Recycling statt Wegwerfwirtschaft

Müllverbrennungsanlagen blasen ihren weißen Rauch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche in den Himmel über Deutschland. Ein Anblick, der ein mulmiges Gefühl verursacht, sich aber aktuell schwer vermeiden lässt. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamts produzieren wir Deutschen jährlich immense Mengen an Müll, die weit über dem EU-Durchschnitt liegen: So fielen zum Beispiel 2012 pro Kopf 611 Kilogramm Abfälle an.

611 Kilogramm pro Einwohner zu viel – findet die Cradle to Cradle Bewegung – die an der Entwicklung eines Konzepts zum vollständigen Recycling von allen produzierten Gütern und deren Teilprodukte arbeitet. Zur Abkehr von der abfallintensiven Wegwerfwirtschaft sollen Waren dabei so produziert werden, dass sie nach ihrer Verwendung ohne großes Federlesen wiederverwertet werden können.

Die Vorteile von Cradle to Cradle

Ins Deutsche übersetzt bedeutet Cradle to Cradle so viel wie "von der Wiege in die Wiege" und steht für die Idee einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft. Und die soll nach Vorbild des Stoffkreislaufs in der Natur funktionieren: So wie sich etwa das im Herbst fallende Laub zersetzt und dadurch wieder Eingang in den Stoffkreislauf findet, sollen auch die von Menschenhand produzierten Waren durch Recycling als neue Produkte wiedergeboren werden.

So könnten beispielsweise Kunststoffe, ...

  • die heute in Ihrer Zahnbürste verwendet werden,
  • morgen in Ihren Laufschuhen und
  • übermorgen in Ihrem Computerbildschirm zum Einsatz kommen.

Eben durch entsprechendes Recycling.

Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand. Denn werden alle Produkte durch Recycling wiederverwertet, ...

  • werden keine kostbaren Rohstoffe verschwendet,
  • fällt kein Müll an und
  • muss dementsprechend keine Energie aufgewendet werden, um den Müll zu beseitigen.

Wer hinter Cradle to Cradle steht

Wenn Sie vermuten, dass hinter der Cradle to Cradle Bewegung überengagierte Umweltaktivisten stehen, die nur das Wohl des Planeten im Auge haben, täuschen Sie sich:

Verfolgt und vorangetrieben wird die Idee zur Kreislaufwirtschaft nämlich auch von ...

  • Unternehmern,
  • Wissenschaftlern und
  • Wirtschaftsverbänden.

Und das ist kein Wunder, denn auch Sie bzw. Ihr mittelständisches Unternehmen könnten vom hundertprozentigen Recycling  profitieren: Nach Angaben des "Spiegel" wäre es durch die Einführung einer müllbefreiten Kreislaufwirtschaft möglich, bis 2025 jährlich etwa eine Billion US-Dollar zu sparen. Das geht aus einem Forschungsbericht der Management-Beratung McKinsey hervor, der in Kooperation mit der Allen MacArthur Foundation entstanden ist. Somit ist Cradle to Cradle nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ökonomisch sinnvoll.

Besonders profitieren vom Recycling in seiner extremsten Form übrigens im Baugeschäft tätige Unternehmer. Denn nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen wird gerade hier mit Rohstoffen nur so geklotzt: So wird die Hälfte des europäischen Rohstoffverbrauchs im Bauwesen eingesetzt. Dass ordentlich Bares gespart werden kann, wenn diese Rohstoffe immer wiederverwendet werden würden, versteht sich von selbst.

Trigema: Recycelbare Kleidung

Doch nicht nur für die Baubranche, sondern auch für die Bekleidungsindustrie stellt die nachhaltige Kreislaufwirtschaft eine interessante Alternative zur Produktion "für die Tonne" dar. Mit gutem Beispiel voran geht Deutschlands größter Produzent von Sport- und Freizeitkleidung Trigema.

Hier wurde eine Kollektion in das Sortiment aufgenommen, die aus hundertprozentig kompostierbaren Textilien gefertigt wurde. In der gesamten Produktion wurden dabei keine Stoffe eingesetzt, die giftig sind.

Somit können getragene Kleidungsstücke, die ihren Zenit überschritten haben, dem Komposthaufen anvertraut werden und sich Stück für Stück zersetzen: Recycling wie aus dem Bilderbuch.

Woodcube: Ein Haus wie ein Baum

Nach ähnlichem Prinzip hat Deepgreen Development gleich ein mehrstöckiges Gebäude entworfen, das auf der Internationalen Bauausstellung in Hamburg präsentiert wurde. Komplett aus Massivholz gebaut, wurde bei Woodcube vollständig auf Kunststoffe, Leim, zusätzliche Dämmstoffe oder Rigips verzichtet.

Neben der Tatsache, dass dadurch alle Bestandteile nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft ohne Abfall-Reste recycelt oder in neuer Form weiter verwertet werden können, punktet das Haus mit einer positiven CO2-Bilanz und außerordentlich geringen Heizkosten von unter 100 Euro im Jahr.

Zukunftsmusik: Wie Cradle to Cradle aussehen könnte

Geht es nach den Vorstellungen eines der Vorreiter der Kreislaufwirtschaft, Professor Michael Braungart, ist damit das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Im Gespräch mit der "ARD" schildert der Umweltwissenschaftler und Chemiker seine Vision der perfekten Cradle to Cradle-Gesellschaft.

In dieser ...

  • werden benötigte Geräte und Produkte nicht mehr verkauft, sondern gegen ein Pfand verliehen. 
  • Gibt der Kunde die Leihwaren zurück (sobald er sie nicht mehr benötigt, wird ihm auch der Pfand erstattet),
  • während Anbieter ihre Rohstoffe in Form des Produkts zurückbekommen und weiterverwenden können.

Der Kunde zahlt also nicht mehr für materielle Güter, sondern für Dienstleistungen. Statt direkt für eine Waschmaschine oder einen Stuhl zu bezahlen, würde er ein Pfand hinterlegen, um Wäsche zu waschen und sitzen zu können.

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