Ein leises Rattern erfüllt den Raum. Kurze Pause, dann rattert es wieder. Ein junge Frau sitzt vor einer weißen Nähmaschine. Mit flinken Fingern bugsiert Ilona Schleswig den linken Ärmel an ein Sakko und lässt dann die Maschine die Nähte präzise setzen. Was hier im Showroom des Nähmaschinenherstellers Dürkopp Adler in Bielefeld so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit eine kunstvolle Angelegenheit. Die Nähte am Sakkoärmel müssen perfekt sitzen. "Mit der Kurvenunterstützung nimmt mir die Maschine viel Arbeit ab", sagt die Profinäherin. "Die Maschine rechnet sowohl die optimale Länge als auch die Spannung des Nähfadens aus."

High-Tech Nähmaschinen

Anzüge und Kleider tadellos zusammennähen ist nur eine Aufgabe der Maschinen – andere Modelle gehen ganz anderen Arbeiten nach: die M-Type etwa, ein Koloss mit einem Touchdisplay, ist für die korrekte Heftung von Auto-Airbags zuständig, oder verziert Pferdesättel mit hübschen Nähten.

Nichts an diesen Geräten erinnert mehr an die schwere, schwarze Metallmaschine von einst, die heute gerne als Deko im vielen Wohnzimmern steht. Die Modelle aus Bielefeld erstrahlen in edlem Weiß, ihr Inneres steckt voller Elektronik. Früher lag der Anteil der Mechanik bei 90 Prozent, inzwischen macht das noch die Hälfte aus. Sie sind mit Software und Nähprogrammen, mit Touchdisplays und Netzwerkanschlüssen ausgestattet.

In den Hallen neben dem Showroom ist die Montage untergebracht. Hier setzen Mitarbeiter jede Maschine in Handarbeit zusammen – das dauert einen Tag. Die Justierung benötigt einen weiteren Tag. Dann werden sie für den Versand vorbereitet. Heute ist Dürkopp Adler mit rund 1.260 Mitarbeitern der einzige europäische Hersteller von Industrienähmaschinen und Nähautomaten. Das Unternehmen gehört seit 2005 zu dem chinesischen Firmenkonglomerat SGG. 90 Prozent der Maschinen aus Ostwestfalen werden exportiert.

"Unsere Maschinen stehen für höchste Qualität."

Dietrich Eickhoff
Vorstandschef Dürkopp Adler

Mit den Maschinen Made in Bielefeld wird in Bangladesh und Indonesien, in Indien und China Kleidung genäht. Es entstehen Schuhe, Lederwaren, Polstermöbel und Autositze. "Wir stellen zuverlässige und langlebige Produkte her, die zu einer umweltschonenderen Produktion beitragen", betont Eickhoff.

Chef der Nähmaschinen: Dietrich Eickhoff ist seit 2011 Vorstandschef. Chef der Nähmaschinen: Dietrich Eickhoff ist seit 2011 Vorstandschef. (© 2015 Christian Wyrwa)

Nicht nur das: Jede Nähmaschine ist heute mit einer Steuerungssoftware ausgestattet. Wenn es der Kunde gestattet, können Servicetechniker von Dürkopp Adler aus der Ferne auf die Maschinen zugreifen. Der Mittelständler nutzt eine Machine-to-Machine-Lösung (M2M) der Deutschen Telekom. Jede Nähmaschine ist über die Steuerungseinheit mit einem Funkmodem plus SIM-Karte verbunden. Die empfangenen Maschinendaten sendet das Modem dann über das sichere und zuverlässige Telekom-Mobilfunknetz an eine Online-Plattform, die sogenannte "Cloud der Dinge". Dieses Portal wird von der Telekom aus ihren hochsicheren, ISO-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland betrieben.

Vernetzte Produktion

Hier lassen sich jede Menge Informationen abrufen: Wie lange läuft die Maschine? Wie lange steht sie still? Wie lange ist sie ausgefallen? Daneben werden auch Infos wie Maschinenart, Softwareversion und die Seriennummer angezeigt.

Auch unterschiedliche Einstellungen an der Maschine, darunter Programme, Geschwindigkeit oder die Stichlänge können Service-Mitarbeiter einsehen. So sind Nähmaschinen nicht mehr wie früher abgeschottet, sondern Teil einer Wertschöpfungskette in einer vernetzen Produktion. Die Digitalisierungslösung hat viele Vorteile für den Hersteller und dessen Kunden. "Im Störfall können wir sehr schnell auf unsere Maschinen zugreifen", sagt Michael Kilian, Leiter Engineering und Service bei Dürkopp Adler. "Das heißt: Keine Nähmaschine muss bei einem Schaden lange still stehen. Wir können so die Verfügbarkeit der Systeme für unsere Kunden deutlich erhöhen."

Die Naht muss perfekt sitzen: Im Bielefelder Showroom bei Dürkopp Adler zeigt eine Profi-Näherin, wie Ärmel an Sakkos angenäht werden. Im Bielefelder Showroom bei Dürkopp Adler zeigt eine Profi-Näherin, wie Ärmel an Sakkos angenäht werden. (© 2015 Christian Wyrwa)

Weiterer Pluspunkt

Die Serviceteams müssen weniger verreisen, denn viele Störungen lassen sich aus der Ferne beheben. "Liegt eine Fehlermeldung vor, wird der Techniker per SMS oder E-Mail benachrichtigt. Er kann die Maschinendaten im Portal aufrufen", sagt Dirk Backofen, Leiter Portfoliomanagament und Marketing Geschäftskunden bei der Telekom.

Umgekehrt kann Dürkopp Adler aus den Fehlermeldungen lernen und die Qualität der Nähmaschinen weiter verbessern. Das kommt wiederum den Kunden zu Gute: So kann Dürkopp Adler zum Beispiel Updates aufspielen und auf Knopdruck neue Nähmaschinenfunktionen bereitstellen. Das Ganze erinnert an Softwareupdates bei Computern – seit Jahren, eine gängige Praxis.

"Von den systematischen Wartungsarbeiten profitieren vor allem große Industriekunden“, sagt Telekom-Manager Backofen. "Dank der M2M-Lösung können sie anfallende Wartungszeiten besser einplanen. Sie sehen genau, wann ihre Nähmaschine eine bestimmte Laufzeit erreicht hat."

Ein Blick auf die Zahl der Stiche zum Beispiel zeigt, wann Verschleißteile wie Nadel oder Messer, die den Faden abschneiden, ausgetauscht werden müssen. Über das Online-Portal lässt sich außerdem feststellen, ob eine Maschine ausgelastet ist oder noch Kapazitäten vorhanden sind. Das erleichert wiederum die Produktionsplanung und macht den Herstellungsprozess flexibler. Auch eine Verknüpfung der M2M-Lösung mit den ERP- und CRM-Systemen ist möglich.

Datensammlung leicht gemacht: Künftig ist jede Nähmaschine mit einem Modem plus M2M-SIM-Karte ausgestattet. Datensammlung leicht gemacht: Künftig ist jede Nähmaschine mit einem Modem plus M2M-SIM-Karte ausgestattet. (© 2015 Christian Wyrwa)

Sichere Datenübertragung

Die Datenübertragung ist übrigens bestens gesichert, denn alle Informationen werden über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) übermittelt. Das heißt, sie laufen das Internet, aber über eine besonders geschützte Verbindung auf die nur eine bestimmte Nutzergruppe zugreifen kann.

"Wir haben uns bewusst für die Telekom entschieden", sagt Michael Kilian, Leiter Engineering und Service. "Denn das Mobilfunknetz der Telekom ist sicher, schnell und hochverfügbar. Und mit der M2M-Lösung sind wir unabhängig von dem lokalen Netzwerk unserer Kunden. Deren IT-Systeme vor Ort bleiben vollkommen unberührt." Derzeit setzt Dürkopp Adler die Maschinensteuerung aus der Cloud in verschiedenen Branchen ein, etwa die Automobilzulieferung, bei Herstellern von technischen Textilien oder bei Polstermöbelproduzenten. Künftig wollen die Bielfelder zusätzlich Nähmaschinen vernetzen, die in der Bekleidungs- und Modebranche eingesetzt werden. Dann heißt es: "Bereit für ein Update aus Bielefeld."

Über Dürkopp Adler

  • Gründung: 1860
  • Unternehmenszweck: Herstellung und Vertrieb von Industrienäh-
maschinen und Nähautomaten
  • Sitz: Bielefeld
  • Mitarbeiter: 1.260
  • Historie: Im späten 18. Jahrhundert, entwickelte sich Bielefeld zum Zentrum der Textilindustrie in Deutschland. Die Stoffe wurden mit Nähmaschinen aus den USA verarbeitet, die allerdings teuer und aufwendig zu warten waren. Die Schlosser Carl Baer und Heinrich Koch gründeten 1860 die erste, eigene Nähmaschinenfabrik in Bielefeld. In den folgenden Jahrzehnten stellte das Unternehmen Nähmaschinen, Fahrrädern, Motorrädern, Automobilen, Förderanlagen und Kugellagern her. 1990 entstand durch einen Fusion die Firma Dürkopp Adler AG. Am 30. Juni 2005 erfolgte die Übernahme der Aktienmehrheit an der Dürkopp Adler AG durch die SGG-Gruppe mit Sitz in Shanghai.

    Telekom und 
Dürkopp Adler

    Ausgang // Der Nähmaschinenhersteller wollte seine weltweit eingesetzten Maschinen aus der Ferne überwachen, Standzeiten reduzieren sowie seinen Kunden Maschinen- und Produktionsdaten bereitstellen.

    Lösung // Dürkopp Adler setzt eine M2M-Lösung ein. Über ein Funkmodem werden die Daten der Nähmaschinen über das Mobilfunknetz der Telekom an ein Portal übertragen.

    Fazit // Der Mittelständler kann die Nähmaschinen schneller reparieren und spart Geld, da die Servicetechniker nicht immer vor Ort sein müssen. Den Kunden fällt es leichter, Wartungen zu planen und sie können dank der vielen Infos ihre Maschinen optimal auslasten.

    Weiterführende Links zum Thema:

    Die Welt der Nähtechnik und alle Infos zu den 
Industrie-Nähmaschinen von Dürrkopp Adler:
    www.duerkopp-adler.de

    Alles rund um M2M der Telekom und Industrie 4.0:
    www.telekom.de/gk