Accelerated Mobile Pages: Geschwindigkeit ist Trumpf

Mehrere Studien belegen es: Heute ist das Smartphone in Deutschland das meistgenutzte Gerät, mit dem Menschen ins Internet gehen. Es hat damit Tablet, Laptop und Desktop-PC überholt. Das veränderte Nutzerverhalten wirkt sich nicht nur auf die Gestaltung von Webseiten aus – sondern auch auf die technischen Prozesse, die im Hintergrund ablaufen. Da bei der mobilen Nutzung die Geschwindigkeit und das Volumen noch begrenzt sind, sollten Webseiten möglichst schlank und schnell sein.

Accelerated Mobile Pages (AMP)

Technisch betrachtet ist Accelerated Mobile Pages eine Abwandlung der Auszeichnungssprache HTML. Diese Anpassung sorgt zusammen mit einem begrenzten CSS und einem reduzierten JavaScript dafür, dass mobile Webseiten sehr viel schneller geladen werden.

Denn: Zwei Drittel aller Nutzer geben auf, wenn das Laden einer Seite mehr als fünf Sekunden dauert. Nicht selten sind auch Werbeanzeigen mitverantwortlich dafür, dass eine Seite im Schneckentempo lädt.

Genau das ist die Motivation hinter dem 2015 von Google initiierten Projekt Accelerated Mobile Pages (kurz AMP): Es soll dem mobilen Surfer ein möglichst angenehmes Nutzererlebnis bieten. Eigentlich als Antwort auf Facebooks Instant Articles gedacht, hat sich das Framework zu einer umfassenden Lösung für mobile Webseiten entwickelt. Das Symbol für AMP ist ein Blitz – so schnell soll der Ladevorgang sein.

 

Unterwegs mögen Nutzer es schnell und komfortabel – ein Argument für Accelerated Mobile Pages. (© 2017 Shutterstock / Westend61 Premium)

Schnelle Inhalte, schnelle Werbeanzeigen

Adblocker landen nicht zuletzt deshalb auf vielen Smartphones, weil die Nutzer die Ladezeiten von Seiten reduzieren wollen. Der Einsatz von AMP schafft dieses Problem aus der Welt – so profitieren nicht nur User, sondern auch Webseiteninhaber und Werbetreibende. Eine Win-Win-Win-Situation.

Konnte man zunächst nur die Inhalte selbst mittels Accelerated Mobile Pages optimieren, so gilt dies inzwischen auch für Werbeanzeigen. Die AMP-Ads werden genauso schnell geladen wie die AMP-optimierten Seiten. In einem Beitrag zeigt Google einen Vergleich zwischen einer AMP-optimierten (A4A) und einer normalen Anzeige. Die Standardanzeige erscheint nach 3,12 Sekunden, die AMP-Werbung schon nach 0,5 Sekunden.

Allerdings gelten für AMP-Ads einige Besonderheiten:

  • Inhalte genießen Priorität: Zunächst wird der eigentliche Inhalt geladen, erst dann die Werbung. Schließlich kommt der Nutzer wegen des Contents auf die Seite. Allerdings ist die Verzögerung für das bloße Auge kaum sichtbar.
  • Anzeigen werden begrenzt: Mit Accelerated Mobile Pages gehören Pop-up-Werbung oder wild umherspringende Anzeigen der Vergangenheit an. Eine AMP-Ad hat einen festen, begrenzten Platz.
  • Weniger Einfluss auf Präsentation: Bestimmte im Online-Marketing verbreitete (und für Leser oft störende) JavaScript-Praktiken sind mit AMP nicht möglich. Der Marketer kann nur die Werbefläche beeinflussen, nicht den Rest der Seite.
  • Sparsamerer Ablauf: Der Code hinter AMP reduziert die Animationen in ausgeblendeten Werbeanzeigen. Das spart beim Smartphone Akkulaufzeit und CPU-Ressourcen.

Das sollte also klar sein: Google weist die Advertiser mit AMP ein Stück weit in die Schranken. AMP-Ads sind derzeit noch vergleichsweise schlicht. Formate wie z. B. Videos sind trotzdem nach wie vor möglich.

Schnelle Ladezeit zählt – deshalb sind AMP-Ads eher schlicht gestaltet. (© 2017 Shutterstock / zaozaa19)

Mehr als nur Native Ads

Es gibt auch ganz direkte Wege, um die Ladezeiten von Werbung zu reduzieren – zum Beispiel Native Advertising, also Werbung innerhalb des redaktionellen Umfelds. Aus diesem Grund favorisiert der Suchmaschinenriese diese Werbeform im AMP-Umfeld. Allerdings sind Native Ads nicht immer möglich oder erwünscht.

Die Alternative: HTML5-Ads. Vom Einsatz von Flash ist unabhängig von Accelerated Mobile Pages ohnehin abzuraten. Für HTML5-basierte AMP-Ads stehen diverse komfortable HTML5-Builder zur Verfügung. Damit lassen sich auch neue Features ausprobieren, etwa Location Based Marketing oder sensoroptimierte Ads.

AMP-Ads noch in den Kinderschuhen

Erst im Herbst 2016 hat Accelerated Mobile Pages die Betaphase hinter sich gelassen. Online-Werbung mittels AMP steht also noch ganz am Anfang. Aber der Technologie könnte eine große Zukunft bevorstehen – denn mobile Internetnutzung wird weiter massiv an Bedeutung gewinnen.