt war, sobald das Produkt das Haus verlassen hat. Der Chef meinte danach zu mir, er müsse im Prinzip das komplette Denken in der Firma neu ausrichten: eben auf den Kunden. Tat er dann auch.“

Wie muss man sich die Spiele vorstellen?

Uwe Schirrmacher: „Wir setzen auf das System „Brettspiel“, halten das PC-Lösungen für weitaus überlegen! Wir bilden das Unternehmen, die Akteure, Prozesse – eben alles in einem Brettspiel ab. Das ist haptisch, analog – aber wirkt viel nachvollziehbar und tiefer, als Computer, wo die Teilnehmer vielleicht irgendwo eine Zahl eingeben, die aber dann im digitalen Nirwana verschwindet. Wir wollen ja gerade, dass sich unsere Coachees Ursachen, Abläufe, Prozesse und Folgen verinnerlichen und sich dadurch selbst verbessern. Brettspiele knüpfen an das Ur-Lern-Vermögen der Kindheit an.“

Was war das eklatanteste Learning eines Unternehmens?

Uwe Schirrmacher: „Ein Unternehmen mit über 100.000 Mitarbeitern wollte ihre Personal-Recruiter schulen, besser mit den eigenen Recruiting-Prozessen vertraut machen. So bildeten wir zunächst die Recruiting-Prozesse und –Logiken ab. Schon dabei stellte sich heraus, dass diese Prozesse in ihrer Logik nicht praxisgerecht funktionierten. Das haben wir dem Unternehmen zurückgespielt, das daraufhin erst einmal die Prozesse nochmals nachschärfte und diese mit in die Schulungen einbaute. Kleiner Einsatz – große Wirkung.“

Ein „Bei-Spiel“ aus dem Portfolio-Pool ist Air Stratega: Sinn und Ziel ist das Trainieren strategischen Handelns von Mitarbeitern. Dieses Spiel zielt vor allem ab auf das Vertiefen von Business-Denken und Wettbewerbs-Handeln von Mitarbeitern.

Die Teilnehmer schlüpfen in die Rolle von Airline Managern – und konkurrieren mit anderen Airlines. Simulation von Verdrängungswettbewerb! Im geschützten (Spiele-) Raum kann sich jeder Teilnehmer fiktiv auf die reale Kundenfront vorbereiten. Fehler kosten kein (Lehr-)Geld.

Von Erfolgen und Misserfolgen lernen

Die spielerischen Herausforderungen: Wer least die sparsamsten Flugzeuge? Wer trifft die richtige Imagestrategie und den Kundengeschmack? Welche Preispolitik bringt welche Auslastung? Für Planung und Aufbau seiner Airline steht jedem Team ein Laptop mit einem eigens entwickelten Planungstool zur Verfügung. Im Verlauf des Planspiel-Trainings zeigt sich, welche Strategien erfolgreich sind. Man lernt von eigenen Fehlern genauso wie von den Schwächen fiktiver Mitbewerber.

Praxistransfer im Flugsimulator

Der sinnlichen Vertiefung des Planspiels dient: Die Teilnehmer steigen unter Anleitung von Piloten in einen original Verkehrsflugzeug-Simulator: einen Airbus A320. Als Kapitän und erster Offizier spüren die Spieler die Umsetzung und Konsequenzen Ihrer vorangegangenen Entscheidungen hautnah. Sozusagen: Planspiel mit Nachbrenner.

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