Für den deutschen Mittelstand ist die Digitalisierung ein strategisches Projekt für eine sichere Zukunft. In jedem zweiten Unternehmen (51 Prozent) ist die digitale Transformation inzwischen fester Bestandteil der strategischen Geschäftsentwicklung. Wer überdurchschnittlich digitalisiert ist, verzeichnet einen Umsatzanstieg, gewinnt leichter neue Kunden und kurbelt über innovative digitale Geschäftsideen seine Wertschöpfung an. Zu einem wichtigen Treiber der digitalen Transformation entwickeln sich datenbasierte Analysen von Kundenbeziehungen und Geschäftsprozessen. In Big Data und KI-Technologien sehen 71 Prozent der Befragten eine Chance, ihr Geschäft weiterzuentwickeln. Zu diesen Ergebnissen kommt die vierte repräsentative Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“ der Deutschen Telekom.

Im Vergleich zum Vorjahr hat der Gesamtindex um einen Punkt zugenommen. (© 2020 )

Königsdisziplin digitale Geschäftsmodelle

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Mittelstand nicht nur längst verstanden hat, wie entscheidend die Digitalisierung für seine Zukunft ist. Immer mehr Unternehmen investieren auch in die digitale Transformation ihrer Produkte und Services“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei Telekom Deutschland. „Die Königsdisziplin der Digitalisierung ist es, neue digitale Geschäftsfelder zu entwickeln. Denn das Risiko steigt, von komplett neuen Marktteilnehmern mit digitalen Innovationen in kurzer Zeit überholt zu werden.“

Insbesondere die Kunden rücken in mittleren Unternehmen zunehmend in den Fokus der Digitalisierung. Auf Basis von Daten können die Firmen im Mittelstand ihre Kunden besser verstehen und ihnen gezielter als bisher individuelle Produkte und Services (31 Prozent) anbieten. Dafür verknüpfen immerhin schon fast ein Viertel (23 Prozent) der KMUs auch externe Informationen mit den eigenen Kundendaten. So lassen sich Muster und Trends im Kaufverhalten erkennen. Wer bereits solche Datenanalysen nutzt, ist zufrieden mit den Ergebnissen. 85 Prozent der Unternehmen konnten ihre Umsätze erhöhen, 84 Prozent die Kundenzufriedenheit verbessern und die Kunden besser binden.

Jedes zweite Unternehmen gibt an, dank digitaler Maßnahmen ihre Kunden zufriedener zu machen. (© 2020 )

KI gewinnt an Bedeutung

Business Intelligence und Analytics sind auch entscheidende Lösungen, um die Produktivität und Effizienz von Geschäftsprozessen weiter zu verbessern. Für 41 Prozent hat das Thema große Relevanz, da die Analyseergebnisse eine Grundlage für operative und strategische Entscheidungen sind. Fast ein Drittel (31 Prozent) wertet seine Unternehmensdaten schon systematisch aus. Und Echtzeitanalysen gehören bei 28 Prozent der Unternehmen zum Alltag. Auch wenn der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erst langsam anzieht, gewinnt KI zunehmend an Bedeutung. 71 Prozent der Befragten sehen in KI mittelfristig eine große Chance für die eigene Branche. 62 Prozent können sich den Einsatz von Robotern vorstellen.

Digitale Investitionen rechnen sich

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob sich Digitalisierung wirklich auf Heller und Pfennig auszahle. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass laut Studie mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Unternehmen die hohen Investitionskosten als Hemmschuh der Digitalisierung wertet. Die digitalen Vorreiter, also die Top-10-Prozent der Digitalisierung zeigen aber, dass sich die Investitionen rechnen. Drei Viertel (74 Prozent) bestätigen, ihren Umsatz gesteigert zu haben. Über alle befragten Unternehmen hinweg erreicht dieser Wert nur 44 Prozent. Acht von zehn Studienteilnehmern (83 Prozent) konnten laut eigenen Angaben die Produkt- und Servicequalität verbessern. Im Durchschnitt aller Befragten sind es 57 Prozent.

Die Digitalisierungsstudie zeigt auch, dass die einzelnen Branchen unterschiedlich stark in der Digitalisierung unterwegs sind. Während der Digitalisierungsindex im Mittel 56 Punkte erreicht, liegen die Industrieunternehmen mit 59 Indexpunkten sowie Transport und Logistik mit 61 Punkten über dem durchschnittlichen Digitalisierungsindex. Handel und Gastgewerbe müssen mit 52 bzw. 54 Indexpunkten noch in Sachen Digitalisierung nachlegen.

Neben dem Gesamtindex gibt es 2019/2020 sechs Branchenberichte: Industrie, Baugewerbe, Gastgewerbe, Transport- und Logistikbranche, Handel und Handwerk. (© 2020 Getty Images/iStockphoto)

KI in der Industrie weit verbreitet

Die mittelständische Industrie ist mit 59 Indexpunkten im Branchenvergleich sehr weit digitalisiert. Dies zahlt sich für die Unternehmen aus: So geben 43 Prozent der Industrieunternehmen an, durch Digitalisierung ihr Betriebsergebnis verbessert zu haben. In Industrieunternehmen stehen KI und Machine Learning im Fokus und werden bestehende Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern. Fast ein Drittel hat KI im Einsatz oder plant in den kommenden zwei Jahren, KI einzuführen. Und 30 Prozent der mittelständischen Industriebetriebe wollen mit Machine Learning ihre bestehenden Produktionsprozesse optimieren.

Gastgewerbe wertet Kundendaten aus

Digitale Kasse, Social Media und die Auswertung von Kundendaten: Dies sind wesentliche Treiber der digitalen Transformation in Hotels und Gaststätten. Erfreulich: Die Studienergebnisse belegen, dass sich die digitalen Maßnahmen auszahlen. Die Hälfte der Unternehmen konnte auf Basis von digitalen Lösungen ihre Umsätze steigern. Und 57 Prozent der Befragten gaben an, damit leichter neue Kunden gewinnen zu können.

Handel macht Regale intelligent

Digitale Kassensysteme, intelligente Regale, WLAN für Kunden und kontaktloses Bezahlen: Lösungen, die die digitale Transformation im Handel vorantreiben. Zwar liegt der Handel mit 52 Indexpunkten im Digitalisierungsvergleich unter dem Durchschnitt, doch in 39 Prozent der Handelsunternehmen ist die digitale Transformation schon Teil der Geschäftsstrategie. Während wie in allen Branchen die kleinen Betriebe bei der Digitalisierung hinterherhinken, liegen die großen Handelsketten mit 60 Punkten deutlich über dem Digitalisierungsdurchschnitt.

 

Transport und Logistik digital führend

40 Prozent der Logistikunternehmen überwachen ihren Warentransport in Echtzeit. Gut ein Drittel (34 Prozent) erfasst über Apps alle Fahrten in einem digitalen Fahrtenbuch. Beispiele für digitale Lösungen, die für den überdurchschnittlichen Digitalisierungsgrad der Verkehrs-, Transport- und Logistikunternehmen stehen. Die Branche liegt im Vergleich zu allen anderen Branchen mit 61 Indexpunkten auch in diesem Jahr deutlich vorn. Die Digitalisierung hat in der Logistik eine hohe Bedeutung für die zukünftige Geschäftsentwicklung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) hat das Thema in ihrer Geschäftsstrategie bereits fest verankert. Weitere 26 Prozent der Betriebe sind dabei, erste Digitalprojekte umzusetzen.

Studienergebnisse und Self-Check

Zum vierten Mal ermittelte techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom den digitalen Status quo mittelständischer Unternehmen. Dazu befragte das Analystenhaus im Sommer 2019 knapp 2.100 kleine und mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen. Der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/20“ analysiert unter anderem die Transformationsfortschritte auf folgenden Handlungsfeldern:

  • Beziehung zum Kunden
  • Produktivität im Unternehmen
  • Digitale Geschäftsmodelle
  • IT-Sicherheit und Datenschutz

Die Analysten haben die Befragungsergebnisse auch branchenspezifisch ausgewertet. Die einzelnen Studien stehen auf www.digitalisierungsindex.de neben der Gesamtstudie als Download zur Verfügung.

Unternehmen, die sich für den eigenen digitalen Status quo interessieren, können ihn im Online-Self-Check kostenlos in nur wenigen Minuten ermitteln.

Individuelle Produkte im Baugewerbe

Immerhin 37 Prozent der Unternehmen in der Baubranche haben aktuell die digitale Transformation in ihrer Geschäftsstrategie verankert. Auch hier rücken Kunden immer stärker in den Fokus. Bei fast zwei Drittel (30 Prozent) der Unternehmen können Kunden inzwischen Termine online buchen und weitere 28 Prozent wollen ein solches Tool kurzfristig einsetzen. Drei von zehn Unternehmen nutzen Kundendaten, um ihre Beratung und Produkte auf individuelle Wünsche zuzuschneiden. Was sich positiv auf das Geschäft auswirkt: Sie gewinnen Kunden leichter (87 Prozent) und steigern ihren Umsatz (86 Prozent).

Handwerk macht mobil

Der Digitalisierungsstatus im Handwerk ist sehr unterschiedlich. Das industrienahe Handwerk gehört mit 62 Punkten zu den digitalen Vorreitern. Im Fokus stehen hier die digitalen Kundenbeziehungen (62 Indexpunkte) und die Produktivität (61 Indexpunkte). Das Bauhandwerk vom Dachdecker bis zum Tischler ist durch mobiles Arbeiten geprägt. Da sie sich zumeist beim Kunden vor Ort befinden, brauchen sie mobilen Zugriff auf Kundendaten und Informationen. In 47 Prozent der Betriebe können die Mitarbeiter von unterwegs E-Mail, Kalender- und Konferenzlösungen nutzen. 35 Prozent der Handwerksbetriebe nutzen dafür Cloud-Anwendungen. Handwerke für den Privatbereich – Friseure, Schneider, etc. – individualisieren ihren Kundenservice zunehmend. Dafür nutzen 41 Prozent Web-Konfiguratoren und 43 Prozent werten Kundeninformationen, was bei fast neun von zehn Firmen die Kundenzufriedenheit positiv beeinflusst hat.