Augmented Reality als Spiel

Im vergangenen Sommer tapsten Menschen weltweit durch Innenstädte, um kleine, imaginäre Monster zu fangen. Sie jagten bunte Pokémons, die nur über das Smartphone-Display an bestimmten Plätzen zu sehen waren. Nintendo öffnete mit seinem Spiel Pokémon GO erstmals eine Augmented Reality (AR) in der echten Welt. Der Hype war gigantisch, aber auch wahnsinnig schnell wieder vorbei. Was von der Monsterhysterie übrig bleibt? Der Marketingnutzen von Augmented Reality.

Vor allem für Händler hatte die skurril anmutende Pokémon-Jagd einen interessanten Vorteil: Über eine spezielle App konnten sie die Pokémons und damit auch die tapsigen Monsterjäger in ihre Läden locken. Diese clevere Verknüpfung birgt ein riesiges Online-Shopping-Potenzial.

Zeis-mwc-brille_Credit-Telekom Zusammen mit Optikspezialist Zeiss zeigt die Telekom Datenbrillen, die im Blickfeld des Trägers Informationen einblenden. Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges zeigte die Datenbrille erstmals auf dem MWC 2017 in Barcelona. (© 2017 Deutsche Telekom)

Asiaten, die New York beäugen

Händler entdecken zusehends auch die Vorteile der Virtual Reality (VR): IKEA-Kunden in Berlin-Lichtenberg können sich beispielsweise im Showroom des Pilotprojekts „Virtual Home Experience“ Möbel in unterschiedlichen Varianten zusammenstellen. Sie setzen eine VR-Brille auf und können unter anderem die Möbel und Einrichtungsgegenstände bei verschiedenen Lichtverhältnissen auf sich wirken lassen und dann je nach Geschmack die Farbe wechseln.

Ikea-Virtual-Home-Experience_Credit-IKEA Shopping per VR-Brille: Wie die Wunschmöbel im eigenen Zuhause aussehen, lässt sich bei IKEA jetzt dank VR-Brille schon mal virtuell ansehen. (© 2017 Ikea)

Das berühmte New Yorker Kaufhaus Macy’s geht noch einen Schritt weiter. Kunden aus dem asiatischen Raum müssen gar nicht mehr selbst nach New York jetten. Auf der chinesischen Handelsplattform Alibaba können sie in einem Shopping-Kanal per Virtual Reality durch das New Yorker Geschäft bummeln und nach Herzenslust shoppen. Auch eBay hat nun eine virtuelle Filiale. In der „Sight Search“ können die Kunden gewünschte Produkte durch Spezialbrillen entdecken und dann gleich darauf bieten oder diese  sofort kaufen.

Ärzte, die auf Ärzte starren

Von den Möglichkeiten der virtuellen Realität profitieren inzwischen immer mehr Branchen. Im Gegensatz zur Augmented Reality wird die Virtual Reality vermehrt in technischen Bereichen eingesetzt. Für das ganzheitliche Eintauchen in die virtuelle Wirklichkeit müssen Nutzer eine VR-Brille tragen. Oftmals wird sie für Lernzwecke genutzt. Ärzte können etwa mithilfe von computersimulierten Szenarien Operationen und chirurgische Eingriffe miterleben und selber trainieren. Automobilkonzerne optimieren die Konstruktion und Forensiker stellen Tatorte und Tötungsdelikte nach.

Was sind eigentlich ...
Virtual, Augmented und Mixed Reality?
Die Virtual Reality beschreibt vor allem von Computern simulierte Szenarien oder Welten, in die der Nutzer vollständig eintaucht. Sie wird verstärkt von der Games-Branche genutzt. Im Gegensatz dazu werden bei der Augmented Reality mithilfe von Datenbrillen künstliche Elemente in die reale Welt eingeblendet. Ein Beispiel dafür ist das Online-Game Pokémon GO. Als Mixed Reality werden Systeme bezeichnet, die Informationen, Multimedia-Inhalte und Hologramme in den realen Raum projizieren. Mit diesen können die Nutzer in Echtzeit interagieren, so wie bei HoloLens von Microsoft, das etwa zu Trainingszwecken an virtuellen Maschinen genutzt werden kann.

Auch die Touristik nutzt die Vorteile der neuen Realität für Verkaufszwecke. Reiseveranstalter Thomas Cook etwa stattete seine 880 deutschen Reisebüros jüngst mit VR-Brillen aus. Nun können sich Urlaubswillige anhand von 360-Grad-Filmen ein eigenes Bild über derzeit 50 verschiedene Ziele und Hotels machen.

Schüler, die den Mond besuchen

Die virtuelle Realität muss aber nicht immer real sein. Auch fiktive Welten und unerreichbare Ziele lassen sich dank der VR-Brillen bereisen. Ein Besuch auf dem Mond oder ein Tauchgang zu versunkenen Welten? Ist möglich! Google hat mit der Stiftung Lesen ein Pilotprojekt dazu gestartet und sucht aktuell interessierte Schulklassen, die Lust haben, eine solche virtuelle Reise anzutreten.

Sowohl die fremden als auch die vertrauten Welten von Virtual und Augmented Reality lassen sich auch auf der CeBIT erkunden. Und sogar ein Mix aus beidem, die Mixed Reality. Auf der CeBIT Global Conference werden auch die technologischen Folgen aus der Perspektive von Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft diskutiert. In Halle 17 erwartet alle Interessierten ein umfangreiches Konferenzprogramm mit internationalen Experten und Anwendern, Workshops für Entwickler, ein 3.000-Quadratmeter-Playground und zahlreiche Networking-Veranstaltungen.

Im Video: So funktioniert die Hololamp

Diese irrealen und realen Anwendungen gibt es auf der CeBIT:

  • Neue Kollaboration: Forscher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) zeigen, wie eine Mensch-Roboter-Kollaboration über verschiedene Orte hinweg funktionieren kann. Kleine Roboter am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Halle 6, Stand A34) interagieren aus der Ferne sowohl mit ihren menschlichen als auch mit ihren Roboter-Kollegen am Stand des DFKI (Halle 6, Stand B48). Mithilfe von Mixed-Reality- und Virtual-Reality-Technologien löst das räumlich verteilte Mensch-Maschinen-Team gemeinsam die Aufgabe, nämlich Gefahrgüter sicher zu handhaben.
  • Grottige Reise: Mit der Virtual-Reality-Brille von realities.io reisen die Nutzer beispielsweise in die französische Grotte Chauvet und erkunden deren spektakuläre, für die Öffentlichkeit nicht mehr zugängliche Wandmalereien (Halle 11 bei SCALE11).
  • Smarter Look: Zeiss hat ein optisches System entwickelt, das es ermöglichen soll, Datenbrillen, die im Blickfeld des Trägers Informationen einblenden, in Größe und Aussehen an herkömmliche Brillen anzugleichen. Die Technik stammt von der Telekom. (Halle 3, Stand D36).
  • Schlaues Glas: Mit einer Cloudlösung unterstützt die Telekom auch den Glashersteller Rastal. Auf der CeBIT zeigt Rastal mit „Smart Glass“ eine bahnbrechende Hightech-Lösung für die Gastronomie (Halle 3, Stand D36).
  • Virtuelles Training: Das Münchner Startup Viscopic entwickelt Mixed-Reality-Trainingsanwendungen, in denen in einer virtuellen Umgebung erlernt wird, wie man Maschinen wartet, repariert und bedient. Durch den Einsatz von Datenbrillen, wie etwa der HoloLens, können Maschinen virtuell in das Sichtfeld des Nutzers projiziert werden (Halle 11, Stand B62/5).

Im Video: So sehen Mixed-Reality-Trainingsanwendungen aus