Jederzeit wissen, wie die Produktionsanlage gerade läuft: Das wünscht sich jeder Produktionschef. Viele kleine und mittelständische Unternehmen halten sich aber zurück, wenn es darum geht, ihre Produktion zu digitalisieren. Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau gehören zu den „Pionieren“ bei der Umsetzung von Industrie 4.0. Das hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in einer Studie zur „Industrie 4.0 Readiness“ festgestellt.

Knapp ein Fünftel (17,9 Prozent) zählen sich zu den „Einsteigern“, die sich im Rahmen erster Konzepte und Maßnahmen mit dem Thema befasst haben. Die übrigen 76,5 Prozent haben bisher keine systematischen Schritte zur Umsetzung von Industrie 4.0 eingeleitet.

Cloud-basierte Planungsplattformen erleichtern den Einstieg

Wer die Digitalisierung seines Unternehmens scheut, kann zumindest mit der Vernetzung einzelner Maschinen anfangen, raten Experten. Etwa mit einem Komplettpaket für Machine-to-Machine(M2M)-Kommunikation, das sich einfach installieren und betreiben lässt und den notwendigen Service enthält.

Die Telekom zum Beispiel bietet mit der IoT-Plattform „Cloud der Dinge“ eine Ende-zu-Ende-Lösung, mit der Unternehmen Sensordaten von Maschinen speichern, auswerten und visualisieren – und so Geräte oder Produktionsanlagen aus der Ferne überwachen können. Cloud-basierte Plattformen wie diese steigern die Effizienz eines Unternehmens erheblich, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC herausfand. Unternehmen, die auf solche Systeme zurückgreifen, sind wesentlich besser mit Zulieferern oder Kunden vernetzt und konnten ihre Leistung erheblich steigern sowie Lagerbestände verringern.

„Cloud der Dinge“: Einfach alles im Blick

Ein besonders nützliches Feature der Plug’n’Play-Lösung: der so genannte „Cloud Fieldbus“. Alle Geräte, die das weitverbreitete Modbus-TCP-Protokoll nutzen, werden damit noch schneller und ohne Programmierung über die „Cloud der Dinge“-Benutzeroberfläche integriert. Weitere Protokolle sind in Planung.

Sind die Maschinen mit der „Cloud der Dinge“ einmal verbunden, sammelt und speichert die Plattform die Sensordaten und Statusmeldungen der angeschlossenen Geräte. Übersichtlich aufbereitet können Nutzer sich jeden wichtigen Messwert anzeigen lassen. Stellt die „Cloud der Dinge“ während der Auswertung der Information fest, dass vorher festgelegte Grenzen überschritten werden, sendet sie sofort einen Alarm an den verantwortlichen Mitarbeiter, der im System vorab hinterlegt wurde. Wartungstechniker können dann über die Online-Benutzeroberfläche den Grund für die Fehlermeldung analysieren und schnell reagieren. So werden Schäden an den Maschinen und die Auswirkungen auf den gesamten Produktionsprozess so gering wie möglich gehalten.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die mit der IoT-Lösung der Telekom erhobenen Daten per API-Schnittstelle in die vollständig automatisierten Maschinen- und Prozessabläufe vor Ort einfließen zu lassen. Auf diese Weise können die kundeneigenen Enterprise-Systeme selbstständig auf Warnungen reagieren und Leistungen der vernetzten Geräte bedarfsgerecht einstellen.

"Vorausschauende Wartung war ein treibender Faktor zur Vernetzung unserer Produkte."

Thomas Hamacher
CTO bei CERTUSS

Thomas Hamacher, CTO bei CERTUSS: „Wir haben den Schritt in Richtung Industrie 4.0 gewagt und können unseren Kunden noch besseren, moderneren Service bieten.“ Thomas Hamacher, CTO bei CERTUSS: „Wir haben den Schritt in Richtung Industrie 4.0 gewagt und können unseren Kunden noch besseren, moderneren Service bieten.“ (© 2016 Rainer Holz)

Potenzial für „Predictive Maintenance“

Lassen sich über einen längeren Zeitraum Daten einer Maschine sammeln, können Systemverantwortliche sogar Voraussagen machen. Diese Funktion nutzt zum Beispiel CERTUSS, führender Hersteller von industriellen Dampfautomaten. Anhand der von der „Cloud der Dinge“ gewonnenen Messwerte können die Techniker des Krefelder Mittelständlers tatsächlich voraussagen, wann Geräte ausfallen könnten – und wie sich das mit rechtzeitiger Wartung verhindern lässt.

Dieses System der vorbeugenden Wartung – „Predictive Maintenance“ – ist ein enormer Wettbewerbsvorteil, wie eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums und des Beratungsunternehmens Accenture zeigt. Sie fand heraus, dass Predictive Maintenance Einsparungen bei geplanten Reparaturen von zwölf Prozent ermöglicht. Wartungskosten lassen sich außerdem um fast 30 Prozent senken. Und ungeplante Stillstände gehen der Studie zufolge um 70 Prozent zurück.

Wann lohnt sich die Vernetzung?

Anlagen und Maschinen in der Cloud zu bündeln und zu digitalisieren ist ein wichtiger Schritt, wenn Sie:

  • die Effizienz Ihres Unternehmens steigern wollen. Denn maschinelle Abläufe werden zentralisiert, rationalisiert und automatisiert. Die Fehlerquote sinkt.
  • eine Entscheidungshilfe benötigen. Denn enorme Datenmengen werden gebündelt und analysiert. Dies ermöglicht exakte Vorhersagen und schafft einen Rahmen für fundierte Entscheidungen.
  • weitere Informationen gewinnen wollen. Denn mit der „Cloud der Dinge“ erfassen Sie wertvolle Informationen und verwandeln Daten in unternehmerische Intelligenz.
  • profitabel wirtschaften wollen. Denn Unternehmen sparen nicht nur Wartungs- und Personalkosten. Sie vermeiden auch teure Ausfälle und unnötige Materialkosten.
  • neue Produkte oder Services anbieten wollen. Dank der gewonnenen Daten und des Fernzugriffs auf Maschinen sind ganz neue Geschäftsmodelle möglich.

Weiterführende Links zum Thema

IoT: Wie Unternehmen wie Pfannenberg, CERTUSS und DAL vom Internet der Dinge profitieren

Cloud der Dinge

Telekom: Alle Geräte im Blick behalten (PDF)

Special: Cloud Computing

Special: Das Internet der Dinge