Entsprechend setzen immer mehr Unternehmen solche selbstgedrehten Clips (die gar nicht mehr wie selbstgedreht aussehen) ein - um beispielsweise Einblicke in Events, Produktions- und Arbeitsabläufe oder Innovationen zu geben. Gerade hierbei spielt die mobile Videoproduktion ihre Stärken optimal aus.

Bevor wir aber ins Detail gehen, wie Mobile Videos funktionieren und was Sie dazu brauchen, sehen Sie sich doch bitte diesen Film der Marke Bentley an. Also durchaus ein hochwertiges Produkt. Gedreht wurde der Clip jedoch allein mit einem iPhone - und geschnitten auf einem iPad.

Um zu sehen, wie das gemacht wurden, sehen Sie sich das Video bitte bis zum Schluss an - auf den normalen Imagefilm folgt gleich das Making-Of:

Mobile Video: Das Equipment

Zugegeben, die Produzenten des obigen Clips hatten noch ein bisschen mehr Equipment als ein iPhone: diverse Stative, Kamerawagen (Dolly genannt) und Steadicams (auch Schwebestativ genannt) helfen bei aufwändigen Produktionen ungemein. Es geht aber auch ohne und deutlich günstiger.

Nicht vorbei kommen Sie an folgendem Zusatzequipment:

  • Mikrofon. Der Ton ist bei Videos entscheidend. Das klingt zunächst paradox, weil es doch um Bewegtbilder geht. Tatsächlich aber sind unsere Augen viel toleranter als unsere Ohren. Ein paar Fehlpixel verschmerzen und übersehen wir leicht, aber wenn es rauscht oder das entscheidende Wort unverständlich bleibt, schlagen die Ohren Alarm. Sie sollten sich daher unbedingt ein externes (Ansteck-)Mikrofon zulegen. Empfehlenswertes Equipment für das iPhone gibt es zum Beispiel bei Edutige.
  • Licht. Selbst wenn Sie nur bei Tageslicht drehen, werden Sie bald feststellen, dass strahlender Sonnenschein nicht nur Ihr Freund ist. Je nachdem von wo die Sonne kommt, gibt es hässliche Schatten im Gesicht oder aber Sie arbeiten mit Gegenlicht. Spätestens jetzt benötigen Sie etwas Zusatzlicht. Die richtige Wahl: LED-Lampen. Die brauchen kaum Strom und werden nicht heiß. Auf Amazon finden Sie hierfür eine große Auswahl von Tageslichtlampen schon ab 15 Euro.
  • Stativ. Das iPhone 6 Plus hat zwar schon einen phantastischen Bildstabilisator eingebaut, doch manchmal reicht auch der nicht aus. Und verwackelte Sequenzen sehen allenfalls in Actionfilmen gut aus. Für die mobile Videoproduktion sollte das Stativ unbedingt leicht und handlich sein. Der Hersteller Manfrotto bietet hierbei eine große Auswahl. Spezialisierte Online-Shops wie Photojojo haben Überdies noch recht günstige Angebote.
  • Extras. Sie glauben nicht, was sich nicht alles umfunktionieren lässt. Ein Dolly ist Ihnen in der Anschaffung zu teuer? Kein Problem: Kaufen Sie im Baumarkt einfach einen sogenannten Hund. Das ist ein einfaches Brett mit vier, möglichst leicht laufenden und gummierten Rollen darunter. Das kostet kaum mehr als 15 Euro. Stativ draufstellen - schon können Sie damit beeindruckende Kamerafahrten machen. Ein Profi-Dreibeinstativ ist Ihnen zu schwer? Dann denken Sie über die Anschaffung einer "Selfiestange" nach. Die ist zwar eigentlich gedacht für Selbstporträts, doch lässt sie sich hervorragend zu einem Einbeinstativ umfunktionieren und selbst in der Hand ist die Kameraführung damit verwackslungsfreier als das Smartphone direkt in die Hand zu nehmen. Kein Witz!

Wichtige Apps für die mobile Videoproduktion

Die meisten Unternehmen machen sich Sorgen, die Qualität ihrer Videos könnte unter dem Smartphone leiden. Falsch. Tatsächlich arbeiten immer mehr Profis mit dem Smartphone - Sie wissen es nur nicht, weil Sie es schon lange nicht mehr sehen können. Selbst die ARD setzt bei manchen Übertragungen inzwischen iPhones ein, wie etwa diese Aufnahme belegt.

Alles was Sie benötigen, sind ein bisschen Zusatzequipment und die richtigen Apps. Die wichtigsten stellen wir Ihnen jetzt vor:

Video-Apps für iOX

  • FilmicPro Über die eingebaute Kamera-App des iPhones können Sie bereits viel machen. FilmicPro erlaubt Ihnen allerdings unter anderem Schärfe und Lichtreferenz getrennt von einander zu setzen und so erstaunliche Aufnahmen unter erschwerten Bedingungen zu drehen.
  • Hyperlapse Die App von Instagram ist eigentlich gedacht für Zeitrafferaufnahmen. Setzen Sie die Geschwindigkeit allerdings auf 1:1 (also Echtzeit) offenbart sich ein unglaublicher Bildstabilisator. Einziger Nachteil: Sie können damit keinen Ton aufnehmen, müssen die Szenen also nachvertonen.
  • Emulsio Ebenfalls ein mächtiger Bildstabilisator mit einigen Zusatzfunktionen.
  • Ultrakam 4k Mit knapp 10 Euro keine billige App, aber Sie erlaubt Ihnen - vorausgesetzt, Sie besitzen ein iPhone mit ausreichend Speicher - 4K-Aufnahmen, also besser als TV-Qualität. Zudem lassen sich Zeitlupen-Drehs realisieren und die Aufnahmen damit hinterher optimieren und schneiden.
  • iMovie Apples eigene Schnittsoftware ist ein Allrounder und Must-Have. Vor allem die Produktion von Trailern ist damit ein Kinderspiel. Soundeffekte und Gema-freie Musik inklusive.
  • Pinnacle Studio Wem iMovie nicht reicht, der sollte auf Pinnacle Studio zurückgreifen. Auch hierbei handelt es sich um eine Schnittsoftware - allerdings ausgestattet mit wichtigen Zusatzfunktionen: So lassen sich damit zum Beispiel Bild und Tonspur versetzt und unabhängig voneinander schneiden und setzen.

Video-Apps für Android

  • Cinema FV-5 Professionelle Kamera-App für Android-Smartphones mit der sich die Aufnahme per Bluetooth starten und stoppen lässt.
  • KineMaster Ein empfehlenswertes und kostenloses Schnittprogramm, mit dem Sie per Drag-and-Drop beeindruckende Filme verarbeiten und schneiden können.
  • Movie Edit Touch Ebenfalls kostenlos, erlaubt das Schnittprogramm für Android-Smartphones und -Tablets Clips zu arrangieren, Lieblingssongs hinzuzufügen, Helligkeit und Kontrast oder Farben nachträglich zu korrigieren.
  • Lapse it pro ist eine Zeitraffer-App mit großem Funktionsumfang. Neben einem Stop Motion Modus können Nutzer auch Tonspuren oder verblüffende Vintage-Effekts hinzufügen.

Extra-Tipp: Kaufen Sie sich unbedingt auch die App Photosync, mit Sie später Videoaufnahmen (Fotos aber auch) kinderleicht und blitzschnell zwischen Smartphone, Tablet und Laptop im WLAN hin- und herschicken beziehungsweise synchronisieren können.

Mobile Video: Diese Fehler bitte vermeiden

Aller Anfang ist schwer. Daher werden Sie, wenn Sie mit Ihrem Team erste Schritte bei der mobilen Videoproduktion wagen, sicher auch ein paar Fehler machen. Die folgenden aber lassen sich in der Regel schon dadurch vermeiden, dass man sie sich bewusst macht:

  • Stilplagiat. Lernen Sie von anderen (mittelständischen) Unternehmen, aber versuchen Sie bitte niemals deren Stil zu kopieren. Das geht in Social Media immer nach hinten los, wird bemerkt und schadet der Marke. Drum: experimentieren, nicht kopieren.
  • Drehgenehmigung. Achten Sie auf rechtliche Fallstricke: Abgebildete Personen müssen der Veröffentlichung ihrer Aufnahmen (schriftlich) zustimmen. Überdies dürfen Sie nicht überall drehen. In Bahnhöfen oder Flughäfen, ebenso auf Messen benötigen Sie Drehgenehmigungen.
  • Storyboard. Drehen Sie nicht einfach drauf los, sondern machen Sie sich vorab einen genauen Plan, welche Bilder und Aussagen (Fachwort: O-Ton) Sie benötigen, um hinterher Ihre Geschichte möglichst spannend erzählen zu können. Und: Immer mehr drehen, als Sie meinen zu brauchen!
  • Schulung. Gute Filme sind weniger das Resultat von professionellem Equipment, dafür umso mehr von Kreativität und einem guten Storyboard. Sparen Sie also nicht an der falschen Stelle, sondern spendieren Sie Ihrem Team ein oder zwei Schulungen und Trainings zum Thema, bis diese zumindest die Grundlagen sicher beherrschen. Sie sparen sich so unnötige Schleifen und profitieren von Erfahrungen.

Mobile Videos sind eine bislang eher noch unterschätzte Kommunikations-Option, von der gerade Mittelständler mit schmalen Budgets profitieren können. Die potenziellen Reichweiten sind riesig, die kreativen Möglichkeiten kaum geringer: Interviews, Statements, Dokumentationen, Produktvorstellungen, (Live) Berichte von Events... Dank leistungsstarken LTE-Verbindungen und WLAN sind Sie damit im Nu online. Und ein (Bewegt)Bild sagt nun mal mehr als 1000 Worte.