Gelöscht, formatiert, verloren: Ein Crashkurs zu Daten und Speichern

Ein erster Tipp zur Datenrettung ist: Bleiben Sie ruhig. Denn Informationen verschwinden nicht sofort und dauerhaft von einem Speichermedium, nur weil sie gelöscht sind. Warum nicht?

  • Wird beispielsweise eine wesentliche Textdatei aus Versehen entfernt, befinden sich die zugehörigen Einsen und Nullen zunächst noch auf Ihrer Festplatte, Ihrem USB-Stick, dem Server, der SD-Karte und so weiter.
  • Beim Löschvorgang ergänzt das Betriebssystem beziehungsweise die zuständige Software nur eine Information in einer Dateizuordnungstabelle. Diese Liste ist ein Inhaltsverzeichnis des jeweiligen Speichermediums.
  • Der zusätzliche Hinweis zu Ihrer verschwundenen Textdatei heißt nur: 'Jetzt darf ein anderes Programm die alte Position der Datei nutzen und überschreiben'.
  • Solange nichts Neues genau in dem betroffenen Block gespeichert oder installiert wird, bleiben die originalen Daten intakt.
  • Ähnliches gilt auch für kaputte Files, die sich zunächst nicht mehr öffnen lassen.

Das führt uns sogleich zum zweiten wichtigen Tipp bei der Datenrettung: Der Computer oder genauer gesagt das Speichermedium darf nach einem Digital-Debakel nicht mehr verwendet werden. So verhindern Sie, dass Ihre gelöschten oder kaputten Dateien endgültig überschrieben werden. Denn Ihr Betriebssystem und auch einige Programme arbeiten ständig im Hintergrund und besetzten unter Umständen die Speicherplätze.

Daten retten leicht gemacht: Ein paar einfache Strategien

Bleiben wir zunächst noch bei bescheidenen Datenpannen. Denn unter Umständen finden Sie die verschwundenen Dateien und Co. ganz einfach und ohne großen Aufwand wieder. Der folgende Fragenkatalog kann helfen:

  • Ist die Datei gegebenenfalls noch im Papierkorb zu finden? Die Frage wirkt trivial und ist doch kurzerhand beantwortet. Liegt das Dokument noch im digitalen Mülleimer, stellen Sie es mit einem einfachen Mausklick wieder her.
  • Haben Sie das Back-up Ihres Betriebssystems aktiviert? Beispielsweise erstellt Windows 7 auf Wunsch eine Sicherungsdatei all Ihrer Daten, die Versionen Windows 8 und 10 machen das sogar still im Hintergrund. Bei Apple-Computern gibt es eine ganz ähnliche Funktion, die sich Time-Machine-Backup nennt. Und auch viele Linux-Distributionen haben ein entsprechendes Tool. Sie versetzen so Ihren Computer in einen 'alten Zustand' zurück und die kaputten beziehungsweise gelöschten Informationen tauchen wieder auf.

Lag die digitale Liste ohnehin schon in der Cloud, gibt es ebenfalls simple Optionen zur Datenrettung: Meistens lassen sich Vorgängerversionen von Dateien auffinden. Beispielsweise wird bei Dropbox, Google Drive und anderen Anbietern automatisch eine Dokumentation erstellt, was Sie wann in die digitale Wolke geschoben haben. Mit ein paar Klicks tauchen alte Daten dann wieder im Ordner auf.

Rettung per Spezialsoftware: Grundlegendes zu den Datenwiederherstellungs-Tools

Sie finden im Papierkorb die gesuchte Datei nicht wieder? Das Back-up bleibt erfolglos? Und auch in der Cloud werden Sie nicht fündig? Dann ist es Zeit für ein Spezialwerkzeug zur Datenrettung. Diese kleinen Helfer finden Gelöschtes und stellen sogar beschädigte Informationen wieder her.

Besonders wichtig: Installieren Sie auf keinen Fall neue Software auf dem Speichermedium, auf dem Sie etwas rekonstruieren wollen. Wie oben bereits angemerkt, überschreiben Sie unter Umständen die verlorenen Objekte. Stattdessen landen die Spezialtools auf einer anderen Partition Ihrer Festplatte oder auf einem externen Datenträger – von dort kann die Notfall-Software meistens ohne Installation gestartet werden.

Es gibt eine ganze Fülle von unterschiedlichen Produkten. Achten Sie bei der Auswahl unbedingt darauf, ob die entsprechenden Dateitypen und Dateisysteme unterstützt werden.

Daten vom Profi retten lassen: Wissenswertes zu Notfallservices

Ein IT-Labor hilft Ihnen bei den besonders argen Fällen. Wenn Sie Bits und Bytes von einem Experten wiederherstellen lassen wollen, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Holen Sie verschiedene Angebote ein. Die Preise unterscheiden sich sehr stark und ein Vergleich kann Geld sparen.
  • Für einen ersten Blick auf Ihr Problem wird meistens schon eine gewisse Summe fällig.
  • Halten Sie so viele Details wie möglich über den Fehler beziehungsweise die Beschädigung bereit. Zum Beispiel notieren Sie, welche Meldung ausgegeben wird, wenn sich Dateien nicht mehr öffnen lassen.
  • Außerdem benötigt der Retter viele weitere Informationen, etwas zur Dateigröße, Namen, Typ, System, Partitionierung und zur logischen Struktur des Speichers.

Theoretisch ist eine Datenrettung von wirklich wichtigen Informationen in wenigen Stunden erfolgreich. Es kann aber auch durchaus etwas länger dauern, das kommt ganz auf die individuelle Situation an.

Weiterführende Links:

  • Müssen Sie eine Festplatte sicher löschen, so brauchen Sie dafür eine spezielle Software. Ansonsten haben Sie ein Problem, wenn Sie Ihren Windows-Computer oder einen Datenträger verkaufen beziehungsweise entsorgen. Denn die sensiblen Daten darauf lassen sich oft ohne großen Aufwand wiederherstellen.
  • Digitale Vernetzung birgt neue Chancen, doch leider auch Risiken: DDoS-Attacken nehmen auf der Liste der Cyberbedrohungen einen der ersten Plätze ein. Mit den richtigen Maßnahmen schützen Sie Ihr Unternehmen effektiv vor Schaden.