Ray Kurzweil sucht nach der Formel für das ewige Leben. Der Zukunftsforscher von Google glaubt, dass im Jahr 2030 Nanoroboter das Immunsystem optimieren. Die Miniroboter würden in der Zukunft im Blutkreislauf eingesetzt, um dort die menschlichen Schwachstellen kontinuierlich zu reparieren – so die Vision von Kurzweil, der auch Mitgründer der Singularity University im Silicon Valley ist. Doch nicht nur, dass damit das natürliche Lebensende hinausgezögert werden könne – seiner Überzeugung nach wird es auch bald möglich sein, das Nervensystem über virtuelle und erweiterte Realität komplett mit dem Internet zu verbinden. Der Mensch wäre dann unsterblich – und Kurzweils Gehirn würde der Nachwelt funktionsfähig in der Cloud erhalten bleiben.

ray kurzweil Trend- und Google-Zukunftsforscher Ray Kurzweil glaubt daran, dass Menschen in Zukunft unsterblich sein werden. (© 2017 Bill Wadman)

Von Superrechnern und digitalen Glaskugeln

Diese Idee ist im Übrigen kein Hirngespinst eines Esoterikers: Kurzweil gilt weltweit als Koryphäe auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI). Sein Vortrag auf den Global Conferences am 22. März ist aber nur eines der Highlights der diesjährigen CeBIT. Nicht nur Kurzweil lässt sein Publikum durch seine digitale Glaskugel in die Zukunft schauen. KI ist generell eines der Hauptthemen der CeBIT 2017.

Besucher in Hannover werden in diesem Jahr auch die Möglichkeit haben, das Computerprogramm „Watson“ kennenzulernen. Denn IBM Deutschland stellt den Superrechner vom 20. bis zum 24. März auf der CeBIT aus. Watson, der nach einem der ersten Präsidenten von IBM benannt ist, besiegte 2011 in der US-TV-Show „Jeopardy!“ die beiden besten menschlichen Spieler. Aktuell ist das Programm in Pilotprojekten bei Unternehmen und Organisationen vor allem aus dem Gesundheitswesen und der Finanzbranche im Einsatz.

Watson hilft Ärzten und Patienten

Auch das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (MSKCC) in New York nutzt Watson, um Ärzten einen besseren Zugang zu aktuellen und umfassenden Daten und Praktiken für die Krebsbekämpfung zu ermöglichen. Der Superrechner durchforstet dazu weltweite Forschungsergebnisse und Artikel in medizinischen Fachzeitschriften, stellt sie mit den Patientendaten in Verbindung und liefert den Ärzten Entscheidungshilfen, um die Patienten individueller behandeln zu können.

ibm watson jeopardy IBMs Superrechner Watson besiegte 2011 in der US-TV-Show „Jeopardy!“ die beiden besten menschlichen Spieler. (© 2017 IBM / PR)

KI wird aber auch bereits in anderen Bereichen eingesetzt. Die Zeitschrift New Scientist beschrieb jüngst ein neues System namens „DeepCoder“, das selbstständig Programmcodes entwickelt. Hinter dem zukunftsweisenden Programm stehen Microsoft Research und die University of Cambridge.

Künstliche Intelligenz ist keine Science-Fiction

Zwar klingen diese neuen Technologien wie Zukunftsmusik, doch es gibt bereits weltweit Unternehmen, die in die KI-Forschung investieren. Bosch etwa investiert bis zum Jahr 2021 rund 300 Millionen Euro in das Bosch Center for Artificial Intelligence. Etwa hundert Experten betreiben KI-Forschung – und das an drei Standorten (Bengaluru, Palo Alto, Renningen). Zudem hat IBM in Kronberg bei Frankfurt ein Kompetenzzentrum für KI und das Internet der Dinge (IoT) eröffnet und das britische Unternehmen Dyson arbeitet in seinem Technology Center in Singapur sowohl an KI-Technologien als auch an Software- und Robotiklösungen. Auch von Dyson gibt es auf der CeBIT manches Ergebnis zu bestaunen.

dyson technologie center singapore Dyson arbeitet in seinem Technology Center in Singapur an Robotiklösungen mit künstlicher Intelligenz. (© 2017 Dyson / PR) - Noel Yeo

KI-Highlights auf der CeBIT 2017

Auf der Messe in Hannover zeigen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Startups, in welchen Bereichen der Wirtschaft die künstliche Intelligenz bereits funktioniert:

  • Besucher begrüßen
    Am Stand von Big Blue begrüßt „Connie“ die Besucher. Der mit Watson-Technologie ausgestattete Roboter „arbeitet“ seit einem Jahr testweise als Concierge im Hilton-McLean-Hotel in Virginia. „Connie“ spricht mit menschlicher Stimme und gibt den Gästen alle nötigen Informationen, die sie benötigen (Halle 2, Stand A10).
connie robot concierge Seit 2016 arbeitet der kleine Roboter „Connie“ testweise als Concierge im Hilton-McLean-Hotel in Virginia. (© 2017 IBM / PR)
  • Alter bestimmen
    Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut zeigt in interaktiven Demos, welche Gesichtsmerkmale wichtig sind, damit ein neuronales Netz das Alter einer Person exakt bestimmen kann (Halle 6, Stand B36).
  • Sachen falten
    Der KI-gestützte Roboter des Artificial Intelligence Research Centers aus Japan kann weiche Materialien falten. Die motorischen Fähigkeiten erlernt er durch ein neuronales Netzwerk (Halle 4, Stand A38).
  • Haltung bewahren
    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz entwickelt ein „Smart-Rollator-Device“ für kranke oder auch ältere Menschen mit Haltungsproblemen. Eine kleine Elektronikbox am Rollator ermittelt, wie der Benutzer im Verhältnis zur Gehhilfe steht, und gibt bei falscher Haltung Rückmeldung (Halle 6, Stand B48).
  • Dinge denken
    Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt eine KI-Lösung namens „thingsTHINKING“. Sie versteht den Inhalt von Texten und kann Fehler in technischen Dokumenten selbstständig aufspüren (Halle 6, Stand A30).
  • Rückfragen stellen
    Das Saarbrücker Startup SemVox zeigt auf der CeBIT sein Assistenzsystem für die Mensch-Maschine-Kommunikation. Es versteht die Bedeutung hinter den Eingaben der Benutzer und fragt bei unklaren Eingaben sogar selbstständig nach (Halle 11, Stand C20).
  • Analysen liefern
    Das Berliner Startup Inspirient zeigt auf der CeBIT eine Lösung zur automatisierten Analyse von Geschäftsdaten, die Nutzern ohne technische Fachkenntnisse einen schnellen Überblick über wichtige Ergebnisse liefert. Diese werden ihm in Präsentationsfolien angezeigt und einfach sprachlich erklärt (Halle 4, Stand C58).

Kurzvideo auf Englisch über den ersten autonom fahrenden Elektrobus Olli von IBM