Daten sicher löschen: Wann und warum das wichtig ist

In der Regel sind Ihre IT-Abteilung oder Ihr Systemadministrator damit beschäftigt, Daten zu sichern, zu schützen und für Ihre Mitarbeiter gezielt verfügbar zu machen. Doch manchmal ist es auch notwendig, Daten sicher zu löschen.

Dieser Fall kann dann eintreten,

  • wenn Sie alte Rechner oder Datenträger aussondern, etwa wegen Defekten oder weil Sie Ihre IT-Ausstattung erneuern möchten,
  • wenn gesetzliche Aufbewahrungsfristen überschritten wurden – auch dann sind nicht mehr benötigte Daten sicher zu löschen,
  • wenn Sie von Kunden und Verbrauchern oder Behörden rechtmäßig dazu aufgefordert werden.

Fehlerhaftes Löschen kann schwerwiegende Konsequenzen haben

Eine Festplatte komplett zu löschen, ist nicht so trivial wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Fehler können Sie im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen kommen.

Verkaufen Sie beispielsweise ausgemusterte Rechner und Laufwerke mit sensiblen Inhalten, dann kann der nachfolgende Besitzer Betriebsgeheimnisse oder Kundendaten abgreifen.

Auch wenn Sie Ihre bisherige IT-Ausstattung einfach unbehandelt wegwerfen, birgt das Gefahren. Es könnte sich jemand Zugriff auf Ihr Firmengelände verschaffen und die entsorgten Speicher stehlen

Und was passiert, wenn Sie von Kunden oder Verbrauchern zum Löschen von personenbezogenen Daten aufgerufen werden und Sie dieser Pflicht nur unzureichend nachkommen? Dann kann das laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) unter Umständen empfindliche Strafen nach sich ziehen.

Deshalb zeigen wir Ihnen, wie Sie unter unter Windows die Festplatte komplett löschen und was Sie dabei beachten sollten.

Daten schreddern im digitalen Zeitalter

Ganz wichtig: Gewöhnliches Löschen von Dateien für die genannten Zwecke reicht bei Weitem nicht aus. Denn wo landen Dateien, wenn Sie auf „Löschen“ klicken? Richtig, im digitalen Papierkorb. Von dort sind Sie aber wie Schriftstücke aus einem echten Papierkorb mit einem Handgriff beziehungsweise Mausklick wieder herauszuholen.

Den Papierkorb zu leeren, bringt Sie Ihrem Ziel ebensowenig näher. Denn die Daten sind physikalisch noch vorhanden – und leichter wiederherzustellen,  als Sie vielleicht denken. Sie müssen also schwereres Geschütz auffahren. Was Sie brauchen, ist ein digitaler Reißwolf!

Die Festplatte komplett löschen: leichter gesagt als getan

Das Leeren des Papierkorbs tilgt nämlich nur die Verweise auf Daten im Inhaltsverzeichnis des Laufwerks.  Der Bereich mit den Daten selbst ist dann vom Betriebssystem zum Überschreiben freigegeben. Ob das aber jemals stattfindet, steht auf einem ganz anderen Blatt. Kurz: Passiert nichts, so sind alle digitalen Informationen noch da.

Eine Formatierung ist leider auch nicht geeignet, eine Festplatte komplett zu löschen – schon gar nicht eine Schnellformatierung (High-Level). Diese und ebenso die aufwändigere Low-Level-Formatierung führen lediglich dazu, dass das System die Dateistruktur neu anlegt: Es löscht das Inhaltsverzeichnis und erstellt ein neues. Ahnen Sie was kommt? Genau, die Daten sind immer noch da.

Es gibt nur eine Methode: Überschreiben, Überschreiben, Überschreiben …

Klar, bei einem Defekt oder versehentlichem Formatieren sind noch vorhandene Daten ganz nützlich, aber Sie wollen sich ja von den Daten auf Nimmerwiedersehen verabschieden. Falls Sie Ihre alten Festplatten nicht mechanisch zerstören wollen, bleibt letztlich nur der Griff zu speziellen Softwarelösungen. Windows-Bordmittel sind schlicht ungeeignet, um Daten sicher zu löschen.

Digitale Daten sind stets eine Abfolge von Nullen und Einsen. Man spricht von einer sogenannten Bitfolge. Damit dieses Muster von Maschinen nicht mehr ausgelesen werden kann, muss es per Zufallsprinzip überschrieben werden. Und zwar am besten mehrmals. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt auf seiner Website in bestimmten Fällen sogar ein siebenfaches Überschreiben der Daten.

Kostenlose Freeware leistet gute Arbeit

Wenn Sie eine kompetente Fachkraft im Haus haben, muss das sichere Löschen von Daten ihr IT-Budget nicht belasten, denn geeignete Tools gibt es als Freeware. Um Festplatten komplett zu löschen, empfiehlt sich unter anderem das Spezialprogramm Eraser. Es hat viele Vorzüge, aber auch einige Nachteile.

Die Vorteile im Einzelnen sind:

  • Von Windows XP (SP3) bis hin zum Server 2008 R2 unterstützt das Tool alle gängigen Windows-Versionen auch in der 64-Bit-Version. Eraser läuft ebenso unter Windows 7, Windows 8.x und Windows Server 2012/2012 R2.
  • Eraser arbeitet mit allen Laufwerken, auf die das Betriebssystem Zugriff hat.
  • Löschoperationen führen Sie dank eines Zeitplans zu festgelegten Zeiten durch.
  • Eraser verfügt über 13 Löschmethoden, die Sie ergänzen und erweitern können.

Die Nachteile zusammengefasst:

  • Das Tool ist nur auf Englisch verfügbar, auch die Hilfe ist in dieser Sprache verfasst.
  • Eraser ist nicht gerade intuitiv zu bedienen, der Nutzer benötigt eine gewisse Zeit zum Einarbeiten.
  • Die Software kann zwar mit SSD-Platten zusammenarbeiten, spezielle Befehle für diese Festplattenart fehlen allerdings.

Daten sicher löschen: Outsourcing

Selbstverständlich gibt es neben dem vorgestellten Tool weitere kostenlose wie kostenpflichtige Lösungen. Am Ende des Artikels finden Sie relevante Links zum Thema „Daten sicher löschen“. Wenn Sie keine eigene IT-Abteilung haben oder in einem äußerst sensiblen Bereich tätig sind, sollten Sie erwägen, externe Dienstleister zu beauftragen. Prüfen Sie die Erfahrungen und Referenzen der Spezialisten und lassen Sie das Ergebnis gegebenenfalls von einem unabhängigen Dritten überprüfen.

Weiterführende Links: