Der Digitalverband Bitkom hat Feldforschung betrieben, eine Studie die aktuellen Trends in der Landwirtschaft herausgearbeitet. In den großen Betrieben (mit mehr als 100 Mitarbeitern) setzt schon ein Drittel der Bauern auf den Einsatz digitaler Technologien. Bei den kleineren Höfen tun dies immerhin noch 19 Prozent.

Künftig versprechen sich die Bauern noch von zunehmender Digitalisierung:

• Sinkende Produktionskosten (55 Prozent)
• Verbesserte Arbeitsabläufe (48 Prozent)
• Bessere Einsatzplanung des Maschinenparks (47 Prozent)

Maschine-zu-Maschine-Kommunikation hilft zum Beispiel in der Milchwirtschaft. Hier ist längst ein Spezialhalsband für die Tiere im Einsatz, das dem Bauern eine SMS schickt, wenn eine Kuh paarungsbereit ist oder auch wenn sich die Geburt abzeichnet. Noch Zukunftsmusik sind dagegen Feld-Roboter, wie etwa der Typ „BoniRob“ (noch im Entwicklungsstadium) , der mit Sensoren und Roboterarmen loszieht, um gezielt Unkraut auszumerzen.

Auf vielen modernen Höfen sind solche Zukunfts-Tools längst im praktischen Einsatz:

  • Drohnen: Landwirte können mit diesen unbemannten Fluggeräten zeitsparend Luftaufnahmen ihrer Felder, der Ernte usw. machen, um sich eine genaueres Bild vom Zustand ihrer Flächen zu machen. Die Aufnahmen werden auf dem PC ausgewertet.
  • Melkroboter: Das zeitraubende, händische Melken der Milchkühe ist vielfach und schon abgelöst von Melkkarussellen, in denen die Kühe nicht nur durch Computer-gesteuerte Melkbecher vollautomatisch gemolken werden. Programme analysieren gleichzeitig die Leistungswerte der Kuh und die Milchqualitäten der Tiere.
  • High-Tech-Traktoren: Sie ähneln immer mehr einem Flugzeug-Cockpit – sind ausgestattet mit Laptops, Bildschirm. Die High-Tech erlaubt ihnen, zentimetergenau auszusähen, ohne dass sich auf dem selben Feld angrenzende Anbau-Chargen überlappen. Sie fahren sogar satellitengesteuert über den Acker, ohne dass der Fahrer noch lenken müsste – er kann sich vielmehr auf die Aussteuerung von Saat und Düngung durch die Hänger konzentrieren.

Aber Digitalisierung muss nicht immer gleich ein Hightech-Traktor sein – der Einstieg geht auch ‚light’, wie z. B. die „Warn-Wetter-App“ zeigt, die vom deutschen Wetterdienst entwickelt wurde. Oder viele andere Software-Programme, die mithilfe von Smartphone oder Pads genutzt werden können.

mittelstand DIE MACHER sprach mit Landwirt Hubertus Paetow in Finkenthal bei Rostock. Er führt den Familienbetrieb seines Vaters weiter – und ist auf einem angemessenen Digitalisierungspfad.

Schon Ihr Vater war Landwirt: Was ist die gravierendste Änderungen im Hofbetrieb, der größte Hebel für mehr Produktivität?

 

„Das sind natürlich die Rationalisierungsprozesse, genauer der Ersatz von Mensch durch Maschine bzw. Tier durch Maschine. Früher waren ja auch noch Pferde bei der Feldarbeit im Einsatz.“

Wie starten Sie morgens in einen normalen Arbeitstag?
„Naturgemäß mit einem Blick in den Wetterbericht. Dann erfolgt die Arbeitseinteilung mit den Mitarbeitern - aber eher so wie früher, nämlich vis-à-vis und Mund-zu-Mund.“

Sie setzen selbst eine Drohne zur Analyse ein. Was bringt Sie Ihnen?

 

„Die Drohne liefert mir schneller Daten – und mehr Informationen, als ich durch Abfahren der Fläche und mit bloßem Auge erhalten könnte. Sie macht ja auch hundert Meter Höhe hoch auflösende Aufnahmen, mit denen ich z. B. Drainage-Verläufe ausmachen kann, die ich sonst gar nicht sehen könnte. Diese Fotos werte ich auf dem Computer aus, was mir hilft, die Stellen später zu reparieren. So liefert mir die Drohne bestimmte Parameter zur Optimierung des Sähens oder Düngens.“

Wo sind Sie noch digital unterwegs? Wie muss man sich Ihren Traktor vorstellen?

 

„Schlepper haben heute schon auch Terminals. Meiner hat einen Rechner mit Touch-Bildschirm. Der vernetzt z.B. den Schlepper mit dem Anhänger – und steuert Arbeitsschritte. Beispiel: Kalken. Bestimmte Stellen im Boden brauchen mehr Kalk als andere – das steuert dann nach vorheriger Analyse. Wir recherchieren etwa die Bodenverhältnisse genau, übertragen die Schlussfolgerungen in Karten. Diese Karten wandern (via USB-Stick) in den Rechner auf dem Schlepper und leiten dann so unsere Arbeit. In Zukunft werden wohl mehr und mehr Rechner auf den Maschinen eingesetzt. Ein großer Mehrwert ergibt sich auch aus der GPS-basierten Fahrzeug-Lenkung.“

Welche Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen bringt Ihnen die Digitalisierung?

„Für meinen Betrieb kann ich das jetzt noch nicht final beantworten, aber niemand kann sich leisten, das Thema Digitalisierung zu ignorieren. Jeder muss à jour bleiben. Auch wichtig, dass wir nicht von Entwicklungen überrollte werden, die wir nicht haben kommen sehen. Ich persönlich glaube, dass uns das Thema Big Data wirklich weiter bringen wird. Wenn wir Daten zusammenbringen, die uns betriebswirtschaftliche Erkenntnisse oder Markt-Know-how schenken. Ein Beispiel: Mich würde interessieren, was mir die verknüpfende Auswertung von lokalen Wetterdaten, verschiedenen Aussaatverfahren und dem Kraftstoff-Verbrauch der Schlepper sagt. In solchen Analysen steckt noch eine Menge Kreativität bzw. Potenzial drin. Durch das fortschreitende Erkennen von Zusammenhängen können wir Prozesse in den Betrieben erhöhen und dadurch alleine schon signifikant effizienter werden.“

Gibt es denn auch eine Digitalisierung light? Also erschwingliche Einsteiger-Rezepte?

„Ja, man muss nicht gleich mit großen Investments einsteigen. Es gibt für den Anfang sehr hilfreiche kostenlose, herunter ladbare Software: quasi Digitalisierung zum Schnuppern! Ein Beispiel: Wir können etwa in Dropbox oder anderen vernetzten Share-Plattformen Arbeitsergebnisse listen, auf die wir vom Hof von überall her zugreifen können. Das ist eine echte Arbeitserleichterung. So gibt es viele andere Beispiele aus dem Consumerbereich, die auch Abläufe und Prozesse auf einem landwirtschaftlichen Betrieb enorm erleichtern und Kosten sparen. In kleinen, überschaubaren Schritten ist das eine wirksame Annäherung an das Thema Digitalisierung.“

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