Farbpsychologie: Farben beeinflussen das Kaufverhalten

Die richtige Farbe ist für rund 85 Prozent der Menschen das entscheidende Kriterium beim Kauf eines Produkts. Das bestätigen zahlreiche Studien. Noch mehr Nutzer, nämlich 93 Prozent, entscheiden beim Kauf anhand des allgemeinen Erscheinungsbildes, dessen wichtigstes Merkmal die Farbe ist. Die starke Wirkung von Farben auf Menschen sollten sich Betreiber von Online-Shops zunutze machen. Denn die passende Farbgestaltung hilft, die Conversion Rate zu erhöhen. Die Farbpsychologie kann dazu viel beitragen. Dabei ist es wichtig, dass die Farben des Internet-Auftritts miteinander harmonieren. Die Farbwahl ist also eine konzeptionelle Entscheidung, für die man sich Zeit nehmen sollte.

Zielgruppe bestimmt die Farbwahl

Der wichtigste Aspekt bei der Gestaltung des eigenen Shops ist die Zielgruppe. Frauen mögen andere Farben als Männer, Kinder werden mit anderen Farben erreicht als Best Ager. Nicht zuletzt verwenden unterschiedliche Branchen unterschiedliche Farben. Je heterogener die Zielgruppe, umso schwieriger wird die Farbgebung für den Online-Shop.

Jede Farbe hat unabhängig vom Webdesign bestimmte Merkmale und weckt bei jedem Menschen ganz konkrete Assoziationen. Diese emotionalen Verknüpfungen sind hilfreich für die Conversion-Rate-Optimierung.

So verführerisch die Idee sein mag, an jeder Stelle des Online-Shops die vermeintlich passende Farbe einzusetzen: Das Farbkonzept sollte es nicht übertreiben. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, nicht mehr als drei Farben einzusetzen: einen Hintergrundfarbton, einen zweiten für Navigationselemente und eine dritte markante Farbe für Call-to-Action-Elemente – etwa Buttons.

Doch nun zu den einzelnen Farben: Welche Farbe steht für welche Emotionen? Die Farbpsychologie liefert hier Antworten. Es gibt zum einen die Primärfarben Rot, Gelb und Blau und zum anderen Sekundärfarben wie Orange, Grün oder Violett, die Mischungen aus zwei Primärfarben sind. Alle anderen gelten als Tertiärfarben, auch die „unbunten“ Farben Weiß, Grau und Schwarz.

Welche Farbe wirkt wie?

Die Farbe Rot ruft starke emotionale Reaktionen hervor. Sie wird mit Liebe und Leidenschaft verbunden, kann aber auch aggressiv wirken. Nicht selten wird Rot von Unternehmen in der Lebensmittelbranche verwendet. Als Hintergrundfarbe ist sie bei Online-Shops denkbar ungünstig und eher als dritte Farbe geeignet.

Gelb wirkt gemäß Farbpsychologie freundlich, jugendlich, optimistisch und spricht den Verstand an. Andererseits wirkt es unruhig. Mit Gelb einen Online-Shop zu gestalten, bietet sich nur in Ausnahmefällen an. In den meisten Fällen ist Weiß die Hintergrundfarbe – dann ist der Kontrast zu Gelb zu gering.

Blau ist in Deutschland nach Grau die zweitbeliebteste Farbe für Navigationselemente. Blau ist die Lieblingsfarbe vieler Menschen. Sie strahlt Ruhe und Sicherheit aus, kann allerdings auch kühl wirken. In allen Branchen, in denen Seriosität ein wichtiges Merkmal ist, dürfte Blau laut Farbpsychologie die erste Wahl für Navigationselemente sein. Lebensmittelshops sollten von Blau absehen – schließlich gibt es kaum blaue Lebensmittel.

Welche Farben soll der Online-Shop bekommen? Eine wichtige Entscheidung. (© 2017 Shutterstock / Rawpixel.com)

Sekundärfarben können den Unterschied machen

Was sagt die Farbpsychologie über Sekundärfarben? Orange ist wie Rot eine warme Farbe, hat aber auch eine Warnfunktion. Im Online-Shop kann Orange bei Call-to-Action-Elementen eingesetzt werden, etwa bei Rabattaktionen, Bestell-Buttons und Ähnlichem.

Grün wird häufig mit Gesundheit, Wachstum, Natur und Umwelt assoziiert. Bei Bio- oder Outdoor-Produkten ist Grün eine gute Wahl als zweite Farbe, etwa für Navigationselemente. Auch wenn heilende Produkte verkauft werden, bietet sich der Einsatz der Sekundärfarbe Grün an.

Violett beziehungsweise Lila ist eine spirituelle Farbe, die für Reichtum, Erfolg und Schönheit steht. Kreativität, gepaart mit Weisheit: Violett ruft seelisches Gleichgewicht hervor und wird deshalb häufig im Beautybereich eingesetzt, zumindest von Shops und Unternehmen im europäischen Ausland. In Deutschland hält man sich mit Violett im Webdesign eher zurück.

Schwarz symbolisiert einerseits Macht, anderseits steht es bekanntlich für Trauer und Tod. Es bietet sich nur in Kombination mit Weiß an und auch dann nur in dosierten Mengen. Schwarz-Weiß-Kombinationen wirken elegant und eignen sich für Online-Shops, die Luxusprodukte anbieten.

Weiß ist in Deutschland und vielen anderen Ländern die meistverwendete Hintergrundfarbe in Online-Shops. Es steht für Reinheit und Sauberkeit. Zu viel Weiß kann aber gerade bei Conversions nachteilig wirken, denn es macht schnell einen sterilen Eindruck. Viel weißer Raum ist in Ordnung, doch dann braucht es anregende Farben für Navigation und Call-to-Action-Elemente.

Grau steht ähnlich wie Blau für Seriosität, aber auch für Neutralität. Grau ist sowohl als Haupt- wie auch als Navigationsfarbe gut geeignet, allerdings ganz verkehrt für Call-to-Action-Elemente. Wird Grau für Navigationselemente gewählt, sollte die dritte Farbe unbedingt ausdrucksstark sein. Vorteil: Farben wie Rot, Orange oder Grün harmonieren sehr gut mit einem passenden Grauton.

Checkliste: Farbpsychologie für den Online-Shop

  • Welche Zielgruppe bedient der Shop?
  • Welche Farben bevorzugt die Zielgruppe?
  • Welche Farben harmonieren miteinander?
  • Welche Farbe kommt als Hauptfarbe infrage, welche für die Navigation und welche für Elemente, die zum Kauf bewegen sollen?

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