Er ist Trendforscher und hat an einem Buch über die Spielregeln der Netzwerkökonomie mitgeschrieben. Im Interview mit DreiSechsNull spricht Peter Wippermann über die Virtualisierung der realen Welt, Game-Changer im Smartphonemarkt und weshalb Banken derzeit einen ganz großen Trend verschlafen.

Professor Wippermann, was meinen Sie: War früher wirklich alles besser?
Auf jeden Fall erschien uns vor einem Jahrzehnt noch alles übersichtlicher. Es gab die Trennung der Wirtschaft in New und Old Economy oder Arbeit und Freizeit. Heute ist das nicht mehr. Alles wächst zusammen.

Viele Innovationen existieren bereits im Labor.

Peter Wippermann

Trendforscher

Ein Gespräch mit Mister Future Trendforscher Peter Wippermann ist nicht nur vernetzt, sondern geht auch sehr transparent mit seinen eigenen Daten um. Wer wissen will, wo er gerade ist, muss nur seine Homepage peterwippermann.com besuchen. (© 2015 David Maupile/laif)

 

Man hat das Gefühl, alles dreht sich schneller. Stimmt das eigentlich? 

Ich denke, wir sind immer schon ein hohes Tempo gegangen. Was sich gerade dramatisch verändert, ist die Vernetzung der Arbeits- und Lebensbereiche. Die reale Welt wird immer virtueller. Und die virtuelle Welt durchdringt immer tiefer unsere reale Welt. Das Problem ist, dass viele zwischen beiden nicht mehr unterscheiden können. Stichwort Videospiele: Millionen von Jugendlichen fühlen sich in virtuellen Welten heimischer als in ihrer echten Umwelt.

Manche Unternehmen fühlen sich offenbar in der realen Welt auch ziemlich sicher …
Ja, es ist erstaunlich, dass ein ehemaliger Marktführer wie Nokia die dramatischen Entwicklungen bei Smartphones ignoriert hat. Bis es zu spät war und Apple mit dem iPhone den globalen Handy-Markt und unser Kommunikationsverhalten umkrempelte. Nokia und andere Konkurrenten hätten Apple viel früher als Game-Changer identifizieren müssen.

Ein Gespräch mit Mister Future Die Vorträge von Peter Wippermann beschäftigen sich gerne mit Thesen wie "Die Privatsphäre ist die Ressource des 21. Jahrhundert" oder auch "Der Körper wird zum Cursor im Datenraum". (© 2015 Trendbüro Peter Wippermann)

 

Gibt es ähnliche Beispiele woanders?
Wir erleben gerade, wie die Banken einen Trend übersehen: das Bezahlen via Smartphone. Das nimmt rasant zu, Paypal und Co. erobern den Markt. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich Ketten wie Walmart mit anderen Playern zusammentun, um Banken aus ihrem angestammten Geschäft zu drängen. In wenigen Jahren werden die Geldmengen nicht mehr bei den klassischen Kreditinstituten liegen. Das liegt auch daran, dass Banken sich wenig für Privatkunden interessieren. Riskante Finanzgeschäfte erscheinen da lukrativer.

Warum interessiert uns die Zukunft? Passiert sie nicht auch ohne unser Zutun?
Nein, die Zukunft entsteht kontinuierlich, jeder kann sie mitgestalten. Viele Innovationen, die übermorgen unseren Alltag bestimmen könnten, existieren bereits im Labor. Wie wir künftig leben werden, entscheidet vor allem die kulturelle Akzeptanz der Gesellschaft. Die Möglichkeit, Innovationen zu erleben, macht jedenfalls neugierig – zum Glück.