Alexander Schmiedts Smartphone wird umhüllt von einem Etui aus italienischem Kalbsleder, das ein wenig abgewetzt erscheint, aber mit der Patina durchaus edel wirkt. Schmiedt weiß, wie Tradition und Moderne sich zusammenfügen können. „Unsere Kunden wissen Werte zu schätzen“, sagt er. Und das ist keine Marketingfloskel.

Sein leichter Wiener Akzent scheint dazu da zu sein, das Traditionsbewusstsein des Hauses zu unterstreichen. „Montblanc steht für traditionelle Handwerkskunst und Langlebigkeit“, sagt er.

"Wir wollten unsere lebenslangen Uhren mit modernen Technologien verbinden."

Alexander Schmiedt

Managing Director, Uhrensparte von Montblanc

Er holt ein kräftiges Uhrenarmband heraus, das unten an der Schließe einen kleinen Bildschirm trägt. Dort werden E-Mails, der nächste Flug, SMS, Aktivität oder Twitternachrichten angezeigt, während oben die klassische Uhr ihre Runden dreht.

Die Elektronik steckt im Armband

Montblanc hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, Nachrichtenelektronik in feinmechanische Uhrwerke einzubauen – nämlich gar nicht. Der Trick ist so einfach wie genial: Die Entwickler der einst in Hamburg gegründeten Luxusmarke verlegten die Elektronik einfach in das Armband, denn da ist noch ausreichend Platz für ein Display. „Und wenn die Technik nach zwei Jahren veraltet ist, lässt sich das e-Strap einfach austauschen“, sagt Schmiedt und strahlt über die gute Idee seiner Produktentwickler. Die Uhr selbst wird nicht angerührt, sie darf im Fall der Fälle als lebenslanger Begleiter weiterticken.

Die Elektronik liegt versteckt im Armband in Form eines Mini-Displays. Dort werden E-Mails, SMS, WhatsApp-Nachrichten oder der nächste Flug angezeigt. Die Elektronik liegt versteckt im Armband in Form eines Mini-Displays. Dort werden E-Mails, SMS, WhatsApp-Nachrichten oder der nächste Flug angezeigt. (© 2015 )

Der verlängerte Arm des Handys

Der Geniestreich ist gerade einmal 2,54 Zentimeter groß. So viel Platz haben die Konstrukteure dem Bildschirm spendiert. Damit fällt das Fenster für Nachrichten etwas kleiner aus als das der Smartwatches. Dennoch lassen sich Mitteilungen gut ablesen: „36 Zeichen einer Mail oder WhatsApp werden angezeigt“, sagt Schmiedt und findet, dass das für den ersten Blick genug ist. Schließlich soll das e-Strap kein Smartphone ersetzen.

Muss es auch nicht, es fungiert ja nur als so etwas wie der verschwiegene verlängerte Arm des Handys. Ein leichtes Vibrieren an der Unterseite des Handgelenkes signalisiert, dass sich etwas tut auf dem Display. Der Träger kann einen Blick darauf werfen, muss er aber nicht. Mehr Diskretion geht nicht. Gekoppelt wird via Bluetooth, neben der Anzeige eingehender Nachrichten lässt sich auch die Aktivität messen und die Kamera des Handys auslösen. Navigiert wird mit einem leichten Druck auf das Display, schon blättert die Anzeige eine Mitteilung weiter. „Alle Daten gehören Ihnen, sie liegen nicht auf irgendwelchen Servern, sondern bleiben im e-Strap“, betont Schmiedt.

Zeitenwende: Die TimeWalker von Montblanc ist mit einem e-Strap bestückt. Das Display liegt unten. Zeitenwende: Die TimeWalker von Montblanc ist mit einem e-Strap bestückt. Das Display liegt unten. (© 2015 Montblanc)

Montblanc TimeWalker mit e-Strap

Noch ist das e-Strap auf drei Uhrenmodelle der sportlichen TimeWalker mit rein mechanischem Uhrwerk beschränkt. Der Vorverkauf hat im Juni begonnen, die Resonanz war „sehr positiv“, freut sich Schmiedt. Wie viele der klassischen Uhren mit dem Trick im Armband verkauft werden, wagt er nicht zu sagen. Die Zeit wird es zeigen. 

e-strap: Diskretion im Armband

Montblanc geht seinen eigenen Weg, um feinmechanische Uhren mit dem Smartphone zu verbinden. Die Elektronik liegt versteckt im Armband in Form eines Mini-Displays. Dort werden E-Mails, SMS, WhatsApp-Nachrichten oder der nächste Flug angezeigt. Die Kommunikation mit dem Handy erfolgt über Bluetooth, während sichtbar am Handgelenk die traditionelle TimeWalker die Zeit anzeigt. Noch ist das e-Strap nur für Montblanc-Uhren zu haben. Eine Entkoppelung des Displays für andere Armbänder ist denkbar. Nach fünf Tagen wird das e-Strap mit einem 
Mini-USB-Kabel aufgeladen.

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