Volksrepublik China: Urbanisierung nach Plan

Chinas Urbanisierung schreitet voran: Bereits heute lebt jeder zweite Chinese in der Stadt, bis 2030 soll der Urbanisierungsgrad 70 Prozent betragen. Wirtschaftswachstum, Wohlstand und bessere Bildung – das sind die Hoffnungen, die China in die Verstädterung setzt. Diese wird nicht dem Zufall überlassen, sondern verläuft in der Volksrepublik strikt nach Plan, dem  "Nationalen Plan für die neuartige Urbanisierung (2014 bis 2020)" der Zentralregierung.

So auch in Beijing, der Hauptstadt Chinas: Mehr als 20 Millionen Einwohner zählt die Megacity heute – im Jahr 2000 waren es noch weniger als sieben Millionen. Die Massen an Zuwanderern, die im Zuge der Urbanisierung vom Land in die Stadt strömen, bringen die Infrastruktur Beijings an ihre Grenzen. Größtes Problem: die Luftverschmutzung. Nicht selten ist der Smog über der Stadt so dicht, dass die Silhouetten der Wolkenkratzer nur schemenhaft hinter dem grauen Schleier aus Abgasen zu erkennen sind. Wer sich vor den giftigen Stoffen schützen möchte, ist auf Atemmasken und Luftreiniger angewiesen, so der "Spiegel".

Urbanisierung hat ihren Preis: In Beijing leiden die Einwohner unter gesundheitsgefährdendem Smog. Urbanisierung hat ihren Preis: In Beijing leiden die Einwohner unter gesundheitsgefährdendem Smog. (© 2015 LU JINRONG / Shutterstock)

 

E-Mobilität gegen dicke Luft

Luft, Wasser, Wohnraum: Um die Grundbedürfnisse der Einwohner zu befriedigen, investiert Beijing Milliarden. Zum Beispiel in die Elektromoblität, die dem Smogproblem ein Ende bereiten soll. 50 Schnellladestationen an der Autobahn Beijing-Shanghai wurden bereits eingerichtet und ermöglichen Elektroautobesitzern das Fortkommen über lange Strecken. Nun soll Beijing folgen:  Die Anzahl der Aufladestationen innerhalb der Stadtgrenzen soll bis Ende des Jahres auf 3.500 ausgebaut werden,  bis 2017 auf 19.000, so  "Germany Trade & Invest".  Um das Umsteigen auf Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen noch schmackhafter zu machen, plant die Stadtregierung zudem, Besitzer von Hybrid- und Elektroautos von Straßennutzungs- und Parkgebühren zu befreien, so das Magazin "german.china.org.cn".

Den Trend zur E-Mobilität haben auch deutsche Unternehmen erkannt und punkten auf dem chinesischen Markt mit E- und Hybridautos: Daimler mit dem "Denza", Volkswagen mit dem "electric up!" und Audi mit dem "A3 e-tron", so die "Stuttgarter Zeitung".

Wassermangel: Chinas Sieg über Meer und Flüsse

Ein weiteres Problem der Urbanisierung: Wassermangel. Nach Berichten der "Deutschen Welle" leidet der Norden Chinas an einer chronischen Unterversorgung. Auch Beijing: Den Bewohnern der chinesischen Hauptstadt steht lediglich ein Sechstel der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wassermenge des Landes zur Verfügung. Noch wird das Trinkwasser zu zwei Dritteln aus dem Grundwasser bezogen – mit gravierenden Folgen. Der Grundwasserspiegel unter der Millionenmetropole sinkt stetig und auch die Qualität des Wassers gilt als bedenklich.

Ein großes Problem, dem die Regierung mit großen Plänen entgegensteuert, zum Beispiel mit der geplanten Meerentsalzungsanlage in der Bohai-Bucht oder dem kürzlich fertiggestellten Süd-Nord-Wassertransferprojekt. Grundidee des letzteren Mammutvorhabens: Wasser aus dem Jangtse soll über 1.200 Kilometer in die nordchinesische Ebene transportiert werden, unter anderem auch nach Beijing. Nach einer 13-jährigen Bauphase wurde das System aus Kanälen, Pipelines und Pumpstationen Ende vergangenen Jahres endlich fertiggestellt. 50 Milliarden Euro soll das größte Wassertransferprojekt der Welt gekostet haben, an dem auch deutsche Unternehmen wie Herrenknecht beteiligt waren.

Herrenknecht, der Weltmarktführer in der maschinellen Tunnelvortriebstechnik, ist in China mit neun Standorten vertreten und unterstützte den Bau mit Tunnelbohrern. Zwei Maschinen mit einem Durchmesser von jeweils neun Metern wurden benötigt, um den Jangtse auf einer Strecke von 4,25 Kilometern zu unterführen. Das Nord-Süd-Wassertransferprojekt ist abgeschlossen, Herrenknechts Engagement im Reich der Mitte aber noch lange nicht. Das deutsche Unternehmen ist nach eigenen Angaben an 275 weiteren Projekten beteiligt, vor allem im Bereich innerstädtische Tunnel.

Mit deutschen High-Tech-Bohrern treibt Herrenknecht die Urbanisierung in China voran. Mit deutschen High-Tech-Bohrern treibt Herrenknecht die Urbanisierung in China voran. (© 2015 Herrenknecht)

Wohnen in der Hochhaussiedlung: Den Wolken so nah

Auch beim Wohnungsbau gelten in China andere Maßstäbe als in Deutschland. Quer durchs Land sprießen gigantische Hochhaussiedlungen aus dem Boden, die 50.000 und mehr Menschen ein Zuhause bieten. Paradebeispiel ist die Massensiedlung Brilliant City in Shanghai. Dort steht Hochhaus neben Hochhaus neben Hochhaus – 33 Reihen identischer Wolkenkratzer aus Beton und Glas prägen das Stadtbild. Was auf deutsche Häuslebauer befremdlich wirkt, wird in China positiv aufgefasst. Schließlich bieten die Hochhaussiedlungen bezahlbaren Wohnraum zu erschwinglichen Preisen. Zudem bleibt den Städten, die aus allen Nähten platzen, kaum eine andere Wahl als die Flucht nach oben: "Wenn sich hier das deutsche Einfamilienhaus ausbreiten würde, wäre das eine umwelttechnische Katastrophe", so Pascal Hartmann vom Shanghaier Architekturbüro Logon gegenüber der "Welt".

Hochhaussiedlung in Beijing: Traues Heim – Glück allein. Hochhaussiedlung in Beijing: Traues Heim – Glück allein. (© 2015 )

Um die Zuwanderung zu bewältigen, müssen in den nächsten 20 Jahren rund 8.000 solcher Mega-Siedlungen entstehen, so die Einschätzung von Hartmann. Bei den Neubauten setzt China neuerdings verstärkt auf Energieeffizienz. So auch in der Hafenstadt Qinhuangdao. Dort wurde Ende 2013 ein 18-geschossiges Wohnhaus eingeweiht, das 75 Prozent weniger Energie verbraucht als der chinesische Durchschnittsneubau. Ein Durchbruch für den chinesischen Immobilienmarkt. Möglich gemacht wurde dieser von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), die das Projekt zusammen mit dem Chinesischen Bauministerium realisierte.

Urbanisierung und Nachhaltigkeit sind die Zukunft Chinas. Und auch deutsche Unternehmen können an der schönen neuen Welt mitbauen. Das Architektenbüro gmp aus Hamburg hat bereits seinen Teil geleistet. Es hat im Auftrag der deutschen und chinesischen Regierung den Sino-German Ecopark in Quingdao entwickelt. Der ökologische Gewerbepark setzt in puncto Nachhaltigkeit neue Maßstäbe: Grünflächen bestimmen den Park und die Ansiedlung von Low-Carbon-Industrien wird vorangetrieben. Die Belastung durch Treibhausgase ist erwartungsgemäß gering – Smog gibt es dort nicht.

Branchen mit Potenzial

Das Wachstum der chinesischen Städte ist ungebremst. Mithilfe staatlicher Gelder stemmt das Reich der Mitte Mammutprojekte, die auf der Welt ihresgleichen suchen. Neben Investitionen in E-Mobilität, Wasserversorgung und Wohnraum stehen zahlreiche weitere Bauprojekte auf dem Plan, darunter der für 2019 geplante Mega-Flughafen Beijing Daxing für 9,9 Milliarden Euro, die Straßenbahn in Chengdu für 408 Millionen Euro und ein umfassender Ausbau des Bahn-Fernverkehrs. Auch deutsche Unternehmen können ein Stück vom Kuchen abbekommen. Dies gilt vor allem für die Branchen ...

  • Planung und Consulting
  • Transport und Verkehr
  • Energie und Wasser
  • Bauwirtschaft und Baustoffe
  • Umwelt- und Klimaschutz sowie
  • Abfallwirtschaft.

Wer jetzt auf den Megatrend Urbanisierung aufspringen und auf dem chinesischen Markt Fuß fassen möchte, kann sich bei der Deutschen Auslandshandelskammer beraten lassen.

 

 

Internationalisierung: Welche rechtlichen Aspekte Firmen bei Geschäftsaktivitäten im Ausland beachten sollten, erklärt Claudia Schneider von der IHK Stuttgart im mDM-Video:

Weiterführende Links:

  • Sie möchten in Chinas Green Markets investieren? Welche Möglichkeiten für deutsche Unternehmen bestehen, lesen Sie im "econet monitor".
  • Urbanisierung ist ein globaler Trend. In welchen anderen Städten Mega-Citys wie Pilze aus dem Boden wachsen lesen Sie bei "Germany Trade & Invest".