Sie haben der Oper in Sydney Segel aufgesetzt und spektakuläre Kunstprojekte in Houston, Beirut oder Südkorea realisiert. Was reizt ein international gefragtes Künstlerkollektiv aus Bremen an einem Digital Derby zwischen Köln und Düsseldorf?
Majo Ussat: Uns fasziniert das enorme Potenzial, das Technologie unserer Kunst bietet. Dieses Potenzial können wir beim Digital Derby zwischen Köln und Düsseldorf nicht nur voll entfalten, sondern sogar um zwei wesentliche Aspekte ergänzen. Erstens das Spielerische: In Köln und Düsseldorf bringen wir die traditionelle Welt des Jahrmarkts mit den neuen digitalen Möglichkeiten zusammen. Zweitens das Unkalkulierbare: Wie unsere Animation an den beiden Abenden aussieht, haben letztlich die Mitspieler in der Hand – mit ihrer digitalen Schlagkraft.

Wie darf man sich das Spektakel konkret vorstellen?
Majo Ussat: Beim Digital Derby sollen Unternehmen und Schulen der beiden Städte beweisen, was sie digital draufhaben – mit einem digitalen Hau-den-Lukas-Wettbewerb. Passend dazu verwandeln wir von URBANSCREEN die Betonschäfte des Kölner Fernsehturms Colonius und des Düsseldorfer Rheinturms in Digitalanzeiger. Wir übersetzen also die analoge Kraft der Teilnehmer in digitale Signale. Das ist die Basis unserer Projektionen. Hört sich technisch an – erzeugt aber sehr faszinierende Bilder und Töne.

Faszination und Digitalisierung – ist das kein Widerspruch?

Majo Ussat: Überhaupt nicht. Digitalisierung ist für uns im Gegenteil ein zentrales Thema – weil unsere Multimedia-Installationen ohne moderne Technologien gar nicht denkbar wären. Aber natürlich ist Kunst mehr als Technik. Bei unseren Projekten verschmilzt die reale Fassade eines Gebäudes mit der digitalen Welt. Das Ergebnis ist eine ganz neue Zustandsform.

Team URBANSCREEN Team URBANSCREEN v.l.n.r.: Till Botterweck, Thorbjörn Geisler, Ana Romão, Majo Ussat, Janna Schmidt, Julian Hölscher und Lukas Neumann (© 2017 URBANSCREEN )

 

Verstehen Sie sich als Künstler oder eher als Digitalexperten?
Majo Ussat: Wir machen Kunst, brauchen dafür aber digitales Know-how. Deshalb haben wir von Anfang an auf ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Medienkünstlern, Bühnenbildnern, Musikern und Technikspezialisten gesetzt – dazu gehören auch Digitalexperten. Unser Team arbeitet seit 2005 vor allem mit Medieninstallationen im öffentlichen Raum.

Und wie funktioniert es genau, wenn Sie per „Video-Mapping“ Fassaden lebendig machen?

Majo Ussat: Wir nennen unsere Kunst „Lumentektur“, denn sie ist eine Verbindung aus Licht – lateinisch „Lumen“ – und Architektur. Dazu müssen wir das jeweilige Objekt pass- und pixelgenau mit unserer Videoprojektion bespielen. Wir bauen jede Gebäudefassade erst einmal als digitales und als reales 3D-Modell nach. Das sind dann die Vorlagen für unsere Projektionen.

Womit bringen Sie Köln und Düsseldorf genau zum Leuchten?
Majo Ussat: Mit 36 Hochleistungsprojektoren, die wir vor den Türmen platzieren. Die haben eine Lichtleistung von 1.116.000 ANSI-Lumen. Zum Vergleich: Haushaltsübliche Beamer produzieren etwa 3.000 Lumen.

Wie sind die Spielregeln für den digitalen Hau-den-Lukas?
Majo Ussat: Die ändern sich durch das Digital Derby überhaupt nicht. Nur schießen bei uns keine Metallkugeln nach oben, sondern ein animierter Lichtimpuls. Welche Wucht hinter jedem Stoß steckt, können Zuschauer noch in einiger Entfernung erkennen. Denn je kräftiger der Schlag, umso höher klettert die Projektion den Turm hinauf.

Zur Person:

Majo Ussat ist einer der Geschäftsführer von URBANSCREEN. Das Kreativunternehmen ist international tätig und in Deutschland durch spektakuläre Lichtinstallationen etwa im Gasometer Oberhausen, an der Bauhaus-Prellerhaus-Fassade in Dessau oder am Klubhaus St. Pauli auf der Reeperbahn bekannt. Für ihre Arbeiten bekamen die Bremer zahlreiche Preise, darunter der Deutsche Lichtdesign-Preis, ein silberner Cannes Design Lion und der „Media Architecture Award“.

Weiterführende Links:

  • Sydney Opera House Facade projection
  • 555 KUBIK Facade projection