So funktioniert die Umwandlung von Abgasen zu Kraftstoff und Chemikalien

Gegenstand der Betrachtung sind Stahlwerksabgase. Allein die Duisburger Stahlwerke verursachen Millionen Tonnen Kohlendioxid, wie aus der Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft hervorgeht. Deren Forscher haben nun ein Verfahren entwickelt, das Abgase zu Kraftstoff und Chemikalien macht.

Für die Transformation werden genetisch veränderte Bakterienstämme benötigt. Mithilfe dieser fermentieren die Wissenschaftler die Abgase zu Alkoholen und Aceton. Anschließend werden die beiden Stoffe katalytisch zu einem dieselartigen Zwischenprodukt umgesetzt, woraus abschließend Kerosin und Spezialchemikalien hergestellt werden. Klingt kompliziert, ist es für den Laien vermutlich auch. Tatsache ist jedoch: Es funktioniert – zumindest im Labormaßstab.

Am Projekt beteiligt sind die Fraunhofer-Institute für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen, für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen sowie für Chemische Technologie ICT in Pfinztal.

Welchen Nutzen hat das Verfahren?

Stefan Jennewein vom IME vermutet, dass sich allein mit dem Kohlendioxid aus den Duisburger Stahlwerken der gesamte Kerosinbedarf einer großen Airline abdecken ließe. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg:

"[...] Natürlich sind wir von dieser Vision noch ein Stück entfernt. Aber dass die Idee funktioniert und wirtschaftlich interessant sein könnte, haben wir im Labormaßstab gezeigt. Neben den Abgasen der Stahlherstellung können auch Synthesegas-ähnliche Gasgemische aus der Haus- und Industriemüll-Verbrennung für das entwickelte Verfahren genutzt werden."

Wie geht es jetzt weiter? Die Wissenschaftler wollen nun beweisen, dass das Verfahren auch mit großen Volumen funktioniert, sagt Jennewein:

"In den nächsten eineinhalb Jahren wollen wir die Prozesse noch besser verstehen und optimieren. Unser Ziel ist es, die Kraftstoffe für Zertifizierungsprozesse anzumelden. Dort wird ihre Praxistauglichkeit von offizieller Seite bestätigt. Das dauert für Fahrzeugdiesel etwa ein und für Kerosin etwa drei Jahre."

Weiterführende Links:

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