SOA: Ausgerichtet auf Flexibilität und Effizienz

Die serviceorientierte Architektur ist ein sinnvolles, aber nicht immer leicht zugängliches Thema. Beginnen wir deshalb bei den Basics: Der Begriff „Service Oriented Architectures“ (SOA) ist fast 20 Jahre alt. Premiere hatte er 1996 in einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner. Und die damit gemeinte serviceorientierte Architektur der Unternehmens-IT hat seitdem nichts von ihrer Aktualität verloren. Im Gegenteil: Betriebe – auch kleinere und mittlere – müssen nämlich immer schneller auf Kunden- und Marktanforderungen reagieren. Dabei sind Flexibilität und Effizienz gefragt. Und dafür leistet SOA einen wichtigen Beitrag.

Doch wie funktioniert serviceorientierte Architektur und was ist das überhaupt? Kurz gesagt, ist es ein Prinzip der IT-Architektur, nach dem sich verschiedene Programme mittels einzelner Funktionen und Module (Services) untereinander austauschen und so Arbeitsprozesse optimieren und beschleunigen. Damit ist SOA quasi Managementkonzept und Systemarchitektur in einem, ein Zusammenspiel zwischen betriebswirtschaftlichen Erfordernissen und technologischen Notwendigkeiten.

Serviceorientierte Architektur: Die Sache mit dem Licht

Das klingt zu theoretisch? Dann hier ein Beispiel: Stellen Sie sich einen Architekten vor, der ein Haus plant. Für jeden Raum sieht er die gleichen Lichtschalter vor, also einen identischen Zugriff auf die simple Funktion Licht. Eigentlich keine große Sache, sollte man meinen. Schließlich ist das in vielen Wohnungen so. Stimmt, aber im übertragenen Sinne noch längst nicht in jedem Unternehmen.

Und zwar deswegen, weil IT-Abteilungen sinngemäß oft verschiedene Räume entwickeln, die gemeinsame Funktion Licht aber aufgrund von Zweck und Beschaffenheit des jeweiligen Zimmers mit völlig unterschiedlichen Lichtschaltern regeln. Das klingt nicht nur umständlich, das ist es auch. Die Folgen für die IT-Architektur und -Programmierung:

  • Es entstehen etliche Redundanzen,
  • die Wartung wird immer schwieriger,
  • es müssen immer schneller Neuentwicklungen her,
  • die Komplexität steigt,
  • die Arbeitseffizienz nimmt ab und
  • die Kosten explodieren.

Modularer Aufbau einer serviceorientierten Architektur

Die serviceorientierte Architektur macht damit Schluss und setzt sozusagen in jedem Raum auf die gleichen Lichtschalter. Funktionen sollen so über einzelne Programme hinaus verfügbar sein. Anders ausgedrückt:  SOA zieht sich aus den Anwendungen bestimmte Dienste heraus. Diese Services sind dann dank öffentlicher Schnittstellen wieder- und/oder weiterverwendbar.

Ein Beispiel: Vertrieb, Einkauf und Support müssen in SAP unterschiedliche Dokumente in andere Formate umwandeln. Früher entwickelte die IT gemäß den in den jeweiligen Abteilungen genutzten SAP-Modulen einen entsprechenden Dokumentengenerator. In SAP SOA wird diese Funktion als Service im Hintergrund integriert. Das Ergebnis: eine Funktion für alle SAP-Anwendungen.

Dafür müssen die serviceorientierte Architektur und ihre Bestandteile allerdings die unterschiedlichen Anforderungen der speziellen Anwendungen berücksichtigen. Das macht ihre Programmierung natürlich etwas aufwendiger und auch die Schnittstellen müssen flexibler und robuster sein.

Weniger Entwicklungsaufwand, zentralisiertes Wissen

In der Summe aber bietet die serviceorientierte Architektur für die IT und den Anwender gleichermaßen handfeste Vorteile:

  • Die Wiederverwendung in der IT erhöht sich.
  • Der Entwicklungsaufwand für neue Anwendungen reduziert sich.
  • Wissen ist nicht mehr über mehrere Anwendungsteams verstreut, sondern in dem Team verankert, dass den jeweiligen Service betreut.
  • Auch Wartung und Weiterentwicklung liegen zentralisiert in der Verantwortung eines Teams.
  • Der Anwender erhält einen Service, der für ihn eine konkrete Funktion übernimmt, ohne dass er sich Gedanken um die dahinter liegende Technologie machen muss.
  • Die einzelnen IT-Elemente hinter dem Service lassen sich einfacher und schneller austauschen.
  • Neuentwicklungen können zügiger implementiert werden.
  • Schwachstellen sind schneller beseitigt.

Und durch SOA lassen sich viele vormals uneinheitliche Prozesse automatisieren. Das verringert das Fehlerrisiko der Mitarbeiter, die zudem ihre Aufgaben effizienter erledigen können. Jede IT-Abteilung wird es begrüßen, wenn geschäftskritische Prozesse nicht mehr vom Risikofaktor Mensch bedroht werden.

In vier Schritten zur serviceorientierten Architektur

Zunächst müssen Sie die Erfordernisse für die SOA-Einführung ermitteln. Daraus wird der Businessplan entwickelt. Im zweiten Schritt legen Sie zunächst einen groben Zeitplan sowie die ersten Investitionen fest. Damit steigen Sie gleichzeitig in die Bewertung Ihrer Maßnahmen ein und verfeinern somit die Planung.

Im letzen Schritt klopfen Sie die getroffenen Maßnahmen hinsichtlich der zu erwartenden Veränderungen ab. Da die einzelnen Schritte iterativ, also sich wiederholend, erfolgen, erhalten Sie verschiedene Blickwinkel auf Ihr SOA-Projekt. Dadurch lässt sich beispielsweise der „Return on Investment “ besser berechnen.

Fazit: Die serviceorientierte Architektur entsteht nicht im Hauruckverfahren, sondern nimmt Zeit in Anspruch. Der Vorteil ist, dass Sie die Methode sukzessive einführen können. Wollen Sie dem zunehmenden Wettbewerbsdruck standhalten und schnell auf neue Marktanforderungen reagieren, erreichen Sie mit SOA die dafür notwendige Flexibilität und Effizienz in ihren Geschäftsprozessen.

Weiterführende Links:

• Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung hat eine umfangreiche Broschüre zum Thema SOA herausgegeben.
• Einen Einblick in serviceorientierte Architekturmodelle mit Praxisbezug gibt die Arbeit von Roger Heutschi, Christine Legner und Hubert Österle vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen.