Durch dick und dünn: Internet aus der Steckdose

Ohne stabiles Netzwerk kommt kaum noch ein Unternehmen aus. Organisationsprozesse laufen größtenteils über das Web, Mitarbeiter kommunizieren untereinander und greifen auf das Internet zu. Kurz: Damit der tägliche Betrieb reibungslos ablaufen kann, müssen alle Beschäftigten jederzeit Zugang zu einem stabilen Netz haben.

Mit diesem Wissen werden neue Büroräume und Werkshallen gebaut. Bei der Planung denken die Verantwortlichen an kabelgebundene und an drahtlose Netze. Ganz anders sieht die Lage bei alten Gebäuden aus. Dort verhindern beispielsweise dicke Wände den sinnvollen Einsatz von WLAN. Manchmal können auch wegen Denkmalschutz keine Kabel verlegt werden.

In solchen Fällen haben Sie noch eine weitere, sehr interessante Option: Internet aus der Steckdose. Diese Technik wird auch PowerLAN genannt. Oder noch einfacher: Powerline. Wir zeigen Ihnen die Pros und Contras dieser Technik auf einen Blick – immer auch im Vergleich zu LAN und WLAN.

Internet aus der Steckdose – die Vorteile

  • schnelle und einfache Installation: keine Kabel, kein Bohren, kein Dreck und Lärm
  • eine Steckdose gibt es in der Regel in fast jedem Raum
  • Datenversand auch bei dicken Wänden und über mehrere Geschosse möglich
  • vergleichsweise hohe Stabilität der Datenverbindung
  • höhere Geschwindigkeiten als beim WLAN
  • mit modernen Geräten äußerst sicher

Gerade im Vergleich mit einem kabelgebundenen Netzwerk hat Internet aus der Steckdose große Vorteile. Eine Powerline-Verbindung haben Sie ruck, zuck eingerichtet: In der Minimal-Variante brauchen Sie zwei Adapter. Den ersten verbinden Sie per LAN-Kabel mit Ihrem Router, den zweiten ebenso zum Beispiel mit Ihrem Computer. Beide Adapter stecken Sie dann jeweils in eine nahe Steckdose. Sie müssen somit keine Kabel über mehrere Räume hinweg verlegen und sparen sich den damit verbundenen Aufwand.

Internet aus der Steckdose ermöglicht stabilen Datenversand, wenn Ihr Firmengebäude viele Stockwerke hat oder Ihr Anwesen mehrere Gebäude umfasst. Gerade in solchen Fällen kommt ein WLAN an seine Grenzen.

Powerline: flotte und sichere Alternative

Die Geschwindgeit von „Internet aus der Steckdose“ kann sich durchaus sehen lassen. Zwar hält die Bandbreite nicht mit LAN-Lösungen mit, schlägt aber die kabellosen Alternative WLAN.

  • Ethernet ermöglicht mit modernster Technik theoretisch Bandbreiten von mehreren 1.000 Megabit
  • WLAN schafft in der Theorie – je nach Standard – mehrere hundert Megabit
  • Internet aus der Steckdose liegt bei maximal 1.200 Megabit – wenn man modernste Geräte verwendet

In der Praxis erreicht man je nach Abstand der Adapter ein Tempo von 200 bis 300 Mbit. Das reicht für alle gängigen Szenarien im unternehmerischen Bereich. Auch HD-Content können Sie mit solchen Bandbreiten ohne weiteres streamen.

Internet aus der Steckdose ist nicht nur ausreichend schnell, sondern auch ausreichend sicher. Zumindest wenn Sie einige Regeln befolgen. Zwar ist es im Prinzip möglich, dass Fremde oder Nachbarn Daten aus dem Netzwerk „abhören“. Dazu müssten sie sich aber mit einem Adapter in Ihrem Stromkreis befinden. Normalerweise bildet ein Stromzähler die entsprechende Grenze. Allerdings können moderne, leistungsstarke Geräte diese Schranke überwinden.

Machen Sie also unbedingt eines, bevor Sie eine Powerline-Lösung in Betrieb nehmen: Ändern Sie das werksseitig vergebene Passwort. Bei aktuellen Modellen geht das einfach per Knopfdruck. Dadurch wird eine zufällige Zeichenfolge als Netzwerkschlüssel durch die Leitung geschickt.

Gibt es keinen Knopf zum Verschlüsseln, vergeben Sie manuell ein sicheres Passwort aus Groß- und Kleinbuchstaben sowie Ziffern und Sonderzeichen. Ein Adapter sollte im besten Fall über ein Display verfügen. Die Anzeige informiert darüber, ob die Verschlüsselung funktioniert.

Internet aus der Steckdose – die Nachteile

Internet aus der Steckdose kann in vielen Fällen die richtige Wahl für Ihr Unternehmens-Netzwerk sein. Allerdings hat PowerLAN auch einige negative Aspekte. Diese Nachteile sollten Sie bei einer Entscheidung berücksichtigen.

  • elektrische Geräte können die Bandbreite negativ beeinflussen
  • Adapter dürfen nicht zu weit voneinander entfernt sein
  • versprochenes Tempo wird nicht immer erreicht
  • je nach Unternehmensgröße Kosten von mehreren hundert Euro

Haushaltsgeräte wie Mikrowellen oder Kühlschränke können das Übertragen der Daten empfindlich stören. Das sollten Sie bei der Büroeinrichtung bedenken und möglichst keine Adapter in der Nähe von Getränkeautomat und Co. anschließen.

Die beworbene Geschwindigkeit von bis zu 1.200 Megabit wird in der Praxis nicht erreicht. Das ist allerdings bei der versprochenen Datenrate von Ethernet und WLAN nicht anders. Damit die Bandbreite nicht zu sehr in die Knie geht, dürfen die einzelnen Adapter nicht zu weit auseinander stehen. In der Theorie haben sie eine Reichweite von 300 Metern. In der Praxis leidet die Bandbreite, je weiter Router und Adapter voneinander entfernt sind. Kommt es Ihnen also auf ein möglichst hohes Tempo an, sollten Sie zusätzliche Adapter einsetzen. Das bedeutet allerdings auch höhere Kosten.

Ein guter Router schlägt mit ungefähr 100 Euro zu Buche. Pro Adapter fallen jeweils rund 50 Euro an. Bei einem größeren mittelständischen Betrieb ist man so schnell bei einem vierstelligen Betrag. Ein WLAN kann günstiger sein, ein Ethernet durch das Legen von Kabeln aber durchaus teurer.

Fazit: Internet aus der Steckdose hat also seine Macken, aber eben auch viele Vorzüge. Die Investition lohnt sich, wenn Sie wegen der örtlichen Gegebenheiten kein Kabel- und auch kein Drahtlos-Netzwerk einrichten können. Sei es, weil Ihre Büros über mehrere Stockwerke verteilt sind und auch im Keller eine gute Verbindung vorhanden sein muss. Oder vielleicht auch deshalb, weil Sie mehrere Gebäude und Werkshallen auf dem Firmengelände haben.

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