Mit einem sehr günstigen Verkaufspreis von 69 Euro steigt Google mit der Daydream View in den VR-Markt ein. Was die Brille für die virtuelle Weltsicht benötigt, ist ein Smartphone. Google startet sein VR-Projekt zwar zunächst nur mit seinen eigenen Geräten Pixel und Pixel XL, will aber künftig mit der Daydream auch Geräte anderer Hersteller unterstützen.

VR-Brillen: Wie funktioniert denn das?

Die VR-Brille Google Daydream View hat keinen eigenen Bildschirm. Sie nutzt stattdessen das Display des Smartphones Pixel XL. Der Bildschirm wird in der Mitte senkrecht geteilt. Zwei Linsen – eine für jedes Auge – setzen die sich überlagernden Abschnitte zu einem Bild zusammen und erzeugen so einen wahrnehmbaren 3D-Effekt. Das VR-Brillengestell lässt sich somit einfach nutzen. Bedingung: Sie besitzen eben ein Google Pixel-Smartphone mit der Kennzeichnung „Daydream Ready“. Die Pixel-Smartphones gibt’s exklusiv bei der Telekom mit Vertrag zu kaufen. Der Nutzer startet die Daydream-App auf dem Pixel, steckt das Gerät in die VR-Brillenhülle und los geht’s.

Mit der neuen VR-Brille lässt sich in der „Virtualität“ einiges erleben: Anwender können etwa Google-Apps starten oder aus dem Google PlayStore kaufen und laden. Street View lässt sich mit der VR-Brille neu entdecken. Ausserdem möglich: Bei speziellen YouTube-Videoses kann man mit einem 360 Grad-Rundumblick ins Geschehen eintauchen oder auch einen animierten Ausflug in Museen unternehmen.

Mit der mitgelieferten Fernbedienung lässt es sich bequem durch Googles VR-Welten steuern. Mit der mitgelieferten Fernbedienung lässt es sich bequem durch Googles VR-Welten steuern. (© 2016 Google)

Daydream bedienen

Google will seine Bedienung innovativer gestalten als derzeit andere Produkte am Markt, etwa die Samsung Gear VR 2 (99 Euro), die Oculus Rift (699 Euro) oder die HTC Vive (899 Euro). Für einen Komfortgewinn soll bei der Daydream ein kleiner Controller sorgen. Damit können Anwender das Smartphone steuern und müssen nicht immer das Gerät aus dem VR-Brillengestell nehmen, um per Fingertipp die nächste VR-Funktion festzulegen. Google liefert die angenehm leicht in der Hand liegende Fernbedienung mit. Ihre Sensoren übernehmen je nach Anwendung eine andere Funktion – etwa zum Steuern, Auswählen oder Navigieren. Die Sensoren erkennen Schwung- und Neigebewegungen, über ein klickfähiges Trackpad lassen sich Figuren durch VR-Welten lotsen. Man kann mit dem Controller virtuell eine Angel auswerfen oder einen Schläger schwingen. Dieses mobile VR-Erlebnis hat – bis auf ein paar kleine Aussetzer – im Anwendertest gut funktioniert.

Guter Sitz

Im Gegensatz zu anderen VR-Brillen am Markt steckt die Daydream View nicht in einer starren Kunststoffhülle. Google schickt seine VR-Brille stattdessen in einem Mix aus Neopren- und Fleece-artigem Stoff in die Läden. Das macht das Gestell (mit 220 Gramm) nicht nur spürbar leichter als Konkurrenz-Produkte, es trägt sich auch angenehmer und länger. Selbst mit einem eingesetzten Pixel XL (168 Gramm) lässt sich die Daydream View problemlos für längere VR-Sitzungen nutzen.

Etwas bunt zwar, aber übersichtlich: So sieht Googles Daydream View-Interface aus. Etwas bunt zwar, aber übersichtlich: So sieht Googles Daydream View-Interface aus. (© 2016 Google)

Und der Mittelstand?

Google hat beim Daydream-Projekt eine eigene VR-Umgebung geschaffen, die tief mit dem Betriebssystem Android verankert ist, denn Daydream soll auch für andere Hardware-Hersteller zugänglich sein. Es gibt eine eigene VR-Infrastruktur mit schicker Oberfläche und eigenem VR-Play-Store. Zum Start bietet Google bereits viele Anwendungen an, wie Google Play Video, Google Street View und YouTube. Das ist noch nicht viel, aber Google hat die Daydream-VR-Plattform für Entwickler geöffnet. Das bedeutet, Programmierer können sich das Kit von nun an auf der Google Entwicklerseite herunterladen. Künftig können wir also mit vielen spannenden und praktischen Anwendungen für die Google-Brille rechnen, beispielsweise 3-D-Installationen für Archtikten. Mit Daydream könnten sie etwa die Statik ihrer Designs prüfen. Autohäuser könnten Kunden die Wunsch-Ausstattung ihres neuen Wagens schon einmal optisch „zeigen“. Unternehmen können Arbeitsabläufe und Prozesse in der Logistik per VR-Brille besser planen.

VR im Praxiseinsatz: Per interaktiver VR-Brille erhält der Nutzer alle benötigten Informationen zum millimetergenauen Einbau der A330-Kabineneinrichtung "angezeigt". VR im Praxiseinsatz: Per interaktiver VR-Brille erhält der Nutzer alle benötigten Informationen zum millimetergenauen Einbau der A330-Kabineneinrichtung "angezeigt". (© 2016 Airbus)

VR-Brillen und Mittelstand: Was ist schon Realität?

Ein Renner sind VR-Brillen längst im Unterhaltungsbereich. Seit Beginn des Jahres experimentieren fast alle namhaften deutschen Inhalte-Anbieter mit VR-Content, etwa Verlagshäuser, Filmproduzenten oder Sport- und Konzertveranstalter. In ihrer Trendstudie „Consumer Technology 2016“, die der Digitalverband Bitkom und das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte vorgestellt haben, gehen sie in diesem Jahr in Deutschland von einem Umsatz mit VR in Höhe von 158 Millionen Euro aus. Im Jahr 2020 sollen es bereits einer Milliarde Euro sein. „Vor allem die Gaming-Branche wird damit mehr Umsatz machen können“, erklärt Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media.

Wie wirken die Sportsitze? Per VR-Brille lässt sich ein Blick durch das Beifahrerfenster ins Innere eines Audi werfen. Wie wirken die Sportsitze? Per VR-Brille lässt sich ein Blick durch das Beifahrerfenster ins Innere eines Audi werfen. (© 2016 Audi Blog)

Dazu kommen unterschiedliche Unternehmensanwendungen vor allem im Bereich Produktentwicklung und Produktion. Gegenstände lassen sich zum Beispiel durch die räumliche Projektion noch in der Design-Phase visualisieren und anpassen. Änderungswünsche des Kunden lassen sich dann per Gestensteuerung schnell einarbeiten. Im Service und in der Wartung erhalten Techniker zusätzliche Informationen durch das Einblenden von Serviceanleitungen direkt in ihr Sichtfeld. In der Logistik helfen eingeblendete Barcodes den Lagerarbeitern, die richtigen Teile zu kommissionieren. In der Bauwirtschaft können Planungsdaten als visuelle Schicht über die reale Baustelle projiziert werden. Bauarbeiter sehen so beispielsweise, wo Rohre und Leitungen verlaufen und was sich hinter bereits verputzten Wänden befindet. Auch die Reisebrache kann ihren Kunden mit Hilfe von VR-Technik und 360-Grad-Videos einen besseren Service bieten und ihnen vor der Buchung einen Eindruck von Hotelzimmer und Strand vermitteln.

Per Fernbedienung lässt sich bequem durch virtuelle Anwendungen stöbern – etwa durch Google Photos. Per Fernbedienung lässt sich bequem durch virtuelle Anwendungen stöbern – etwa durch Google Photos. (© 2016 Google)

Fazit

Noch funktioniert die VR-Brille Daydream View nur mit den beiden Pixel-Smartphones von Google. Im Test klappten erste VR-Ausflüge etwa via Street View oder YouTube zusammen mit einem eingesteckten Pixel XL schon gut. Das Potential der Brille ließ sich dabei bereits erahnen, zumal Google die Daydream-VR-Plattform für Entwickler freigegeben hat und in naher Zukunft durchaus mit vielen praktischen VR-Anwendungen zu rechnen sein dürfte. Am Tragekomfort, an der Verarbeitung und am Preis der Daydream View gibt es nichts auszusetzen.

In Deutschland kann die Daydream View-Brille für 69 Euro direkt bei der Deutschen Telekom gekauft kaufen. Die Telekom ist exklusiver Partner von Google in Deutschland. Außerdem lässt sich die VR-Brille auch direkt bei Google bestellen.

Weiterführende Links

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