Eike Kiltz mag man fast gar nicht als Herr Professor anreden. Der schlaksige junge Mann an der Uni Bochum, dessen Forschungsgebiet die Kryptografie ist, könnte glatt als Surflehrer durchgehen. Man sollte sich aber vom Äußeren nicht täuschen lassen: Dahinter steckt ein kluger Kopf.

Der Begriff Kryptografie, erklärt er, setzt sich altgriechisch aus „kryptos“ (geheim) und „graphein“ (schreiben) zusammen. Kiltz forscht über neue Verschlüsselungsverfahren, die schneller und sicherer sind als bestehende Systeme. „Mein Schwerpunkt liegt auf so genannten Public-Key oder auch asymmetrische Verfahren. Teilnehmer können damit sicher miteinander kommunizieren, ohne sich jemals physikalisch begegnet zu sein.“

Kiltz ist Mathematiker, hat in Bochum studiert und dort 2004 seinen Doktortitel erworben. Anschließend forschte er an verschiedenen Universitäten, unter Anderem in San Diego, Amsterdam, Barcelona und Lausanne. Im September 2010 wurde er als Professor in die mathematische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum berufen.

Bedarf an sicheren Verschlüsselungsmethoden steigt

„Das Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit gehört deutschlandweit zur Spitze“, sagt er. In seiner Forschungsarbeit geht es darum, Kommunikation gegen mögliche Angreifer abzusichern. „Wir Kryptografen machen den Lauschern das Leben schwerer, indem wir die Kommunikation mit Verfahren so verschlüsseln, dass allein der berechtigte Gesprächspartner auf der anderen Seite die Daten auch wieder entschlüsseln kann.“

Kurz gesagt, er und sein Forscherteam suchen nach einer Methode, die so sicher ist, wie ein uraltes mathematisches Problem, etwas, was eigentlich unlösbar ist.

Keine schlechte Idee, denn der Bedarf nach sicheren Verschlüsselungsmethoden steigt mit zunehmender Digitalisierung. „Künftig werden wir immer mehr Kryptografie einsetzen, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein“, meint Kiltz. „Wir forschen zum Beispiel an neuen Verfahren, die schnell genug sind, um sie auch auf kleinen RFID-Tags einzusetzen. Wenn man sich mittels eines winzigen RFID-Chips authentifiziert, dann will man nicht erst zehn Sekunden warten, damit sich eine Tür öffnet.“ Schnell und trotzdem extrem sicher, das ist keine einfache Aufgabe.

Immer öfter wird Verschlüsselung eingesetzt, zum Beispiel im Online Banking, beim Online-Shopping, im neuen digitalen Personalausweis oder auch für elektronische Autoschlüssel. Und wer seinen PC startet, hat bereits hunderte von kryptografischen Operationen ausgeführt, ohne es zu merken. Auch im Mobilfunk ist die Kryptografie weit verbreitet, denn Smartphones sind so etwas wie kleine Computer. „Die Datenübertragung per Funk ist übrigens genauso leicht zu knacken, wie herkömmliche Leitungen“, sagt Kiltz.

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Mit ebenso geringem technischen Aufwand kann aber jeder mittlerweile seine persönlichen Daten gegen Dritte schützen. Doch was tun, wenn das weder erwünscht, noch gewollt ist? „Bei Facebook geben Leute freiwillig ihre persönlichen Daten her, ohne sich über die Konsequenzen bewusst zu sein“, bedauert der Forscher. „Wir müssen darauf achten, dass wir den Menschen zeigen, wie sie mit Ihren persönlichen Daten besser umgehen können“, meint Kiltz.

„Jeder muss selbst entscheiden können, wie sicher seine Daten sein sollen. Eine Sensibilisierung unserer Gesellschaft halte ich deshalb für eine der großen Herausforderungen der Zukunft“, erklärt er. „Trotzdem, einen 100 prozentigen Schutz wird es nicht geben.“ So wird der Forscher Kiltz noch lange viel zu tun haben.

Über Professor Eike Kiltz

Eike Kiltz, Jahrgang 1975, studierte Mathematik an der Ruhr-Universität Bochum und arbeitete danach als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Mathematik und Informatik. 2004 promovierte er und verbrachte danach ein Jahr als Postdoc an der Uni Kalifornien in San Diego. 2005 bis 2010 war er Mitarbeiter der Cryptology Group am Centrum Wiskunde & Informatica in Amsterdam. Gastaufenthalte führten ihn in die Schweiz, nach Spanien und Dänemark. Heute forscht er am Lehrstuhl für Kryptologie und IT-Sicherheit in Bochum.