Blackout: Nichts geht mehr

Was für ein Schreck – die Lichter in der Fabrikhalle gehen aus, die Bildschirme sind schwarz und die Maschinen verstummen augenblicklich. Diagnose: Stromausfall! Zwar ist dies laut den Zahlen der Bundesnetzagentur für deutsche Unternehmen ein unwahrscheinliches Szenario. Denn Deutschland ist im europäischen Vergleich ein sehr sicherer Stromanbieter. Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer der Stromversorgung liegt hierzulande bei 15,3 Minuten pro Kunde. In Frankreich fällt der Strom im Schnitt jeweils 68 Minuten aus, in Polen sogar 254,9 Minuten. Aber: Auch kurzzeitige Unterbrechungen können verheerende Folgen haben:

  • Im Zuge der Industrie 4.0 sind Produktionsprozesse voll automatisiert. Sobald den Maschinen der Saft ausgeht, stehen alle Industrieanlagen komplett still. Ein vollständiger Fertigungsstopp ist die Folge.
  • Ein abrupter Stillstand kann elektromechanische Werkzeuge beschädigen und Fabrikarbeiter durch Materialsplitter in Gefahr bringen.
  • Ein Datenverlust bei Desktop-PCs ist nicht ausgeschlossen.
  • Nach dem Blackout: Das Wiederherstellen der Werkseinstellungen bei den Maschinen und Produktionsanlagen kostet eine Menge Zeit.

Stromausfall: Was tun?

Die simple Antwort auf diese Frage lautet: Unternehmer sind auf sich allein gestellt. Der Stromanbieter ist bei Blackouts in der Regel nicht zu Entschädigungszahlungen verpflichtet. Außer er hat grob fahrlässig gehandelt. "Das setzt voraus, dass er für den Ausfall verantwortlich gemacht werden kann, weil er beispielsweise die Leitungen nicht gewartet hat", erklärt Andreas Hahn, Referent Versicherungstechnik Sach- und Technische Versicherung im Gespräch mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Bei Unwetterschäden können Unternehmen hingegen grundsätzlich keine finanzielle Entschädigung vom Strombetreiber erwarten. Also, was tun?

Um Nachteile zu verhindern, vertrauen produzierende Unternehmen auf eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV). Entsprechende Systeme gleichen Netzschwankungen aus und garantieren den dauerhaften Betrieb der Maschinen. Fällt der Strom aus, dann stellen USV auf Batteriespannung um. Es gibt drei verschiedene USV-Klassifizierungen:

  • Offline-Systeme: Sie sind die kostengünstigste Lösung, bieten aber nur bei Stromausfällen Schutz, nicht aber bei Unter- oder Überspannung.
  • Line-Interactive-USV: Sie sind ideal für den kleinen Server im Büro. Diese Variante schützt zwar bei Spannungsstößen, benötigt aber beim Umschalten von Netzbetrieb auf Batterie einige Millisekunden.
  • Online- oder Doppelwandler USV: Die komplexeste und zugleich sicherste Lösung. Durch die permanente Wandlung der Stromspannung entfallen damit die Schaltzeiten. Dafür fressen Doppelwandler aber auch mehr Energie als die anderen USV-Technologien.

Stromüberbrückung: Was zu tun ist

Wie das Industrieunternehmen Eaton erklärt, gilt es bei der Implementierung der unterbrechungsfreien Stromversorgung einige Dinge zu beachten:

  • Steuerungselemente, Sensoren, Motoransteuerungen und Ventile laufen mit 24 oder 48 Volt Gleichstrom (DC). Industrie-PCs und Schrittmotoren werden mit 230 V Wechselstrom (AC) betrieben. Größere Produktionsanlagen lassen sich über eine dreiphasige USV-Anlage mit 400 V Drehstrom absichern. Es lohnt sich daher, die einzelnen Abschnitte der Produktionsumgebung durch separate USV-Anlagen zu schützen.
  • Bei USV-Anlagen kommen in der Regel Blei-Säure-Batterien oder NiCd-Batterien zum Einsatz. Der Zustand dieser Batterien sollte einmal im Jahr gecheckt werden. Ferner empfiehlt es sich, Kabelverbindungen auf Korrosion zu überprüfen.
  • Die Ausgangsleistung einer USV sollte immer ein Drittel größer sein als die tatsächliche Last der angebundenen Maschinen. So gehen Sie Überlastungen durch Anlauf- und Rückspeiseströme aus dem Weg.

USV: Das sind die Anbieter

Wer unterbrechungsfreie Stromversorgung in seiner Firma haben möchte, hat bei den Anbietern die Qual der Wahl:

  • Riello bietet USV-Anlagen mit einer Leistung zwischen 400 und 6.400 Voltampere an. Der Hersteller gibt Unternehmen auch die Möglichkeit, die Anlagen zu mieten.
  • Thomas-Krenn verkauft Anlagen mit einer Leistung zwischen 800 bis 10.000 Voltampere. Praktisch: Mit dem USV-Konfigurator finden Sie heraus, welches System sich am besten für Ihr Unternehmen eignet.
  • Auch Eaton vertreibt USV-Anlagen aller Größen und Kategorien. Der Hersteller spezialisiert sich besonders auf die Sicherung von Rechenzentren.

Weiterführende Links:

  • Stromausfall – was tun? Vattenfall weiß, an wen Sie sich im Ernstfall wenden können.
  • Datenverlust durch Stromausfall? Gut, wenn die Daten in der Cloud rechtzeitig gesichert werden. mDM weiß, welche Online-Speicher sich lohnen.