Bezahlmöglichkeiten entscheidend für den Absatz

Wer etwas verkaufen möchte, der sollte den Kunden die Möglichkeit geben, Produkte auf deren favorisierte Art und Weise zu bezahlen. Andernfalls steigt das Risiko eines Kaufabbruchs – trotz bereits gefülltem Warenkorb. Laut „Gründerwelt“ ergab eine Umfrage, dass der Umsatz eines Shops parallel zur Anzahl der angebotenen Zahlungsarten ansteigt. Wer im E-Commerce nicht mindestens vier, besser fünf der beliebtesten Zahlungsmöglichkeiten offeriert, wirkt zudem weniger seriös als Mitbewerber, die in diesem Bereich breiter aufgestellt sind.

Die beliebtesten Zahlungsarten im Internet

PayPal und andere spezielle Online-Zahlungsarten wie die Sofortüberweisung oder ClickandBuy rangieren laut einer Erhebung der PostNord in der Beliebtheitsskala der deutschen Kunden mit insgesamt 34 Prozent auf Rang eins. Dahinter folgt das Zahlen im Nachhinein auf Rechnung (27 Prozent). Kreditkarte und Lastschrift liegen kombiniert mit 18 Prozent auf Platz drei, gefolgt von der Überweisung vor Lieferung mit 15 Prozent. Nachnahme (drei Prozent) und Ratenzahlung (zwei Prozent) spielen als Bezahlmöglichkeit kaum eine Rolle.

Kosten-Nutzen-Analyse der Zahlungsarten

Für die Verkäufer stellt sich die Frage, welche vier, fünf oder mehr Zahlungsarten sinnvoll sind. Zum einen spielt natürlich die Akzeptanz beim Kunden eine Rolle – doch das darf nicht das alleinige Kriterium für oder gegen eine Bezahlmöglichkeit sein. Es bedarf einer Kosten-Nutzen-Analyse, die auch das Ausfallrisiko sowie den finanziellen und zeitlichen Aufwand mit einbezieht. Geschäftskunden präferieren zudem andere Zahlungsarten als Privatkunden.

PayPal muss sein

PayPal gehört in jedem Fall in das Angebot eines seriösen Online-Shops, der sich in erster Linie an Privatkunden richtet. Die Beliebtheit dieser Bezahlmöglichkeit bei den Verbrauchern ist aber nur ein Argument. Ein weiteres ist, dass der Betrag unverzüglich dem Konto des Händlers gutgeschrieben wird. Der Bearbeitungsaufwand ist gering, sogar die Buchführung wird durch diese Bezahlmöglichkeit unterstützt. Einziger Haken: Der Händler muss eine Transaktionsgebühr zahlen, die vor allem bei kleinen Beträgen ins Gewicht fallen kann. Derzeit ist es nicht üblich, diese Gebühr auf den Kunden abzuwälzen. ClickandBuy funktioniert ähnlich, nur dass hier der Käufer entweder sein Girokonto oder seine Kreditkarte belastet.

PayPal hat sich zur beliebtesten Zahlungsart bei Internetkäufen entwickelt. PayPal hat sich zur beliebtesten Zahlungsart bei Internetkäufen entwickelt. (© 2017 Shutterstock / I AM NIKOM)

Kreditkarte oder Rechnung?

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland beim Kreditkartengebrauch noch hinterher. Trotzdem ist diese Bezahlmöglichkeit für die meisten Shops im Internet quasi Pflicht – obwohl hier zu den Transaktionsgebühren oft noch monatliche Entgelte hinzukommen. Der Grund: Die Kartenzahlung ist unter gut situierten Kunden sehr populär. Händler, die das ignorieren, riskieren eine erhöhte Kaufabbruchquote dieser Klientel. Richtet sich der Online-Shop hingegen ausschließlich an junge Leute, sieht das anders aus. Unter ihnen ist die Kreditkarte nämlich kaum verbreitet.

Auch wenn es aus Kundensicht einfachere Bezahlmethoden gibt, ist die klassische Rechnung immer noch beliebt – gerade im B2B-Bereich. Vor allem größere Beträge begleichen Geschäftspartner untereinander häufig auf die althergebrachte Weise. Je höher die Umsätze sind, desto besser schneidet die Rechnung im Vergleich zu moderneren Bezahlmöglichkeiten ab.

Sie hat aber auch Nachteile. So besteht bei ihr das Risiko, dass das Geld für bereits gelieferte Ware nicht oder erst nach Mahnung(en) beziehungsweise Inkassoverfahren fließt. Rechnungen erschweren also die Liquiditätsplanung eines Unternehmens und sind zeitaufwendig, falls Bonitätsauskünfte erforderlich sind.

Interessant: Nach Studien des digitalen Fachmagazins „E-Commerce Jetzt“ ist das Ausfallrisiko bei Zahlungen stark vom Produkt abhängig. So begleichen Käufer von Sicherheitssoftware die Forderungen in 99,5 Prozent aller Fälle. In der Wollbranche kam es hingegen so oft zu Zahlungsausfällen, dass hier nur noch die wenigsten Anbieter den Kauf auf Rechnung im Programm haben.

Viele Kunden zahlen nach wie vor am liebsten nach dem Erhalt einer Rechnung. Viele Kunden zahlen nach wie vor am liebsten nach dem Erhalt einer Rechnung. (© 2017 Shutterstock / Amble Design)

Lastschriften und Überweisungen lohnen auf jeden Fall

Lastschriften sind bei Kunden ebenfalls beliebt, da die Einzugsermächtigung schnell erteilt werden kann. Insofern gehört diese Zahlungsmöglichkeit in jedes Online-Shop-Portfolio. Das Risiko für den Händler ist vorhanden, aber überschaubar: Das Konto des Bestellers könnte nicht ausreichend gedeckt sein oder die Kontodaten sind falsch angegeben worden – ob bewusst oder unbewusst. Die Bearbeitung der Lastschriftrückläufer kann dann recht viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch die Integration in ein E-Commerce-System ist mitunter aufwendig.

Überweisungen als Bezahlmöglichkeit sind für Händler verlockend, denn sie verursachen keine direkten Kosten und sind fast risikolos, weil Zahlungsausfälle kaum vorkommen. Sollte ein Kunde nicht zahlen, geht der Warenwert auch nicht verloren. Einzig der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Verbraucher sind bei Überweisungen zwar vorsichtig, wenn sie noch kein Vertrauen in einen Online-Shop haben oder schlechte Bewertungen über ihn finden. Dennoch nutzen immer noch vergleichsweise viele Konsumenten diese Zahlungsmöglichkeit. Ein Preisnachlass kann helfen, diese Art der Vorkasse schmackhaft zu machen.

Bezahlmöglichkeit Sofortüberweisung ist eine Mischform

Mit der Überweisung verwandt ist die sogenannte Sofortüberweisung, eine Mischform aus Überweisung und Kreditkarte. Der Kunde stimmt dabei zu, die Zahlung zulasten seines Kontos direkt an den Verkäufer auszuführen. Der Verkäufer verzeichnet innerhalb weniger Sekunden die Gutschrift. Auch diese Bezahlart wird immer gängiger, obwohl das Thema Datenschutz bei diesem Vorgehen von Verbraucherschützern mit Sorge betrachtet wird.

Neben den bisher vorgestellten Bezahlformen gibt es noch rund 15 weitere Zahlungsarten, die in Deutschland mehr oder weniger etabliert sind. Darunter die Nachnahme, Ratenzahlung oder Drittanbieter-Lösungen wie Saferpay oder die Prepaid-Kreditkarte Paysafecard. Für Händler kann es am Markt durchaus von Vorteil sein, auch weniger bekannte Möglichkeiten mit aufzunehmen, um das gesamte Verkaufspotenzial auszuschöpfen.