Ein wenig ähnelt die Digitalisierung von Industrie und Gesellschaft einer Fahrt mit durchgetretenem Gaspedal. Bisweilen ist das Tempo atemberaubend, mit dem IT-Trends gesetzt werden und ganze Branchen disrupten. Die Zahl neuer Technologien in der Informationstechnik wächst permanent – und rasant. 2018 wird die digitale Transformationsrallye nochmals an Geschwindigkeit zulegen. Mittelständische Unternehmen, die sich mit der digitalen Transformation des eigenen Geschäfts befassen, spüren das deutlich. Beispiel Blockchain: Vor zwei Jahren war dies ein Begriff, den außerhalb der Entwickler-Community kaum jemand kannte. Jetzt hat die Technologie den Mittelstand erreicht. Unternehmen in der Logistik- und Energiebranche sind bei der Implementierung Vorreiter.

IT-Trends 2018: Das sagen Hagen Rickmann, Miriam Mertens und Peter Arbitter

IT-Budgets steigen – bei einigen

Die Notwendigkeit, in die digitale Transformation im eigenen Unternehmen zu investieren, wird von vielen kleinen und mittleren Unternehmen erkannt: Die IT-Budgets steigen auf breiter Front. Das sind beste Voraussetzungen – doch mindestens genauso wichtig ist, dass der digitale Wandel auch von den Top-Ebenen unterstützt und getrieben wird. „Digitalisierung sollte Chefsache in Deutschland sein. Es braucht einen Chief Digital Officer, der koordiniert und nationale wie regionale Aktivitäten bündelt. Dabei sind die nächsten vier Jahre entscheidend für den Erfolg“, sagt Prof. Mario Voigt von der Quadriga-Hochschule Berlin. Er ist einer der Autoren der Studie „Digital. Kommunal. Deutschland. Smart Nation durch Smart Regions“. Was aber sind die Hindernisse, mit denen sich Unternehmen beim Thema CIO konfrontiert sehen? Den befragten Firmen zufolge sind vor allem Schwierigkeiten in der Anpassung der Unternehmens- und Arbeitsorganisation hinderlich: Stichwort Arbeit 4.0. Agilität im Unternehmen ist das Gebot bei der Digitalisierung der Produktions- und Geschäftsprozesse. Dass daran kein Weg vorbeiführt, ist den meisten mittelständischen Unternehmen klar – in der Umsetzung allerdings gibt es noch Luft nach oben.

Bildergalerie: Die IT-Trends 2018

Von Big Data zu Smart Data

Das Internet of Things (IoT) ist zu einem gigantischen Sammelbecken von verbraucherspezifischen Big Data geworden. Das industrielle Konzept ist das Industrial Internet of Things (IIoT). Spannend wird dabei die immer engmaschigere und dabei komplexere Vernetzung der „Dinge“: Die Machine-to-Machine-Kommunikation sowie die Effizienz von lernenden Maschinen und Automaten können damit ermöglicht und verbessert werden. Die entstehenden Datenmengen müssen allerdings verarbeitet werden, um sie nutzen zu können: Big Data Analytics gehören deshalb zu den gefragtesten Services des neuen Jahres und damit zu den großen IT-Trends 2018. Sie machen Big Data überhaupt erst zu Smart Data. Denn: Das Sammeln großer Mengen an Statistiken und Zahlen nutzt wenig, wenn die Datenflut nicht intelligent interpretiert werden kann. Tech-Giganten wie Microsoft, IBM, SAS und SAP investieren deshalb derzeit kräftig in IoT-Analytics. Sie entwickeln Algorithmen, die scheinbar sinnlose Zahlen zu umsetzbaren Erkenntnissen verarbeiten. Damit verschaffen sie sich Einblicke in eine Vielzahl von Branchen und Unternehmen. Aus den Smart-Data-Informationen wiederum erschaffen sie in ihren TechLabs Technologien und Anwendungen – die wiederum neue IT-Trends setzen und disruptive Kraft entfalten.

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Die Verarbeitung von Big Data zu nutzbaren Smart Data ist jedoch kein Privileg großer Akteure. Auch der Mittelstand kann Nutzen aus Big-Data-Strömen für sich ziehen, wenn er verstärkt auf Informationstechnik setzt. Das Roland Berger Institute (RBI) sieht in der Digitalisierung die Möglichkeit für Unternehmen, eine Plattformstrategie zu verfolgen und damit schnell gezielt Nischenmärkte oder gar den Massenmarkt anzugehen.

Internet of Things und Smart Data gewinnen weiter an Bedeutung. (© 2017 Shutterstock / Zapp2Photo)

Cloud-Dienste als Datenservice für den Mittelstand

Nationale Grenzen spielen bei der Digitalisierung nahezu keine Rolle mehr. Wohl aber die Speicherkapazität der Server. Big Data und Smart Data – die Terabyte müssen schließlich irgendwo abgelegt werden. Dafür stehen Anbieter von Cloud-Diensten bereit. Dabei geht es inzwischen um mehr als Hosting, also das Bereitstellen von Speicherkapazität auf virtuellen Servern. Die IT-Trends 2018 zeigen: Cloud-Provider bieten zunehmend weiterverarbeitende Dienste wie Machine Learning oder Big Data Analytics an, die dezentral nur schwer abzubilden sind. Mittelständische Unternehmen sind hier auf einem guten Weg, haben aber auch noch eine ordentliche Strecke vor sich: „Anders als bei den großen Konzernen fehlt im gehobenen deutschen Mittelstand bisweilen noch das Verständnis dafür, was genau Cloud ist und was Cloud kann“, stellt Constantin Klein vom globalen Informationstechnologie-Dienstleister Freudenberg IT fest.

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5-G Netzabdeckung kommt – bis 2025

Um die digitale Transformation auch zum eigenen Unternehmenserfolg zu machen, kann der Mittelstand also einiges tun. Doch gute Ideen, Engagement und operative Qualität nützen wenig, wenn das Umfeld nicht stimmt. Allein mit guten Ideen kommt keiner weiter. Zwingende Voraussetzung ist eine flächendeckende Infrastruktur – und das bedeutet: eine Netzabdeckung nach Hochleistungskriterien.

5G-Abdeckung gehört ebenfalls zu den IT-Trends 2018. (© 2017 Shutterstock / Tupungato)

Die Grundlagen dafür hat der Gesetzgeber im Sommer 2017 mit der „5G-Strategie für Deutschland“ geschaffen. Danach soll der Rollout von 5G-Netzen in Deutschland bis 2025 abgeschlossen sein. Ein wichtiger Schritt – aber es dürfte durchaus noch etwas schneller gehen. Denn der Rest der Welt wartet nicht: In den nächsten drei bis fünf Jahren, so die Unternehmensberatung Roland Berger, dürfte das Industrial Internet of Things eine Multimilliarden-Dollar-Industrie werden.

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IT-Trends 2018: Das sagen die Experten der Telekom

(© 2017 )

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland:

Internet of Things (IoT)

Ob  vernetzte Gläser, die beispielsweise den Konsum in Echtzeit analysieren, oder Sensoren, die in riesigen Lagerhallen jeden kleinsten Artikel auffindbar machen – die Möglichkeiten des IoT sind schon jetzt beeindruckend. 2018 wird der Trend weiter an Fahrt aufnehmen. Einzelhändler etwa werden Kunden zu ihren Lieblingsdingen lotsen, kleine Sensoren Patienten daran erinnern, ihr Medikament einzunehmen. 75 Milliarden IoT-Elemente wird es laut einer IHS-Prognose 2025 geben. Nicht zuletzt ist das eine große Herausforderung für die Sicherheit – für 2018 rechnet Statista mit einem Marktvolumen von 43 Milliarden Dollar für alle IT-Security-Produkte.

Mobile Solutions

Überall und jederzeit Zugriff auf alle Informationen, Team-Meetings im virtuellen Raum – Mobile Solutions bieten buchstäblich Möglichkeiten grenzenloser Kommunikation. Wir bei der Telekom digitalisieren mit den mobilen Lösungen unsere Kunden. Beispiel Excel: Mit OpenAsApp werden wir 2018 einen Partner an Bord haben, der Excel mobilisiert und daraus eine App fürs Smartphone gemacht hat. Ein anderes Beispiel: Mit SmapOne lassen sich in kurzer Zeit auf Basis vieler Templates schnell Apps für den Außendienst erstellen, um Daten zu erfassen. 2018 werden wir weitere Partner im Bereich mobile Konferenzen, Reisekostenabrechnung oder mobile Außendienststeuerung an Bord holen – und mit ihnen zusammen die Digitalisierung voranbringen. Motto: Mobile first!

Augmented Reality

Vom heimischen Sofa aus schon mal das Hotelzimmer für den geplanten Urlaub inspizieren oder Kleidung anprobieren, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen – Augmented Reality (AR) hat das Potenzial, die Welt zu verändern, indem sie neue Welten schafft. 2018 werden vor allem große Marken den AR-Trend für sich nutzen, AR wird auch mobil leichter zu nutzen sein und für den Endkunden einfacher zugänglich. Die Experten von IDC prophezeien dem Markt eine jährliche Wachstumsrate von mehr als 100 Prozent – auf fast 215 Milliarden Dollar im Jahr 2021.

(© 2017 )

Miriam Mertens, Vice President Startup-Kooperationen Telekom Deutschland

Künstliche Intelligenz startet durch

Mein Top-Trend 2018: Artificial Intelligence (AI). Startups mit künstlich intelligenten Lösungen waren 2017 sehr erfolgreich. 2018 wird AI meiner Meinung nach Einzug in fast allen Geschäftsbereichen halten.

Digitale Technologien werden zum Umsatztreiber

IoT, AI und Big Data führen zu mehr Automatisierung, geringeren Kosten sowie besserem Service – kurz: mehr Umsatz. Eine gute Nachricht für Digit-Tech-Startups, die entsprechende Lösungen anbieten.

Das Digital Talent Gap droht 

Es gibt zwar viele top IT-Fachkräfte in Deutschland. Aber leider auch Firmen, die drohen, den Anschluss zu verlieren. Hier müssen Unternehmen gegensteuern: Top Talents aus In- und Ausland verpflichten und konsequent weiterbilden.

(© 2018 Telekom)

Peter Arbitter, Leiter Portfolio und Produktmanagement Telekom Deutschland

Blockchain im Aufwind

Hat sie der Wert Ihres Aktiendepots in 2017 auch verneunzehnfacht? Wenn nein, dann haben Sie wohl nicht in Bitcoins investiert. Das Bitcoin-Netzwerk basiert auf dezentralen Datenbanken – der Blockchain und ist somit eine der bekanntesten Anwendungen der Blockchain-Technologie. Vereinfacht dargestellt ist dies eine dezentrale Datenbank, bei der es keinen Master gibt, sondern vielfach abgespeicherte Kopien der Informationen, die mittels kryptografischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jedes große Unternehmen beschäftigt sich mittlerweile mit der Technologie, die es bereits im Januar 2017 als Schwerpunkt auf die Agenda des Weltwirtschaftsforums in Davos geschafft hatte. In 2018 werden wir viele neue Blockchainanwendungen sehen.

IT-Trends 2018: Vorteil mit Edge Computing

Das Cloud Computing hat sich mittlerweile etabliert und wird vielfach in Unternehmen genutzt. Große Unternehmen rund um Amazon, Google und Microsoft konnten sich behaupten und die erste Halbzeit ging an diese US-Konzerne. Mittlerweile gibt es jedoch viele Anwendungsfälle, insbesondere im IoT Umfeld, in welchen die Latenz, das heißt die Übertragungsdauer zwischen einem Endgerät und dem zentralen Cloudrechenzentrum eine wesentliche Rolle spielt. Dieses Problem lässt sich nur lösen, wenn man die Rechenleistung im Netz verteilt und viel näher an das Endgerät bringt. Die zweite Halbzeit ist somit wieder offen - mit einem klaren Vorteil für die Telekommunikationsunternehmen, die mit ihrem eigenen Netz die Bedeutung von Edge Computing für die zukünftigen Anwendungsfälle erkannt haben.