Edge Computing: Ein bodenständiges Konzept

Mit dem Internet kam die Wolke. Mit dem Internet of Things kommt der Nebel. So kann man die jüngste Entwicklung in der Bereitstellung von IT-Infrastruktur kurz zusammenfassen.

Die Wolke meint natürlich die Cloud, die es ermöglicht, IT-Infrastruktur über das Netz bereitzustellen. Der nah am Boden verbleibende Nebel steht bildhaft für den Ansatz, die für ein Gerät notwendigen Daten direkt dort vorzuhalten. Dieser Trend wird als Fog oder Edge Computing bezeichnet und meint also Datenverarbeitung am Rande eines Netzwerks.

Edge Computing setzt sich damit von Datenverarbeitung im Zentrum eines Netzwerks ab, also von Cloud Computing. Es läuft aber in der Praxis dem Ansatz nicht zuwider, Daten zentral zu verarbeiten und bereitzustellen. Vielmehr ergänzen sich beide Konzepte und sollten als Lösung zusammengedacht werden.

Edge Computing

Edge Computing, manchmal auch Fog Computing genannt, bezeichnet Datenverarbeitung am Rand eines Netzwerks – im Gegensatz zur Verarbeitung im Zentrum (Cloud Computing). Edge Computing nutzt die Rechenleistung einzelner Geräte im Internet der Dinge und erhöht auf diese Weise die Gesamtperformance des Netzwerks.

Edge und Cloud: Kein Entweder-oder

Warum aber im Nebel stochern, wenn man auf Wolken gehen kann? Mit dem Internet der Dinge steigt die Menge der erzeugten Daten exorbitant an. Schätzungen zufolge auf rund 44 Zettabytes in nur wenigen Jahren. Eine nur schwer vorstellbare Menge an Daten, von denen ein Großteil ins Zentrum und wieder zurück transportiert werden müsste. Datentransport kostet Zeit und ist fehleranfällig.

Im Internet of Things wird ein Großteil der Daten von großen Maschinen, kleinen Geräten und noch kleineren Sensoren erzeugt. Edge Computing greift die nahe liegende Idee auf, die Daten wieder dezentral zu verarbeiten. Dort, wo sie anfallen und wo sie gebraucht werden.

Edge Computing und die Cloud schließen sich dabei nicht aus. Im Gegenteil: Auch an den Rändern wird es häufig sinnvoll sein, Datenverarbeitung zu bündeln, sodass letztlich abseits des Zentrums an der Peripherie des Netzwerks Edge Clouds entstehen, die die Daten bezogen auf das Gesamtnetz dezentral verarbeiten. Edge Computing und Cloud Computing sind in der Regel also zwei Komponenten einer IT-Infrastruktur.

Edge Computing und Cloud Computing schließen einander nicht aus. (© 2017 Shutterstock / ESB Professional)

Edge Computing in der Praxis

Nicht immer ist es sinnvoll, sich vom Zentrum an den Rand zu begeben. Doch es gibt Szenarien, in denen Edge Computing seine Vorteile gegenüber der Cloud voll ausspielen kann. Dazu gehören etwa diese Anwendungsfälle:

  • Vernetzte Fahrzeuge: Lkw und Autos navigieren und kommunizieren mit anderen Maschinen, Geräten und Verkehrsteilnehmern über das Internet. Viele Daten können dabei dezentral verarbeitet werden.
  • Intelligente Stromnetze: Im sogenannten Smart Grid wird Energie dezentral erzeugt und verbraucht. Was liegt näher, als die nur dezentral notwendigen Daten auch abseits des Zentrums zu verarbeiten?
  • Smarte Städte: Nicht nur Stromnetze sind intelligent, sondern gleich ganze Städte. Unmengen von Geräten und Sensoren kommunizieren miteinander für eine bessere Stadt. Besonders hier kommen aufgrund riesiger Datenmengen die Vorteile von Edge Clouds zur Geltung.
  • Einzelhandel: Auch für den Handel ist Edge Computing interessant. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von iBeacons, die Daten vom Smartphone eines Kunden nutzen, um diesem Sonderangebote zu machen. Ein iBeacon wird in diesem Zusammenhang auch als Edge Device bezeichnet.
Unter anderem vernetzte Fahrzeuge profitieren vom Edge Computing. (© 2017 Shutterstock / Tinxi)

Prinzipiell ist die Verwendung von Edge Devices nicht auf die oben genannten Beispiele beschränkt, sondern in Industrie, Landwirtschaft, Umwelt, Militär und weiteren Bereichen denkbar. Immer mehr vernetzte Geräte im Internet der Dinge werden zeigen, in welchen Fällen die dezentrale Verarbeitung von Daten, in der Regel als Ergänzung zum Cloud Computing, sinnvoll sein kann.