Mit dem neuen iPad Air 2 bleibt sich Apple treu. Denn bei den Kaliforniern ist Technik nicht nur einfach ein Stück Technik, sondern zugleich Handschmeichler, Augenschmaus, und bestenfalls Stilikone, bevor es das Haus als Produkt mit dem Apfel-Logo verlassen darf. So ist es auch beim Newcomer: Das flache Tablet fühlt sich tatsächlich noch besser an als seine fünf Vorgänger, ist schöner anzuschauen und bildet das, was es zeigt, auch besser und schärfer ab. Kurzum, Apple übertrumpft sich also wieder einmal selbst.

Was die Herzen höher schlagen lässt, sieht in nüchternen Zahlen dann so aus: 18 Prozent dünner als sein Vorgänger und bringt 32 Gramm weniger Gewicht auf die Waage. Bildschirmgröße und -auflösung haben sich nicht geändert, Retina bleibt Retina. Das iPad Air 2 liegt bei 2048 x 1536 Pixel mit einer Schärfe von 264 pixel per inch nicht vorne bei den Tablets. Hier punktet Samsung bei seinen aktuellen Galaxy Tab S mit 359 ppi – deutlich mehr.

Ein echter Hingucker Der Rücken besteht aus einem Guss. Apple hat sein iPad Air 2 so geschaffen, dass keine Naht zurück bleibt. Das Aluminiumgehäuse ist übern Rand gebogen, das Display eingebettet. (© 2015 Apple)

Fotos und Abbildungen sind sehr kontrastreich

Doch die Abbildungsqualität wird nicht allein durch Pixeldichte bestimmt, auch Kontrast und Farbgebung sind für das Auge entscheidend. Und genau da hat Apple Hand angelegt: Das Luftpolster zwischen Displayglas und LCD-Schicht wurde ganz abgeschafft, stattdessen sind Glas und Bildschirm zu einer Schicht geschmolzen. Und siehe da – das Bild erscheint deutlich kontrastreicher, die Farben satter als je zuvor. Für diesen Augeneffekt sorgt auch eine neue Oberflächenbeschichtung, die Spiegelungen um 56 Prozent reduzieren soll. Ein Wert, der sich in der Praxis wahrlich "sehen lassen" kann: Tageszeitungen, Bücher, Videos und aufwendige Fotos lassen sich auch bei Sonnenlicht gut lesen und betrachten. Das Auge mag auch nach einstündiger Lektüre noch gern hinschauen. Kurz: Das iPad Air 2 ist ein echter Hingucker.

So schmeichelhaft fürs Auge, so angenehm für die Hand. Obwohl das Air 2 in der Version ohne SIM-Kartenschacht nur 32 Gramm weniger wiegt als das Air, macht sich das geringere Gewicht dennoch bemerkbar – wer das Tablet länger hält, wird es merken. Damit sich das Gerät gut greifen lässt, wurde das Aluminium in seinem Rücken leicht angeraut. Der Eleganz hat es nicht geschadet. Großen Wert legt Apple auch auf das Gehäuse aus einem Stück. Der Aluminiumrücken reicht übern Rand bis zum Display, eine unschöne Naht hat sich der Hersteller verbeten.

Ein echter Hingucker Den Lautlos-Knopf hat Apple sich gespart. Wer das iPad Air 2 mit einem Mal still haben will, drückt einfach die "leiser"-Taste. Auch hier gehorcht das Gerät prompt und stellt den Ton komplett ab. (© 2015 Strohm)

Doch nicht nur im sichtbaren Bereich hat Apple nachgelegt. Auch der Motor der ganzen Maschinerie wurde mächtig aufgepeppt. Schon mit ihrem 3-Kerne-Prozessor A8X erweisen sich die Apple-Techniker als spendabel, doch dazu gibt es mit zwei Gigabyte noch doppelt so viel Arbeitsspeicher wie bisher und einen neuen, flotteren Grafikchip. Ergebnis: Das iPad 2 Air kommt auf 40 Prozent mehr Leistung als sein Vorgänger, so das Versprechen von Apple. Tatsächlich reagiert das Tablet pfeilschnell auf Download-Befehle selbst großer Dateien. Aufwändige Präsentationen, Magazine, und Videos sind in beachtlicher Geschwindigkeit geladen, jegliche Arbeit geht leicht von der Hand. Das iPad Air 2 leistet sich keine Pausen. Mit seiner Technik ist Apple sogar schneller als die Entwickler – noch gibt es keine Apps, die diese Leistung voll abrufen können.

Schnelle Übertragungen

Um die Übertragungsgeschwindigkeit im Büro nicht zu drosseln, verfügt das iPad nun auch über den schnellen ac-WLAN-Standard. Ein längst fälliger, konsequenter Schritt, der Geschwindigkeiten mit bis zu 866 Mbit/s verspricht. In der Praxis landeten aufwendige Präsentationen und Tabellen denn auch spürbar schneller auf dem Tablet. Laut Apple schafft die WLAN-Übertragung die doppelte Geschwindigkeit im Vergleich zum Air. Auch Bluetooth 4.0 wird dem Anspruch auf Power gerecht.

Ein echter Hingucker Schmaler als ein Kugelschreiber, dicker als ein Keks: das iPad Air 2. Doch zwei Kekse übereinander wiederum sind schon dicker das das neueste iPad – und zerbrechlicher. (© 2015 Strohm)

Wer viel unterwegs mit dem Tablet arbeitet, sollte sich für die Variante mit SIM-Karte entscheiden, LTE ist selbstverständlich mit an Bord. Apple hat dafür gesorgt, dass möglichst viele Nutzer die rasante Geschwindigkeit erleben können, daher deckt das Air 2 die Frequenzbereiche um 800, 1.800 und 2.600 Megahertz ab. In den LTE-Plus-Netzen der Telekom rauschen die Daten bis zu 150 Mbit/s schnell durch.

Für mehr Komfort in der Bedienung sorgt die Touch-ID, das ist der Home-Button und damit der einzige Knopf, den Apple auf seinen iPads zugelassen hat. Dahinter steckt ein Fingerabdrucksensor, der sich auf bis zu fünf Finger trainieren lässt. Die Technik reagiert tatsächlich augenblicklich auf Berührung und entsperrt das Air 2 überraschend schnell – vorausgesetzt, da versucht es kein falscher Finger. Sonst wehrt sich die Technik erfolgreich und bleibt standhaft. Praktisch: Die Touch-ID beschränkt sich nicht nur auf Sperren und Entsperren des Gerätes, auch bezahlen im App-Store und bei iTunes laufen über den Sensor. Künftig soll zudem der Bezahldienst Apple Pay die ID nutzen.

Professionelles Arbeiten mit dem iPad

Frühere gelegentliche Kritiken an den schwächelnden Kameras eines iPad haben die Techniker von Apple offensichtlich ernst genommen. Das Air 2 wurde mit einer 8 Megapixel-Linse hinten versorgt, der sogenannten iSight. Für FaceTime und Selfies im vorderen Teil muss eine Linse mit 1,2 Megapixel-Auflösung genügen. HD-Videos lassen sich mit beiden Kameras aufnehmen. Imposant sind die Funktionen Zeitraffer, und das Gegenstück, die Slow Motion. Tatsächlich huschen Spaziergänger im Schnellgang übern Bildschirm, während die Zeitlupe Personen scheinbar in Trance versetzt. Eine schöne Zusatzfunktion, um Details sichtbar zu machen.

Ein echter Hingucker Tabellen, Diagramme und Kalkulationen mit einem Wisch: Das iPad Air 2 hat das Programm Numbers gleich mit an Bord. (© 2015 Strohm)

 

Fazit
Wenn Apple für seine Produkte trommelt, wird es laut. So auch beim iPad Air 2. Als bestes Tablet aller Zeiten will der Weltkonzern das Gerät verstanden wissen, und tatsächlich erweist sich das dünnste und leichteste iPad in der Praxis als Primus in fast jeder Disziplin. Das Air 2 arbeitet extrem schnell, lässt sich leicht bedienen, hat eine sehr gute Abbildung und kommt mit zahlreichen Funktionen daher, die das tägliche Arbeiten erleichtern.

Für professionelle Nutzer packt Apple gleich mehrere Anwendungen auf das Air 2. Die Software Numbers ist für Tabellenkalkulation zuständig, interaktive Diagramme lassen sich damit ebenso erstellen wie Standardtabellen. Üppig fällt auch die Dokumenten-App Pages aus, sie soll das bekannte Word ersetzen. Für Präsentationen aller Art eignet sich Keynote. Wem die Apps nicht vertraut genug sind, kann jederzeit auf altbekannte Arbeitswerkzeuge wie Microsoft Office etwa aus dem Business Marketplace der Telekom zugreifen. Um die Einbindung in die Firma zu ermöglichen, nutzt das Tablet SSL VPN und den Sicherheitsstandard WPA2. Außerdem unterstützt das Gerät die Einbindung in Mobile Device Management-Lösungen und lässt sich so in vorhandene Infrastrukturen eingliedern.

Ein echter Hingucker Drei Farben stehen zur Wahl: Das Air 2 kommt in Silber, Gold und Grau auf den Markt. (© 2015 PR)

Handoff: Geräteübergreifendes Arbeiten

Ein enormer Fortschritt zu vernetztem Arbeiten steckt in der Funktion Handoff, die in das neue Betriebssystem iOS eingebettet ist. Handoff klingt banal, bewirkt jedoch Großes: Jede Aktion – sei es ein Telefonat führen, eine SMS schreiben, Grafiken erstellen, Tabellen berechnen oder einfach nur eine Mail verfassen, lässt sich auf jedem beliebigen Apple-Gerät fortsetzen. Die Welt wird geräteübergreifend austauschbar. Wenn Sie auf dem Tablet eine Tabelle erstellen und unterbrochen werden, setzen Sie Ihre Arbeit später auf dem Rechner fort. Handoff ermöglicht den nahtlosen Übergang von dem, was Sie gerade tun, ohne lästiges Hantieren mit USB-Stick, Bluetooth-Verbindungen oder sich selbst Mails mit Anhang schicken. Einzige Voraussetzung: Alle Geräte müssen dasselbe iCloud-Konto nutzen – dann klappt die Verbindung.