Jetzt die Nr. 8

Nach dem Malheur mit seinem Problem-Smartphone Note 7 sollen es jetzt die brandneuen S8 und S8+ für Samsung richten und verlorenen Boden auf dem Smartphone-Markt wieder gutmachen. Auf den ersten Blick scheint die Rechnung der Koreaner aufzugehen: Beide Geräte wirken edel, sind hochwertig verarbeitet, liegen angenehm in der Hand und besitzen zudem ein herausragendes Merkmal: Ein zu den Rändern und Ecken hin gebogenes, abgerundetes Display – fast ohne Rahmen. Samsung spricht hier gar von Infinity, also Unendlichkeit.

Ein Display wie (bislang) keines

Unendlich sind die lang gezogenen Displays im neuartigen 18,5:9-Format natürlich nicht, im Vergleich zu anderen Smartphones aber wirken die S8-Bildschirme so, als würde lediglich ein Hauch von Rahmen die deutlich gestreckten Monitore begrenzen. Das Display nimmt fast die gesamte Vorderseite der Geräte ein. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch den Vorteil, dass trotz 5,8-Zoll (S8) und 6,2-Zoll (S8+) die Geräte schmal genug bleiben, um sie noch bequem zu bedienen. Beim S8 klappte das mit einer Hand fast genauso gut wie etwa bei einem iPhone 6S oder 7. Beim S8+ muss man aber in der Praxis das eine oder andere Mal die zweite Hand nutzen. Ein toller Vorteil des lang gezogenen, größeren Displays für den Geschäftsalltag ist die großzügige Darstellung das Multi-Window-Features (Splitscreen). Dabei können zwei Apps parallel auf dem Bildschirm recht übersichtlich gesichtet und bedient werden.

Wow! Das ist der erste Gedanke beim Blick auf die sehr hellen und scharfen AMOLED-Bildschirme mit Mobile HDR. Dank ihrer lang gezogenen Bauweise erhöht sich die Auflösung von QHD zu QHD+. Das entspricht 2.960 x 1.440 Pixel. Intensive, knackige Farben und sattes Schwarz sind ein weiteres Markenzeichen der S8-Displays. Videos kamen im Anwendertest auf den Displays ebenso gut zur Geltung wie Fotos, Webseiten oder auch Office-Apps. In der Mittagspause eignet sich das Riesendisplay zum Beispiel hervorragend für Spielespaß.

Samsung Galaxy S8 Nur ein Hauch: Der Display-Rahmen ist bei Galaxy S8 und S8+ kaum noch auszumachen. (© 2017 Samsung)

 

Sicher und ein wenig nervig zugleich

Eine weitere Besonderheit der neuen Flaggschiffe ist, dass ein haptischer Home-Button auf der Vorderseite fehlt. Auch wenn das zunächst ungewohnt erscheint: Im Anwendertest zeigte sich, dass die Software-Lösung mit einem virtuellen Home-Button tadellos funktioniert. Den Fingerscanner zum bequemen Entsperren des Displays verlagerte Samsung aber kurzerhand auf die Rückseite der Geräte – direkt neben die Kameralinse. Ergebnis: Im Alltag landete der „Entsperr“-Finger erst nach einer Eingewöhnungsphase sicher auf dem Scanner und nicht mehr auf der Linse. Richtig reibungslos funktionierte das Entsperren per Fingerabdruck zuvor eigentlich nur bei einem umgedrehten S8/S8+.

Zum Glück hat Samsung einen Iris-Scanner als weitere biometrische Sicherheitsfunktion ins S8/S8+ eingebaut. Damit kann das Smartphone seinen Besitzer anhand des unveränderlichen Iris-Musters erkennen. Und das funktioniert erstaunlich gut und zuverlässig – übrigens auch bei einem Brillenträger, wenn auch nicht immer beim ersten Versuch. Wird das Smartphone 25 bis 35 Zentimeter vor das Gesicht gehalten, klappt das Entsperren ohne Probleme. Einzig bei schlechter Umgebungsbeleuchtung erlaubte sich der Iris-Scanner manchmal einen Aussetzer. Dann muss der Galaxy-Besitzer den Fingersensor bemühen oder einfach seine Entsperr-PIN eintippen.

Auch die Erweiterung der Sicherheitslösung KNOX soll laut Samsung einen neuen Branchenstandard beim Smartphone-Datenschutz setzen. Besonders sensible Informationen wie Firmendaten oder Kundenprofile können Nutzer jetzt in einem „Sicheren Ordner“ ablegen. Diesen Extra-Ordner kann nur der Anwender öffnen, der dazu auch berechtigt ist – etwa mit einer Autorisierung per Iris-Scan oder Fingerabdrucksensor.

Pluspunkte

 

  • Gebogenes, fast rahmenloses „Infinity“ Super AMOLED-Display
  • Sehr hohe Auflösung (2.960 x 1.440 Pixel)
  • Induktives Schnellladen
  • Nach IP68 zertifiziert. Geschützt gegen Eintauchen in bis zu 1,5 Meter tiefes Wasser für bis zu 30 Minuten
  • Speichererweiterung bis zu 256 GB per microSD möglich
  • Rasanter, sparsamer Prozessor

LTE-Power & leistungsstarkes WLAN

Beim LTE-Tempo sind das S8 und S8+ ihrer Zeit noch voraus. Aktuell werden vom den deutschen Mobilfunkanbietern (bis auf sehr wenige, lokal begrenzte Ausnahmen) maximale Download-Raten von bis zu 300 Mbit/s (LTE Cat 6) unterstützt. Im Anwendertest flutschten Internetseiten nur so aufs Display.

Sobald im Telekom Netz auch LTE Cat 9 möglich sein wird (für mobiles Surfen mit LTE mit bis zu 450 MBit/s), geht das dann mit einem Galaxy S8/S8+ auch. Sogar für die nächsthöheren LTE-Tempoklassen sind die neuesten Galaxy-S-Modelle gerüstet: Sie eigenen sich für bis zu LTE Cat 16. Damit sollen dann eines Tages Downloads mit bis zu 1.000 Mbit/s via LTE-Highspeed-Netz möglich werden.

Für eine rasante Datenübertragung im Büro unterstützen die Galaxys die leistungsstarke Multi-User MIMO-Funktion (MU-MIMO). Dabei können Funkdaten parallel an bis zu drei WLAN MU-MIMO-fähige Geräte gleichzeitig gesendet werden. Das bieten inzwischen die Top-Router der Telekom (etwa der Speedport Smart), von AVM, TP-Link oder Linksys.

Technische Daten

Display (Maße und Auflösung):

S8: 5,8 Zoll (Diagonale: 14,73 Zentimeter), Quad HD+
(2.960 x 1.440 Pixel), 570 ppi

S8+: 6,2 Zoll (Diagonale: 15,74 Zentimeter), Quad HD+
(2.960 x 1.440 Pixel), 529 ppi

Abmessungen:

Samsung Galaxy S8: 14,9 x 6,8 x 0,8 Zentimeter, 155 Gramm

Samsung Galaxy S8+: 15,95 x 7,3 x 0,8 Zentimeter, 173 Gramm

Weitere Ausstattung (beide):

  • Android 7.0
  • LTE Cat 16
  • Exynos 8895: Achtkern-Prozessor mit 4 x 2,3 GHz und 4 x 1,7 GHz
  • USB Type-C-Anschluss
  • NFC
  • Bluetooth v 5.0
  • WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2.4 und 5 GHz), MU-MIMO
  • Kamera: 12 MP (Blende: F1.7), Front: 8MP AF (Blende: F1.7)
  • Video-Aufnahme in 4K mit 2.160 p @ 30 fps
  • 4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB interner Speicher

WLAN Call: Telefonieren abseits des Mobilfunknetzes

Über den Telekom Dienst WLAN Call kann mit dem Galaxy S8 auch via Internet telefoniert werden. WLAN Call ist eine Zubuch-Option ohne monatliches Entgelt. Der Kunde benötigt lediglich ein WLAN Call-fähiges Smartphone sowie einen VoLTE-fähigen Mobilfunkvertrag (Voice over LTE). Für die Gespräche über WLAN gelten die Konditionen des gebuchten Mobilfunktarifs für Verbindungen innerhalb Deutschlands.

WLAN Call ist insbesondere an Orten von Vorteil, die baulich bedingt keinen ausreichenden Mobilfunkempfang ermöglichen, aber über WLAN verfügen. Zum Beispiel Tiefgaragen oder Kellerräume. Für WLAN Call können prinzipiell alle WLAN-Netze genutzt werden, in die sich der Nutzer einbuchen darf. Es müssen dabei mindestens 100 KB Bandbreite zur Verfügung stehen. Laufende Gespräche werden im Inland außerhalb eines WLAN-Netzes bei ausreichender Signalstärke unterbrechungsfrei über das LTE-Netz weitergeführt.
WLAN Call ist auch im Ausland möglich. Die Abrechnung erfolgt wie ein aus Deutschland geführtes Telefonat. Konkret bedeutet das: Verfügt der Kunde über eine Allnet Flat in alle Netze, sind auch die Gespräche über WLAN Call nach Deutschland abgedeckt. Gespräche in das Ausland werden so abgerechnet, als ob der Anruf von Deutschland heraus ins Ausland erfolgt.

WLAN Call wird in die Software des Smartphones implementiert. Der Vorteil für den Kunden: Die Installation einer zusätzlichen App ist nicht notwendig, da die Funktion in den Telefonbutton des Smartphones integriert ist. So nutzt der Kunde wie gewohnt seine Mobilfunknummer.

Samsung DeX: Aus dem Smartphone wird ein PC

Mit der optional erhältlichen Docking-Station Samsung DeX (um 110 Euro, der offizielle Preis liegt bei 149 Euro) lassen sich Galaxy S8 und S8+ in eine Art PC verwandeln – und natürlich auch aufladen. Der Clou: Über die DeX lässt sich das Galaxy-Smartphone per HDMI-Kabel (nicht im Lieferumfang enthalten) mit einem externen Monitor verbinden. Zusammen mit einer Tastatur und einer Maus verwandelt sich das Smartphone dann ruckzuck in einen Mini-PC. Die Bedienoberfläche erinnert ein wenig an Windows, aber auch an Android. Office-Apps wie beispielsweise Outlook, Word, Excel und PowerPoint wechseln dann automatisch ins volle Breitbild-Layout. Dafür nutzen sie eine für den großen Bildschirm optimierte Arbeitsumgebung. Für gelegentliche Arbeiten mit Office, E-Mail oder Internet reicht die Leistung der Galaxys locker. Das Smartphone lässt sich dann übrigens wahlweise parallel unabhängig von der PC-Oberfläche weiter für Telefonate oder SMS nutzen.

Samsung DeX Station Mittels der Samsung DeX-Station lassen sich S8 und S8+ in eine Art Mini-PC verwandeln. (© 2017 Samsung)

 

Eine solide Sache: Samsungs Smartphone-Kameras

Auffällig ist, dass Samsung keine Dual-Linse verbaut, sondern eine Kameratechnik mit zwölf Megapixel Auflösung. Die Fotos der Zwölf-Megapixel-Kamera zeigen eine gute Bildqualität. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Bilder durchaus brauchbar – auch wenn sie teils etwas verrauscht sind. Pluspunkte verdient sich die Kamera dank seinem sehr schnellen Autofokus und der sehr kurzen Auslöseverzögerung. Gegen das Verwackeln der Bilder schützt ein optischer Bild-Stabilisator, der recht lange Belichtungszeiten erlaubt. Die Acht-Megapixel-Frontkamera besitzt einen echten Autofokus und eignet sich sowohl für Videotelefonate also auch für „Selfies“. Videos drehen Galaxy S8 und S8+ übrigens in sehr guter Qualität mit 4K-Auflösung (2.160 p mit 30 fps).

Akku & Co.: Leistungsstark

Samsungs aktueller Smartphone-Prozessor Exynos 8895 wurde für die neuen Galaxys erstmals im 10nm-Verfahren gefertigt. Gegenüber dem bisherigen 14nm-Verfahren sollen laut Samsung damit 27 Prozent mehr Leistung bei 40 Prozent weniger Energieverbrauch möglich sein. Für den aktuellen Achtkern-Prozessor mit 4 x 2,3 GHz und 4 x 1,7 GHz bedeutet das, dass im Vergleich zum Vorgänger bis zu zehn Prozent mehr Rechenleistung und 21 Prozent mehr Grafik-Power drin sind.

Samsung Galaxy S8 Das Samsung S8+ zeigt laut US-Testmagazin „PhoneArena“ eine hohe Akku-Laufzeit bei intensiver Nutzung. (© 2017 PhoneArena)

 

Im Anwendertest sorgte der Exynos 8895 jedenfalls für rasantes Arbeitstempo, an keiner Stelle waren Aussetzer auszumachen und offenbar kann auch die Akku-Laufzeit vom neuen Prozessor profitieren. Denn trotz riesiger, hochauflösender Displays mit 14,73 bzw. 15,74 Zentimeter Diagonale hielten die Geräte mit ihren 3.000 mAh- (S8) 3.500 mAh- (S8+) Akkus bei intensiver Belastung rund acht Stunden durch, im Anwendertest benötigten beide dann je für einen normalen Arbeitstag mit Apps, Internet, E-Mail, Fotografieren und Telefonieren nur eine Akku-Ladung. Zum Schnellladen (voll geladen sind die Galaxys nach etwa 1,5 Stunden) gibt’s ein entsprechendes Ladegerät im Lieferumfang. Die zugehörige Ladestation für drahtloses Laden via Induktion kostet jedoch extra (ab 79,90 Euro).

Gestatten, mein Name ist Bixby!

Siri, Alexa, Google Assistant oder Cortana. Sprachassistenten gibt’s mittlerweile für jedes Betriebssystem. Nun bringt Samsung mit Bixby einen weiteren virtuellen Butler heraus – zunächst nur für die neuen Galaxy-Geräte. Bixby hat eine eigene Taste an der linken Gehäuseseite und startet flink auf Knopfdruck. Leider versteht er zurzeit nur koreanisch, US-amerikanisch und chinesisch. Laut Samsung wird zwar bereits an einem Sprach-Update für Deutschland gearbeitet. Ein Veröffentlichungszeitpunkt wurde aber nicht genannt. Sobald Bixby zur Verfügung steht, soll er hierzulande sogar intelligenter sein als vergleichbare Assistenten und auch Befehle im Kontext verstehen und ausführen können. Apps, die für Bixby optimiert sind, sollen sich später komplett per Sprache steuern lassen.

Samsung Galaxy S8 Bixby Sprachassistent Koreanisch, US-amerikanisch und chinesisch: Noch steht der Sprachassistent Bixby in den neuen Galaxy-S-Smartphones nicht in deutscher Sprache zur Verfügung. (© 2017 Samsung)

 

Fazit

State of the Art-Technik, ein brillantes, fast rahmenloses Edge-Display, gute Handhabung, rasantes LTE- und WLAN-Tempo, ein pfeilschneller Prozessor: Samsung hat bei seinen beiden neuen Galaxys alles richtig gemacht. S8 und S8+ haben das Zeug zum Primus in der Königsklasse. Einzig der Fingerscanner auf der Geräte-Rückseite ist etwas unglücklich arrangiert – zu dicht sitzt er neben der Kameralinse. Dafür arbeitet der Iris-Scanner verlässlich.

>> Link: Das Samsung Galaxy S8 bei der Telekom kaufen
  

Im Video: Das Samsung Galaxy S8


 
 

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