Der eine packt, der andere schleppt: In den Logistikzentren von Amazon huschen kollaborative Roboter, kurz Cobots, wie Ameisen auf Nahrungssuche durch die Regale. Jeder peilt den für ihn bestimmten Regalturm mit der georderten Ware an, schiebt sich flink darunter, hebt ihn an und bringt ihn zum richtigen Packbereich. Dort übernimmt dann ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut die Feinarbeit.

Hand in Hand mit den menschlichen Kollegen

Ob packen und schleppen, schrauben oder bohren, schweißen oder kleben: Cobots übernehmen immer mehr Aufgaben in Lagern und Produktionshallen und arbeiten dabei Hand in Hand mit ihren menschlichen Kollegen. Allein in der deutschen Industrie kommen laut International Federation of Robotics (IFR) auf 10.000 Beschäftigte bereits 290 solcher künstlichen Kollegen – Tendenz steigend. Nach Schätzung der IFR werden bis 2019 etwa 1,4 Millionen Industrieroboter weltweit zusätzlich eingesetzt werden – der Großteil werden Cobots sein. Im Unterschied zu früheren Automatisierungswellen sollen sie die Menschen nicht ersetzen, sondern zum Kollegen werden. Die bevorzugten Einsatzgebiete: immer dann, wenn eine Aufgabe für den Menschen zu langweilig, filigran, schmutzig oder zu gefährlich ist.
Und: Anders als herkömmliche Industrieroboter, die bislang in abgetrennten Bereichen ihre Arbeit verrichten, stehen Cobots heute direkt mit den Mitarbeitern in Kontakt. Mittels Sensortechnik registrieren sie Bewegungen und Position von Personen – und sind damit ausreichend gesichert, um den Arbeitern zu assistieren, ohne sie zu verletzen. Weitere Vorteile: Cobots sind flexibel, einfach zu programmieren und leicht zu bewegen. Mit einem Gewicht von teilweise nur zehn Kilogramm lassen sich kollaborative Leichtbauroboter problemlos von nur einer Person tragen und an einer beliebigen Stelle montieren.

Solche kollaborativen Arbeitsplätze machen es Unternehmen möglich, hochwertige Produkte mit weniger Ressourcen herzustellen. Gerade mal 195 Tage dauert es laut Roboter-Anbieter Universal Robots im Schnitt, bis sich die Investition in den künstlichen Mitarbeiter amortisiert hat – damit würden Cobots auch für kleine und mittlere Fertigungsunternehmen bezahlbar. „Roboter sind dort nützlich, wo es für Menschen zu gefährlich ist oder wo wir zu fehleranfällig sind“, erklärte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandsbereichs Robotik und Automation, dem Unternehmermagazin „Creditreform“.

Die Autoindustrie gilt als Vorreiter im Einsatz von Cobots. Die Autoindustrie gilt als Vorreiter im Einsatz von Cobots. (© 2017 Shutterstock / xieyuliang)

Monotone und körperliche Arbeiten übernimmt der Cobot

Die Autoindustrie gilt als Vorreiter im Einsatz von Cobots. In den Produktionshallen von BMW und Ford arbeiten Knickarmroboter an der Seite ihrer menschlichen Kollegen. Sie bringen selbstständig Dichtungen an Autotüren an und reichen dem Facharbeiter die benötigten Werkzeuge für komplexe Einbauten. So bleiben den Mitarbeitern monotone und körperlich anstrengende Tätigkeiten erspart. Auch beim Maschinenbauer Kuka arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand – bei der Montage von Robotern. Um das Verletzungsrisiko der Beschäftigten zu minimieren, gelten im Umgang mit Cobots strenge Sicherheitsbestimmungen. Beim Prinzip der direkten Handführung bewegt sich der Roboter nur, wenn er eine direkte Eingabe durch eine Person erhält – zum Beispiel durch eine Berührung des Roboterarms. Bewegt sich der kollaborative Roboter auch ohne direkte Anweisung eines Angestellten, muss die gemeinsame Tätigkeit stets überwacht werden. Beim überwachten Halt kommt der Cobot bei Bedarf sofort zum Stillstand. „Die höchste Form der Technologie ist nicht die vollständige Autonomie, sondern Automation und Autonomie, die sehr schön elegant mit dem menschlichen Bediener verbunden sind“, sagt David Mindell, Professor im Massachusetts Institute of Technology und Pionier der autonomen Robotik.

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