Der eigene Tod ist kein Thema, mit dem man sich gerne beschäftigt. Immerhin legen die Meisten mit einem Testament fest, was nach ihrem Ableben mit ihrem materiellen Nachlass passieren soll. Um ihren digitalen Nachlass kümmern sich jedoch die Wenigsten. Nach einer Studie im Auftrag des Digitalverbands BITKOM haben neun von zehn Internetnutzern keine Regelungen getroffen, was nach ihrem Tod mit ihren E-Mail-Konten, ihren Profilen auf Facebook & Co. und ihren Daten in der Cloud geschehen soll.

Den digitalen Nachlass frühzeitig regeln

Die große Mehrheit würde dies gerne tun, weiß aber schlichtweg nicht, wie. Wer nicht vorsorgt, muss aber damit rechnen, dass seine Daten und Profile endlos durch die unendlichen Weiten des Cyberspace geistern. Zumindest gehen bestehende Online-Verträge meist auf die gesetzlichen Erben über; diese müssen für kostenpflichtige Mitgliedschaften, Verträge und Abonnements aufkommen, von denen sie eventuell noch nicht einmal etwas wissen. Auch Guthaben aus Online-Bezahldiensten sind den Hinterbliebenen meist nicht bekannt. „Neben Profilen in sozialen Medien oder persönlichen E-Mails enthält der digitale Nachlass oft wichtige Daten zu Versicherungen oder Geldanlagen“, sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Im Gegensatz zum Erbrecht an Sachgegenständen, zu denen auch Computer, Smartphones und Festplatten zählen, gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit digitalen Daten. Jeder Nutzer sollte deshalb schriftlich festlegen, wie und durch wen nach seinem Tod diese Daten verwaltet werden. Mit einem Testament oder einer Vollmacht kann man etwa festlegen, dass die Daten gelöscht werden. So bleibt die Privatsphäre auch über den Tod hinaus gewahrt. Wichtig dabei: Wie jedes Testament müssen solche Verfügungen den gesetzlichen Formvorschriften entsprechen. Vor allem für den Zugriff auf Online-Dienste wie soziale Netzwerke, E-Mail-Konten oder Cloud-Dienste sollte man eine Regelung treffen, da die Erben nicht automatisch Zugang bekommen, rät der Digitalverband.

Was passiert mit den Daten?

Hinterbliebene sollten rasch die Betreiber von sozialen Netzwerken benachrichtigen, wenn sie wissen, wo er angemeldet war. Viele Betreiber verlangen dann die Vorlage einer Sterbeurkunde. Bei Facebook zum Beispiel können Erben die Entfernung des Nutzerkontos beantragen oder das Profil in einen sogenannten Gedenkzustand versetzen – vorausgesetzt, der Nutzer hat sich nicht bereits selbst für eine der Varianten entschieden und dies über die Sicherheitseinstellungen auf Facebook festgelegt. Damit bleiben die Inhalte erhalten, Freunde und Familienmitglieder können zumindest in der Chronik Erinnerungen teilen.

Löschanfragen bei den Anbietern stellen

Beim Business-Netzwerk LinkedIn können Angehörige über einen speziellen Link die Lösch-Anfrage stellen. Dazu müssen sie ein Formular ausfüllen. Xing stellt das Profil zunächst einige Monate lang auf unsichtbar, um auszuschließen, dass bei Verwechslungen oder Namensgleichheit Profile versehentlich von der Bildfläche verschwinden.

Bei den Mail-Anbietern GMX und Web.de können Hinterbliebene gegen Vorlage der Sterbeurkunde und des Erbscheins Zugriff auf die Mail-Postfächer bekommen und diese löschen. Auch wenn die beiden Dienste sechs Monate lang nicht genutzt werden, erhalten die Kontoinhaber eine Erinnerungsmail. Reagieren sie nicht, wird das Konto deaktiviert und die Daten nach einer gewissen Zeit gelöscht.

Wenn ein Twitter-Nutzer verstirbt, kann entweder eine Person mit Vollmacht oder ein nachweislich unmittelbares Familienmitglied Kontakt mit dem Dienst aufnehmen, um den Account zu deaktivieren. Log-in-Daten gibt Twitter nicht heraus. Der Bezahldienst PayPal fordert zur Abwicklung des Kontos eine Kopie der Sterbeurkunde des Kontoinhabers, des Testaments, des Personalausweises des Erben und eine schriftliche Erklärung, dass der Kontoinhaber verstorben ist und der Erbe die Schließung des PayPal-Kontos tatsächlich wünscht. In Googles „Kontoinaktivitäts-Manager“ kann übrigens jeder festlegen, wer nach seinem Tod Zugriff auf sein Konto erhalten soll. Ist dies nicht geregelt, bietet Google über ein Formular die Möglichkeit, Zugriff auf das Konto eines Verstorbenen zu beantragen.

Antrag auf den Facebook-Gedenkzustand:
www.facebook.com/help/contact

Deaktivierungsanfragen:
Twitter

Google

LinkedIn

Digitale Nachlassverwalter

Aber was tun, wenn der Nutzer zu Lebzeiten keine Vorkehrungen getroffen hat? Für die Hinterbliebenen ist die Lage nicht hoffnungslos: Schützenhilfe erhalten sie von sogenannten digitalen Nachlassverwaltern wie Semno, Columba oder Digitales Erbe Fimberger. Die Spezialisten durchforsten das Internet nach Spuren des Verstorbenen und setzen sich mit den Betreibern von Online-Diensten in Verbindung, um Verträge aufzulösen sowie Daten und Profile zu löschen. Der Online-Bestatter-Dienst ist kostenpflichtug, wird aber professionell und diskret abgewickelt. So kann auch die Online-Präsenz in Frieden ruhen.

www.semno.de

www.columba.de

www.digitaleserbe.net