Die Digitalisierung im Einzelhandel kommt in vielen Gewändern daher. Beim Mode-Label Marc O’Polo im oberbayrischen Stephanskirchen fängt sie bereits bei der Herstellung der Kleidungsstücke an. Diese werden seit der Frühjahrskollektion 2014 mit sogenannten RFID-Etiketten versehen (Radio Frequenz Identifikation). Damit können Hemden, Blusen und Hosen über alle Stationen – vom Lager über den Versand bis zum Geschäft – ohne Sichtkontakt aus größerer Distanz über elektromagnetische Wellen identifiziert werden. Kartons voller Kleidung lassen sich in einem Rutsch überprüfen, ob der Inhalt mit dem Lieferschein übereinstimmt. Fehlende Artikel werden früher entdeckt, Bestandslücken geschlossen.

Weiterer Vorteil: Beim Verkauf im Laden muss die Kassiererin nicht mehr jedes Teil einzeln von Hand scannen und entsichern. Das funktioniert alles via RFID. Marc O’Polo-Chef Werner Böck verspricht sich durch den Einsatz der schlauen Funktechnik effizientere Prozesse und mehr Transparenz über die eigenen Warenbestände in der Logistik und in den Filialen.

Verzahnung von online und offline

Natürlich betreibt Marc O’Polo wie auch andere führende Modemarken einen Online-Shop, denn online und offline greifen immer mehr ineinander, anstatt – wie früher befürchtet – sich zu kannibalisieren. Kunden suchen zuerst im Web, bevor sie in der Shoppingmeile stöbern gehen. Nach Angaben des E-Commerce-Centers Köln (ECC) geht rund einem Viertel der stationären Käufe von Fashion und Accessoires eine Informationssuche in den Online-Shops voraus. Dort können Käufer auch erfahren, in welcher Filiale in ihrer Nähe ihr Objekt der Begierde vorrätig ist.

Ohnehin hat sich die Modeindustrie in den letzten Jahren grundlegend gewandelt: „Die digitale Präsenz ist für Fashion-Unternehmen viel bedeutender als der eigentliche Standort“, erklärt Dorothea Rosen, Expertin für Digital Transformation und Senior Consultant bei Capgemini Consulting. „Die IT ist zum Herzstück der Digitalisierung geworden“, sagt sie.

Wie Digitalisierung und persönliche Beratung trotzdem Hand in Hand gehen können, zeigt Joachim Stoll, Geschäftsführer von Leder-Stoll in Frankfurt. Die Kunden sind meist mit Smartphone und Tablet ausgerüstet und vergleichen vor Ort Preise und Produkte. Stoll bietet ihnen in seinem Geschäft dafür einen kostenlosen W-LAN-Zugang. Seine Mitarbeiter hat er ebenfalls mit einem iPad ausgestattet. Damit sind sie auf Augenhöhe mit ihrer Kundschaft, können sie besser beraten und mehr verkaufen.

Smartphone und Tablet immer wichtiger fürs Shoppen

Gleichzeitig können sie mit dem iPad sofort die Warenverfügbarkeit prüfen. Denn das ist das A und O einer gelungenen Digitalisierung: Alle Vertriebskanäle greifen auf dieselbe Datenbasis zurück. Gemeinsam mit den Kunden suchen die Verkäufer nach anderen Modellen und Farben, die sie direkt über das iPad bestellen können. „Mit dem iPad erweitern wir unsere begrenzte Verkaufsfläche und verlieren keinen potenziellen Käufer, nur weil wir seine Farbe nicht im Geschäft haben“, erklärt Stoll die gelungene Verbindung zwischen Ladengeschäft und Online-Shop.

Tatsächlich nutzen immer mehr Kunden ihre Smartphones und Tablets auch unterwegs zum Shoppen. Findige Händler und Kaufhäuser wie Breuninger in Stuttgart optimieren ihre Online-Shops für den Zugriff über die kleinen Geräte. Von den 51 Millionen Deutschen, die Waren im Internet kaufen, bestellt jeder Vierte über ein mobiles Endgerät.

Beim Outdoorausstatter Globetrotter in Hamburg sind es bereits über 30 Prozent. „Wir haben alle Vertriebskanäle – stationär, online und mobil – so vernetzt, dass man überall die gleiche Auskunft bekommt“, erklärt Geschäftsführer Andreas Bartmann.

„Wir haben alle Vertriebskanäle so vernetzt, dass man überall die gleiche Auskunft bekommt“, sagt Globetrotter Geschäftsführer Andreas Bartmann. „Wir haben alle Vertriebskanäle so vernetzt, dass man überall die gleiche Auskunft bekommt“, sagt Globetrotter Geschäftsführer Andreas Bartmann. (© 2015 PR)

Der neue Mobile-Shop ist für Globetrotter nur eine von vielen Maßnahmen, Internet und Filialgeschäft miteinander zu verknüpfen. So bietet der Outdoor-Ausrüster in Stuttgart und Hamburg auch eine Sofortanlieferung an: Kunden bestellen online oder mobil und können sich ihre Waren noch am gleichen Tag bis 21 Uhr aus der Filiale nach Hause liefern lassen. Andersherum können sie mit einem Click&Collect-Service ihre Internet-Einkäufe selbst abholen und sparen die Versandkosten. Diese Sparvariante bietet auch das schwäbische Kaufhaus Breunigner an. Der Kunde entscheidet, was er haben will.