Was hat ein ferngesteuerter Monstertruck mit dem Mobilfunknetz der Zukunft zu tun? Wenig, will man meinen. Ein Trugschluss, wie die Testfahrt des Nokia-CEO Rajeev Suri auf dem Mobile World Congress in Barcelona bewies. Zunächst dirigierte Suri den Truck mühevoll auf einem Testgelände über ein übliches 4G-Funknetz. Danach wurden die Steuerbefehle über eine Vorversion des neuen Mobilfunknetzes der fünften Generation (5G) erteilt. Und siehe da: Das Fahrzeug reagierte präzise auf die Lenkbefehle aus der Ferne und ließ sich problemlos über die Rennstrecke navigieren.

Damit verdeutlichte der Nokia-Chef auf dem diesjährigen Mobile World Congress: Mit fixer Datenübertragung, millisekundenschnellen Reaktionszeiten des Netzes und verlässlicher Funkverbindung können Produktionsmaschinen aus der Ferne gesteuert, Roboter dirigiert, autonom fahrende Autos gelenkt oder Drohnen sicher in Städte geleitet werden. 5G bietet diese Qualitäten. Die Netzkapazität ist im Vergleich zur aktuellen Technik rund 1.000 Mal größer. Sie erreicht eine hundertfach höhere Übertragungsgeschwindigkeit und ermöglicht eine zehnmal schnellere Reaktionszeit. Zusammengefasst: 5G ist der Überschalljet der Netzwerkbranche.

Turboschnelles Rückgrat für das Internet der Dinge

Die vielversprechende Technik soll bereits 2020 Realität werden. Dann will auch die Deutsche Telekom 5G in Deutschland anbieten, sagt Telekom-Chef Timotheus Höttges. „5G ist mehr als ein Standard“, sagt er auf der Mobile World. „5G ist ein Enabler.“ Auch die Konkurrenz beschäftigt sich intensiv mit der neuen Funktechnik. Bislang gibt es weder finale Spezifikationen noch einen verbindlichen Mobilfunkstandard.

Doch wenn er denn verfügbar ist, wird der 5G-Turbo zum technischen Rückgrat für das Internet der Dinge. Er wird zum wichtigsten System, das Maschinen mit dem Internet künftig noch engmaschiger vernetzt. Neue, leistungsstarke Cloud-Dienste wären dann ebenfalls möglich, wobei die Cloud im Zeitalter von 5G anders sein wird als bislang gewohnt. Wer autonom fahrende Autos in Deutschland aus einer US-basierten Cloud steuern will, wird aufgrund der langen Übertragungszeiten viel Mühe haben. Also ist ein Umdenken angesagt. Die Cloud von morgen ist mobil. Sie ist da, wo sie lokal benötigt wird. Nur so ist zum Beispiel verzögerungsfreies Steuern von selbstfahrenden Fahrzeugen aus der Wolke möglich.

Vernetzte Metropolen und Connected Cars

Neben 5G wurde auch auf dem Mobile World Congress das Internet of Things (IoT) viel diskutiert. Schon seit Jahren ist IoT in der Geschäftswelt angekommen. In Barcelona wurden nicht nur kleine Bestandteile wie vernetzte Sensoren, sondern auch spektakuläre und gigantische Vernetzungsthemen vorgestellt. So zeigte der chinesische Netzwerkausrüster Huawei per Virtual Reality, wie das Fahren der Zukunft sein wird. Beim Projekt Connected Cars steht vor allem die Sicherheit für Fahrer und Fahrzeug im Vordergrund. Über intelligente Sensoren in den Fahrzeugen und per Datenaustausch mit der Cloud wird der Fahrer über Wetterbedingungen, Straßenverhältnisse und mögliche Motorprobleme informiert – und zwar bevor er losfährt.

Projekt Eluminocity von Infineon Zu entdecken gab es die intelligente LED-Straßenlaterne von Infineon, die mit verschiedenen Sensoren ausgerüstet ist. Die smarte Laterne entdeckt via Radar freie Parkplätze in der Umgebung und meldet sie in die Cloud. (© 2017 Eluminocity -PR)

Solche Connected Cars fahren dann bestimmt auch in der vernetzten Stadt der Zukunft. Wie es in ihr zugehen soll, konnten Mobile-World-Congress-Besucher bei der Innovation City sehen. Zentrale Themen waren Verkehrsmanagement, Energieeinsparung und Umweltüberwachung. Zu entdecken gab es die intelligente LED-Straßenlaterne von Infineon, die mit verschiedenen Sensoren ausgerüstet ist. Die smarte Laterne entdeckt via Radar freie Parkplätze in der Umgebung und meldet sie in die Cloud. Mit anderen Sensoren pegelt sich die Laterne auf unterschiedliche Wetterverhältnisse ein. Sie leuchtet automatisch heller, wenn Autos oder Fußgänger bei Regen auftauchen. Gas-Sensoren messen die Luftqualität und melden das Überschreiten der Grenzwerte. Nicht zuletzt kann die smarte Straßenlaterne auch zu einer 5G-Basisstation aufgerüstet werden.

Autonom und energiesparend

Ein weiteres visionäres Konzept wurde auf dem Mobile World Congress von Ford vorgestellt. Das Autolivery-Projekt besteht aus einem autonom fahrenden Lieferwagen und einer Drohne. Per Elektroauto werden Pakete, Lebensmittel oder Medikamente in die Nähe des Zieles transportiert. Die Zustellung auf der letzten Meile übernimmt die Drohne. Sie kann schwer erreichbare Lieferorte locker ansteuern – etwa ein Penthouse auf einem Hochhaus.

FORD_2017 MWC Autolivery Das Autolivery-Projekt besteht aus einem autonom fahrenden Lieferwagen und einer Drohne. Per Elektroauto werden Pakete, Lebensmittel oder Medikamente in die Nähe des Zieles transportiert. Die Zustellung auf der letzten Meile übernimmt die Drohne. (© 2017 Ford PR)

Vielversprechend sind auch die Entwicklungen beim Funkstandard Narrowband IoT (NB-IoT). Er steht kurz vor der Einführung und wird den Serviceaufwand und die Installationskosten für vernetzte Sensoren deutlich verringern. NB-IoT durchdringt dicke Wände, überbrückt lange Strecken und benötigt sehr wenig Energie, sodass Module mehrere Jahre ohne Batteriewechsel eingesetzt werden können. Diese technischen Vorteile werden die Verbreitung vernetzter Sensoren gewaltig voranbringen.

Safety first im IoT

Insbesondere beim IoT rechnen Experten in den nächsten Jahren mit einem starken Wachstum. Die Marktforscher von Gartner erwarten 2020 weltweit rund 20,4 Milliarden vernetzte Geräte – Smartphones, Tablets oder PCs nicht mitgezählt. Zum Vergleich: In diesem Jahr sind nach Gartner-Schätzung rund 8,4 Milliarden vernetzte Geräte im Einsatz. Mit zunehmender Anbindung von kleinen und großen Maschinen ans Internet rückt die Sicherheit stärker in den Vordergrund. Die Gefahr gigantischer Bot-Netze droht, wenn nicht rechtzeitig wirkungsvolle Sicherheitslösungen entwickelt und umgesetzt werden. Ein Patentrezept scheint es für Sicherheitsexperten bislang nicht zu geben. Ob das künftige IoT-Sicherheitskonzept beim Endgerät ansetzt oder beim Netz, ist für Anwender aus Industrie und Alltag letztlich zweitrangig. Für sie zählt vor allem, dass es eine Lösung gibt, die Anwendungen im IoT wirklich absichert.

MWC 2017 Eugene Kaspersky Virenexperte Eugene Kaspersky warnt: Mit zunehmender Anbindung von kleinen und großen Maschinen ans Internet rückt die Sicherheit stärker in den Vordergrund. Die Gefahr gigantischer Bot-Netze droht, wenn nicht rechtzeitig wirkungsvolle Sicherheitslösungen entwickelt und umgesetzt werden. (© 2017 Mobile World Congress)

Größere Displays, mehr Megapixel

Ganz so innovativ wie die genannten Branchen sind die Smartphone-Hersteller auf dem Mobile World Congress derzeit nicht. Viele Modelle von Huawei, LG, Lenovo, Nokia, ZTE und Co. unterscheiden sich in Sachen Design und Technik nur unwesentlich. Vor allem bei den sogenannten Flaggschiffmodellen ist eine Tendenz zur Monotonie erkennbar. Unterschiede fallen erst beim zweiten Blick auf.

Nokia 3 Nokia 3: Attraktiver EinsteigerEin günstiger Preis, ein attraktives Gehäuse aus Aluminium und Polycarbonat sowie eine einfache aber solide Basisausstattung zeichnen das Nokia 3 aus. Das Smartphone mit dem 5-Zoll-Display besitzt eine 8-Megapixel-Frontkamera und eine 8-Megapixel-Hauptkamera auf seiner Rückseite. Vierkernprozessor (Mediatek MT6737) und Speicher (2 GB RAM, 16 GB Flash) sind auf Einsteigerniveau. Android 7 ist vorinstalliert. Marktstart ist im zweiten Quartal 2017, es wird 139 Euro kosten. (© 2017 Nokia)

Der Designtrend 2017 geht zur vollständigen Integration der Kamera ins Smartphone-Gehäuse. Viele Hersteller bieten einen Metallrahmen und abgerundete Kanten. Der Bildschirm wird größer und erstreckt sich fast über die gesamte Frontseite. LG verzichtet bei seinem Flaggschiffmodell G6 auf dem Mobile World Congress konsequent auf die Eingabetaste unterhalb des Displays und verlegt diese Funktion virtuell ins Großdisplay. Auf der Rückseite dominieren Dual-Kameras, die in der Oberklasse inzwischen Standard sind. Unterschiede gibt es bei den verbauten Bildsensoren und den Objektiven, ebenso bei der Funktion der zweiten Kamera. Bei LG G6 knipst die zweite der beiden 13-Megapixel-Kameras Weitwinkelaufnahmen. Beim Huawei P10 und P10 Plus sorgt die Zweitkamera, die mit dem 20-Megapixel-Monochromsensor ausgestattet ist, für mehr Tiefenschärfe und erlaubt einen Zoomeffekt.

Interessanterweise verweigert sich Sony auf dem diesjährigen Mobile World Congress diesem Trend – obwohl die Japaner zu den Top-Herstellern von Kamerasensoren für Smartphones gehören und viele Hersteller mit ihren Produkten beliefern. Das neue Sony-Topmodell Xperia XZ Premium gibt es auch weiterhin mit nur einer Kamera auf der Rückseite: Allerdings ist diese mit einem leistungsstarken 19-Megapixel-Sensor der neuesten Generation und der innovativen Motion-Eye-Technik ausgestattet. Sie ermöglicht sogar Highspeed-Zeitlupenaufnahmen.

Der Mobile World Congress 2017 beweist: Die Welt wird noch schneller und noch vernetzter – aber gleichzeitig auch sicherer. Bleibt zu hoffen, dass das alles klappt.