Wenn Drohnen die Inventur übernehmen

Das dürfte alle E-Commerce-Händler freuen: Ingenieure des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine Lösung entwickelt, bei der autonom fliegenden Drohnen Waren in jedem Lager wiederfinden, und zwar bis auf 19 Zentimeter genau. Das System „Rfly“ funktioniert wie die Smartphone-Ortung mit Triangulation. Das heißt, mit RFID-Chips ausgestattete Warenbehälter werden aus verschiedenen Winkeln erfasst. Die bislang zeit- und personalintensive Inventur in Warenlagern, die Menschen bislang mühsam per Hand machen müssen, werden künftig Drohnen quasi im Vorbeifliegen erledigen.

Drohnen im Einsatz Drohne bei der Überwachung von Windkrafträdern. (© 2017 Microdrones)

Die fliegende Inventurerfassung ist nur eine von vielen nützlichen Lösungen, die Unternehmen dank Drohnen nutzen können: Sei es für die Schadenserfassung, für Vermessungsaufgaben, für Film- und Fernsehaufnahmen, zur Felderkontrolle in der Landwirtschaft, bei Rettungseinsätzen, bei der Überwachung von Großbaustellen und der Inspektion von Brücken, Raffinerien und Windrädern (siehe Kasten). Alles Aufgaben, die zuvor sehr aufwändig von Menschen zu Fuß oder kostenintensiv mit Hubschraubern samt Pilot erledigt werden konnten.

Drohnen & Logistik. Ein Dreamteam?

Dabei kommen ständig neue Einsatzbereiche hinzu, wie etwa in der Logistik, bei der Inventur oder für den Transport von Waren in entlegene Gebiete. Die Computerfachmesse CeBIT widmete den aufstrebenden Fluggeräten einen eigenen Bereich. Dort präsentierten Hersteller wie Parrot, Microdrones, Globe UAV, DJ, Ascending Technologies, Intel, Yuneec oder Spectair ihre Modelle samt der Einsatzmöglichkeiten.

DHL Paketroboter 3.0 vor Parcelcopter SkyPort (Packstation). DHL Paketroboter 3.0 im Einsatz: Bereits seit 2013 verfolgt DHL Paket ein eigenes Forschungsprojekt, um den Transport von Waren per Paketkopter in schwer zugängliche Gebiete zu erproben. Dafür holt der Paketkopter 3.0 DHL Pakete an einem Parcelcopter SkyPort (Packstation) ab. (© 2017 Andreas Heddergott: / Deutsche Post DHL Group)

Paketdienste und Händler setzen verstärkt auf Drohnen

Die Zustellung von Paketen per Drohne wagte hierzulande erstmals DHL vor vier Jahren: Der Jungfernflug des Paketkopters fand 2013 zwischen dem Festland und der Nordseeinsel Juist statt. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Paketkopter einen ganz konkreten Mehrwert in der Logistik schaffen können“, erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Post -eCommerce – Parcel der Deutschen Post DHL Group, die das Forschungsprojekt vorantreibt.

Einen Mehrwert sieht auch der Online-Riese Amazon und meldete in den USA mehrere Patente an. Das Internetportal Businessinsider berichtete jüngst von mobilen Drohnenstationen auf Zügen, Lkws und Schiffen, das Magazin WIRED von einer Art Bienenstöcke für Drohnen. Sie sollen in Städten gebaut werden und Tausende von Lieferdrohnen beherbergen, die innerhalb der Gebäude beladen und dann direkt zum Kunden geschickt werden. Unterwegs tanken sie sich an Ladestationen auf Straßenlaternen neue Energie. Bereits in drei Jahren sollen die Bestellungen auf diese Weise noch schneller zum Kunden gelangen.

Neue Drohnenverordnung

„Drohnen könnten schon bald ein alltäglicher Anblick am Himmel über Deutschland sein“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder. „Die Technik verspricht nicht nur wirtschaftlichen Nutzen, sondern bietet auch große Chancen.“ Damit Unternehmen von dem großen Potenzial der Drohnen profitieren können, hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine neue Drohnenverordnung verabschiedet. Die Neuregelung soll „der Zukunftstechnologie Drohne Chancen eröffnen und gleichzeitig die Sicherheit im Luftraum deutlich erhöhen“, erklärt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Verordnung legt beispielsweise fest, dass Drohnen ab einem Gewicht von 0,25 Kilo ab dem 1. Oktober 2017 mit einer Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers gekennzeichnet sein müssen, an den man sich im Schadensfall wenden kann. Aufgehoben ist mir der Neuregelung das generelle Betriebsverbot außerhalb der Sichtweite.

Drohnen-Steuereinheit Drohnen-Steuereinheit mit hochauflösendem Display. Über die neue Drohnenverordnung, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) verabschiedet hat, sollen Drohnen-Lenker zu mehr Sicherheit im Luftraum angehalten werden. (© 2017 Microdrones)

Klare Regeln für Drohnen

Die neue Drohnenverordnung trat am 7. April 2017 in Kraft. Sie soll für mehr Sicherheit sorgen und gleichzeitig kommerzielle Anwendungen mit der Zukunftstechnologie erleichtern. Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Kennzeichnungspflicht: Ab einem Gewicht von 0,25 Kilomüssen müssen Drohnen ab dem 1. Oktober 2017 mit einer Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers gekennzeichnet sein.
  • Kenntnisnachweis: Für Drohnen ab zwei Kilo benötiget der Betreiber ab dem 1. Oktober 2017 eine gültige Pilotenlizenz oder eine Bescheinigung nach Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle.
  • Erlaubnispflicht und -freiheit: Ab fünf Kilo ist nun eine Erlaubnis von den Landesluftfahrtbehörden erforderlich. Unterhalb einer Gesamtmasse von fünf Kilo ist keine Erlaubnis erforderlich. Der Betrieb durch Behörden oder Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist generell erlaubnisfrei.
  • Betrieb und Betriebsverbot: Das bestehende generelle Betriebsverbot für Drohnen unter fünf Kilo außerhalb der Sichtweite wird aufgehoben. Ein Betriebsverbot gilt außerhalb der Sichtweite für Geräte unter fünf Kilo und über sensiblen Bereichen, wie beispielsweise Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Krankenhäusern oder Menschenansammlungen sowie in Kontrollzonen von Flugplätzen sowie in Flughöhen über 100 Metern, es sei denn, der Betrieb findet auf einem Gelände statt, für das eine allgemeine Erlaubnis zum Aufstieg von Flugmodellen erteilt und für die eine Aufsichtsperson bestellt worden ist. Über Wohngrundstücken gilt das Betriebsverbot ohne besondere Erlaubnis bereits für Drohnen ab 0,25 Kilo oder wenn sie in der Lage sind Signale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen.
  • Ausweichpflicht: Drohnen müssen bemannten Luftfahrzeugen und unbemannten Freiballons ausweichen.

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