Windows-Anhänger können sich freuen: Samsung bringt erstmals ein Tablet der Galaxy-Reihe heraus, das mit dem neuen Windows 10 funktioniert. Das Gerät bietet mit seinem 12-Zoll-Display (Diagonale: 30,48 Zentimeter) vergleichbare Abmessungen wie das aktuelle Windows-10-Tablet Surface Pro 4 (12,3 Zoll, Diagonale: 31,24 Zentimeter) aus dem Hause Microsoft. Mit seiner sehr hochwertigen Verarbeitung steht das TabPro S dem Surface in nichts nach: Keine störenden Kanten, keine Spaltmaße, kein klapperndes Gehäuse! Es ist allerdings viel leichter (688 Gramm vs. 793 Gramm) und mit nur 6,3 Millimetern auch deutlich schlanker als das Surface Pro 4 (8,5 Millimeter). Zusammen mit dem ebenfalls großen Apple iPad Pro (12,9 Zoll, 32,76 Zentimeter Diagonale) spielen alle drei Geräte in der Liga der XL-Business-Tablets und buhlen um die Gunst der Geschäftskunden.

Mehr als ein Tablet: Das TabPro S ist ein kleines Notebook

Beim Auspacken gibt es die erste Überraschung: Neben dem Tablet befindet sich auch eine Tastatur-/Aufsteller-Kombination, die gleichzeitig als Schutzhülle dient, im Karton. Für den Arbeitseinsatz wird die teils magnetische Abdeckung einfach an die Rückseite des Galaxy geheftet und das Tablet mit seinen Kontakten an den entsprechenden Bereich der Tastatur gesteckt. Sogleich lässt sich das Samsung-Gerät im Handumdrehen fast senkrecht aufstellen – mit festem Stand.

Zusammen mit der ansteckbaren Tastatur (inklusive Aufsteller) wird das Galaxy TabPro S im Handumdrehen zu einem kleinen und sehr leistungsfähigen Notebook. Zusammen mit der ansteckbaren Tastatur (inklusive Aufsteller) wird das Galaxy TabPro S im Handumdrehen zu einem kleinen und sehr leistungsfähigen Notebook. (© 2016 Samsung)

So eignet es sich beispielsweise optimal zum Betrachten von Videos, Fotos oder Grafiken. Wer eine flachere Position fürs Display bevorzugt, etwa um Texte einzutippen oder mit Excel zu arbeiten, kann den Aufsteller auch flugs mittig einknicken. Das ergibt dann eine sehr angenehme Arbeitshaltung. Allerdings sollte das Display dabei nicht direkt einer Lichtquelle ausgesetzt sein – das sorgt für nervige Verspiegelungen.

Sobald das Tablet mit der Tastatur verbunden ist, wechselt es automatisch in den „Notebook“-Modus (das muss vorher einmalig aktiviert werden). Alle Bereiche des TabPro S lassen sich dann über die Tastatur mit seinem integrierten Touchpad (inklusive Rechtklick-Funktion) ansteuern. Ein Umgreifen an den Touchscreen ist nicht notwendig – manchmal allerdings sehr wohl praktisch (wenn es etwa ums Vergrößern von Webseiten oder Fotos geht).

Die Tastenbelegung erfordert kein umständliches Umschalten, alle Zeichen und Sonderzeichen sind leicht erreichbar. Zudem weisen die Tasten einen spürbaren Druckpunkt und akzeptablem -Hub auf und sie liegen ausreichend auseinander.

Im Vergleich zur Anstecktastatur fürs Surface Pro 4 („Type Cover“, welches extra gekauft werden muss) vermittelt die Tastatur des Samsung mit seinen „echten“ Tasten den Eindruck eines kleinen Notebooks. Beim Surface wird auf einer Kunststoffmatte getippt, aus der die Tasten herausstehen. Die Druckpunkte sind entsprechend. Auch im Vergleich zur iPad Pro-Tastatur („Smart Keyboard“; nur als US-Version für 179 Euro erhältlich) konnte die Samsung-Tastatur im Anwendertest überzeugen.

Stets zu Diensten: Cortana, die Sprachsteuerin

Wie ein Windows-Smartphone (und vergleichbar mit Siri von Apple sowie Google Now für Android-Geräte) lässt sich auch das Galaxy TabPro S per Sprachassistent steuern. Bei Windows reagiert eine Damenstimme auf den Namen Cortana. Mit ihr kommuniziert der TabPro S-Besitzer etwa, um Termine in den Kalender einzutragen, Notizen für die Windows-App OneNote anzufertigen, den Wetterbericht abzurufen, den Weg per Navigation zu finden oder den Wecker für ein anstehendes Meeting zu stellen.
Ist die Funktion „Hey Cortana“ aktiviert, kann das Tablet sogar aus dem Ruhemodus heraus geweckt werden. Im Anwendertest reagierte Cortana verlässlich auf diverse Sprachbefehle. Kein Problem auch, wenn einmal etwas missverstanden wurde: Cortana kann die Stimmlage ihres „Besitzers“ erlernen und wird mit der Zeit immer besser.

Die Telekom vertreibt das Samsung Galaxy TabPro S mit Windows 10 in der Pro-Variante und eingebautem LTE-Modul. Die Telekom vertreibt das Samsung Galaxy TabPro S mit Windows 10 in der Pro-Variante und eingebautem LTE-Modul. (© 2016 Samsung)

Windows 10 Pro-Edition

Im Auslieferungszustand läuft Windows 10 in der Pro-Edition auf dem Galaxy TabPro S. Ähnlich wie Notebooks oder Desktop-PCs mit dem aktuellen Windows-System arbeitet das Samsung-Tablet wie ein ausgewachsener Windows-10-Rechner. Vorhanden ist die Taskleiste, der Windows Datei-Explorer, die Multitasking-Funktion per Tabulatoren-Taste, das klassische Windows-Startmenü, aber auch die Kachel-Optik für installierte Programme sowie das Info-Center (ansteuerbar per Wisch nach links vom rechten Displayrand) für den Aufruf der wichtigsten Geräte-Einstellungen.

Word, Excel, PowerPoint und OneDrive gibt es inklusive ein Terrabyte OneDrive-Cloud-Speicher im Office 365-Abo-Paket (in der Home-Version für 99 Euro pro Jahr; für Business-Anwender startet der Preis ab 8,95 Euro pro Mitarbeiter pro Monat. Zu buchen in der neuesten Version von Office 2016 über die Telekom Cloud.

Hohes Arbeitstempo

In Sachen Arbeitstempo hinterließ das TabPro S einen guten Eindruck: Selbst beim Ausführen von ressourcenhungrigen Programmen wie Photoshop Express gab es keinerlei Verzögerung. Natürlich liefen auch gängige Office-Anwendungen, Video-Wiedergaben oder der Aufruf von Webseiten flüssig durch.

Samsung setzt bei seinem ersten Windows-10-Tablet auf einen vergleichsweise starken Zwei-Kern-Prozessor von Intel. Der „m3-6Y30“ stammt aus der aktuellen Skylake-Reihe, die auch in einigen Ultrabooks anderer Hersteller eingesetzt wird. Smarte Lösung: Um Energie zu sparen sind die beiden Prozessor-Kerne im Normalfall mit nur 900 Megahertz getaktet. Sie können aber bei Bedarf kurzzeitig mit 2,2 Gigahertz arbeiten. Dem Intel-Prozessor stehen für stets gleichbleibendes Tempo vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Im direkten Tempo-Vergleich mit dem Spitzenmodell des Surface Pro 4 (Core i7 und 16 Megabyte RAM) muss sich das Samsung zwar geschlagen geben, aber genau wie das iPad Pro ist auch das Samsung Galaxy TabPro S ein sehr schnelles „Arbeitstier“.

Dank scharfen AMOLED-Display ist das Galaxy TabPro S gut geeignet für die Anzeige von Fotos, Videos und Webseiten. Dank scharfen AMOLED-Display ist das Galaxy TabPro S gut geeignet für die Anzeige von Fotos, Videos und Webseiten. (© 2016 Samsung)

Tolles Display

Auch beim Display gibt es Innovatives: Samsung setzt hier seine Super-AMOLED-Technik ein. In der Praxis bedeutet das, das Internetseiten, Fotos, Grafiken oder Videos sehr detailreich angezeigt werden und die Farbwiedergabe fällt kräftig aus. Die hohe Helligkeit des TabPro S-Bildschirms erlaubt auch das Arbeiten im Freien selbst bei sehr ungünstigen Lichtverhältnissen. Mit einer Pixeldichte von 216 ppi liegt das Samsung-Tablet dennoch hinter dem Microsoft Surface Pro 4 mit seinen satten 267 ppi. Dessen Auflösung mit 2736 x 1824 Pixeln auf dem 12,3 Zoll großen Display lässt sich mit dem iPad Pro vergleichen. Hier sorgt eine Auflösung von 2732 x 2048 Pixeln auf 12,9 Zoll für eine Pixeldichte von 265 ppi.

Professionell arbeiten mit zwei parallelen Fenstern

Ein weiterer Vorteil des großen Tablet-Bildschirms ist es, parallel mit zwei Apps zu arbeiten. So kann man zwei Fenster nebeneinander auf haben und muss nicht mehr zwischen den Anwendungen hin und her springen. Das ist praktisch, wenn zum Beispiel das E-Mail-Fenster aufbleiben soll. Im Anwendertest funktionierte das zuverlässig. Auch ein zweiter Bildschirm (optimal beispielsweise um mit großen Excel-Tabellen zu arbeiten) kann ans Galaxy TabPro S angeschlossen werden. Allerdings geht das nur mit einem separaten Adapter – etwa den S-Multiport-Adapter (um 55 Euro) fürs Samsung Galaxy TabPro.

Sicherheit

Beim Thema Sicherheit muss Samsung zulegen: Obwohl Windows 10 auf dem Galaxy läuft, fehlt ein Highlight des neuen Windows-Systems: Die Möglichkeit, das Tablet mit biometrischen Verfahren wie dem Fingerabdruck oder der Gesichtserkennung zu entsperren. Unverständlich, denn die Entsperrfunktion war in Tests mit dem Rivalen Surface Pro 4 bequem und zuverlässig. Auch der Fingersensor des iPad Pro (Touch ID) sorgt für deutlich mehr Komfort beim Entsperren des Geräts als eine Passworteingabe über den Touchscreen oder die Tastatur.

Fazit

Samsungs erstes Windows-10-Tablet braucht sich nicht vor dem Micosoft Surface Pro 4 oder dem Apple iPad Pro zu verstecken. Lobenswert ist die hochwertige Verarbeitung, das hohe Arbeitstempo und das scharfe XL-Display. Besser als Microsoft und Apple gestaltet Samsung die Umrüstung des Tablets als Notebook: Beim TabPro S ist eine robuste und alltagstaugliche Tastatur inklusive – bei Apple und Microsoft muss die Tastatur zugekauft werden. Wie die beiden Konkurrenten auf dem Markt der Business-Tablets – Apple iPad Pro und Microsoft Surface Pro 4 – geht auch das Galaxy TabPro S mit schnellem WLAN-ac ins Netz – wahlweise im 2,4-Gigahertz- oder im 5-Gigahertz-Bereich. Die NFC-Technik, für die schnelle Kopplung mit dafür ausgerüsteten Bluetooth-Geräten, ist auch eingebaut.

Das TabPro S besitzt einen 125 GB-großen Speicher. In der Praxis standen davon 81 Gigabyte zur freien Nutzung. Leider lässt sich der Speicher nicht per MicroSD-Karte erweitern. Wer seine Daten wie Fotos, Videos oder PowerPoint-Präsentationen in die TelekomCloud auslagern will, muss sich keine Gedanken machen. Im Office 365-Abo-Paket ist ein Terrabyte OneDrive-Cloud-Speicher inklusive.

Pluspunkte:

  • Als LTE-Version erhältlich
  • Tastatur inklusive Aufsteller und Schutzhülle inklusive
  • Optimal aufs Arbeiten mit Windows Office 2016 abgestimmt
  • Gute Sprachsteuerung
  • Gute Kamera für Videotelefonate
  • USB-C-Anschluss

Technische Daten

Display (Maße und Auflösung):
12 Zoll, Diagonale: 30,48 Zentimeter, Auflösung: 2160 x 1440 Pixeln (Schärfewert: 216 ppi)
Abmessungen:
29,0 x 19,9 x 0,63 cm, 693 Gramm

Weitere Ausstattung:

  • Intel Core M Prozessor (m3-6Y30, 6. Generation) 2 x 2,2 GHz, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher
  • Nur für LTE-Version: LTE für alle Frequenzen bis 300 Mbit/s im Download (LTE Cat. 6)
  • Für 2,4- und 5 GHz-WLAN-Netze, auch für 5 GHZ WLAN-ac, MIMO
  • Hauptkamera: 5 Megapixel (Videoaufnahme in Full-HD „1080p“); Frotkamera: 5 Megapixel für Videotelefonate via Skype
  • NFC für schnelles Koppeln von Geräten per Bluetooth eingebaut
  • Bluetooth 4.1
  • GPS-Modul vorhanden