Fans von Usain Bolt haben es gut: Der Jamaikaner sprintet die 100 Meter in weniger als 9,6 Sekunden – und die Zuschauer im Stadion oder am Fernseher verpassen keinen Schritt. Das fänden die Bewunderer von Triathlon-Weltstar Jan Frodenos auch schön: Der hält mit 7:35:39 Stunden auf der Langdistanz die Weltbestzeit. Doch welcher Zuschauer fiebert über sieben Stunden am Bildschirm oder an der Strecke live mit, ohne zu erkennen, wo welcher Athlet gerade unterwegs ist?

Dennoch wollen die Fans alles wissen und verfolgen. Was genau läuft bei den Wettkämpfen zwischen Start und Ziel ab? Kommt dem Favoriten auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke zum Beispiel ein Konkurrent in die Quere? Wer hängt sich auf den 180 Kilometer Radrennen in seinen Windschatten und wann kann er sich auf der Marathon-Strecke aus dem Pulk freilaufen? Das sind mitunter dramatische Momente, die aber in der Regel kein Zuschauer mitbekommt. Es sind aber genau diese Ereignisse, die bei der Sportart Triathlon die größte Faszination ausüben. Die Fans stehen bislang außen vor.

Den Fan im Huckepack

Bis jetzt. Denn künftig schickt die Telekom das Internet der Dinge mit ins Rennen. Zusammen mit dem Nürnberger Unternehmen SAS Technologies wurde das System LiveRank entwickelt. „Mit einem kleinen Tracking-Gerät lässt sich jeder Sportler über ein Webportal verfolgen – in Echtzeit über die ganze Strecke“, erklärt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, das Prinzip.

Zu Beginn des Rennens befestigt der Athlet die streichholzkleine M2M-Box an einem Gurt. In dem federleichten Modul (39 Gramm) stecken eine SIM-Karte, Bluetooth und ein GPS-Modul. „Über das Mobilfunknetz“, erklärt Rickmann weiter, „sendet LiveRank alle zehn Sekunden die Daten der Athleten an unsere sichere Cloud-Plattform.“ Auf die Infos können Triathlon-Anhänger auf der ganzen Welt zugreifen – per Smartphone, Tablet oder Computer.

Weil der Standort permanent über GPS übermittelt wird, können die Fans außerdem die Position ihrer Helden auf einer Karte metergenau verfolgen, wie auch die Zahl der Schritte, die Geschwindigkeit oder den Abstand zum Feld. „Wir machen den Triathlon transparent“, sagt Rickmann.

Großer Andrang bei Executive-Talk am Stand der Telekom. Das Thema: Wie die Digitalisierung dem Sport Beine macht. Das Modul LiveRank wird vorgestellt. Großer Andrang bei Executive-Talk am Stand der Telekom. Das Thema: Wie die Digitalisierung dem Sport Beine macht. Das Modul LiveRank wird vorgestellt. (© 2017 Christian Wyrwa) - Christian Wyrwa

Sponsoring braucht Nähe

Für die Zuschauer werden die Wettkämpfe dadurch viel interessanter, meinen Felix Walchshöfer, Geschäftsführer des Triathlon-Klassikers Challenge Roth sowie Ralf Reiter, Leiter Marketing beim Datenverarbeitungsspezialisten Datev. Sie haben LiveRank im vergangenen Sommer bei der Datev Challenge Roth getestet, der weltgrößten Triathlon-Veranstaltung auf der Langdistanz. Dabei wurden 130 Sportler mit der kleinen Box auf die Strecke geschickt. Neben unbekannten Athleten wie einer 84-jährigen Nonne haben Weltstars und Top-Favoriten wie Jan Frodeno das LiveRank-Modul eingesetzt.

Frodeno war ein Glücksfall für den Sponsor Datev: Der Ausnahmeathlet lief, schwamm und radelte gleich einen Fabel-Weltrekord. „Dabei hielt LiveRank die Spannung über viele Stunden“, erzählt Datev-Manager Reiter. „Man konnte auf der Plattform genau verfolgen, wie aufregend es gerade auf der Strecke zuging.“ Für den Sponsor Datev zahlt sich LiveRank aus, weil sich die Mediareichweite damit vervielfachen ließ.

Warum sollten sich auch Sportler vernetzen? Das diskutieren (v.l.) Felix Walchshöfer (Geschäftsführer des Triathlon-Klassikers Challenge Roth), Ralf Reiter (Leiter Marketing bei der DATEV), Triathlon-Trainer Lothar Leder sowie Telekom-Manager Hagen Rickmann im Gespräch mit Moderatorin Christine Stein. (© 2017 Christian Wyrwa) - Christian Wyrwa

Live-Tracking gibt Sicherheit

Auch für die Familien und Freunde der Hobbyathleten ist ein Triathlon so etwas wie eine Blackbox, weiß Felix Walchshöfer. Man sieht den Vater kurz vorbeilaufen, die Freundin eben auf dem Rad vorbeihuschen – alles Momentaufnahmen. Reiner Zufall, wenn eine Fernsehkamera auf die Hobbysportler draufhält. Walchshöfer: „Gerade für Fans und Angehörige der Freizeitsportler ist das ein wunderbares Device“.

Beruhigend findet Veranstalter Walchshöfer zudem, dass Athleten im Ernstfall über einen SOS-Knopf einen Hilferuf per SMS an die nächstgelegene Rettungsstelle senden können. Ihr Standort wird automatisch übermittelt.

Lothar Leder, der als weltweit erster Triathlet die 8-Stunden-Marke unterbot, findet LiveRank auch für die Traineranalyse nützlich. Er kann anhand der gesammelten Daten die Stärken und Schwächen seiner Sportler erkennen. „Waren meine Athleten beim Schwimmen wie Bleienten unterwegs, dann setzt es zusätzliches Training“, sagt er.

Selbst wenn das Tool noch weiterentwickelt wird, eines wird es nie geben, versprach Rickmann: den „Ich-gebe-auf“-Button. „So etwas kennen wir bei der Telekom gar nicht.“