„In Hamburg gibt es ein Anbindungsproblem, wahrscheinlich ausgelöst durch einen technischen Defekt.“ Stefan Kaldeborn zeigt auf einen der fünf Bildschirme an seinem Arbeitsplatz, auf denen sich viele Graphen, Karten und Listen befinden. „Hier müsstest du einen Techniker beauftragen, das habe ich nicht mehr geschafft“, sagt er zu Janina Fürst. Janina nickt und notiert, und schon ist Kaldeborn weg. Die Schichtübergabe ist gelaufen.

Janina Fürst muss sofort alle kleineren und größeren Netz-Probleme in den Griff bekommen. Zuerst kümmert sie sich um die Störungsfälle, die die größten Kundenbeeinträchtigungen haben – zu denen auch der Hamburger Netzausfall gehört. Mithilfe der Netzmanagementsysteme verschafft sich Janina Fürst eine Übersicht über die aktuelle Störungsursache. Anschließend beauftragt sie auf elektronischem Weg einen Techniker vor Ort, der sich um den Ausfall kümmert. In dem Auftrag sind bereits hilfreiche Informationen wie Fehlerort und defekte Baugruppen enthalten. Damit kann der Techniker die Störung möglichst schnell beheben.

Schichtübergabe im NMC: Janina Fürst übernimmt von Stefan Kaldeborn (links im Bild). Schichtübergabe im NMC: Janina Fürst übernimmt von Stefan Kaldeborn (links im Bild). (© 2016 Deutsche Telekom)

Netzmanagement Center: Verkehrsleitzentrale der Datenautobahn

Janina Fürst sitzt heute mit etwa 40 anderen Mitarbeitern an den Reglern für das deutschlandweite Transportnetz – im Großraumbüro des Bamberger Netzmanagement Center (NMC), dem „First-Line Maintenance Transport Bamberg“, wie die offizielle Bezeichnung lautet. Sie kümmert sich um das Wavelength Division Multiplex-Netz, kurz WDM.

Das WDM ist vergleichbar mit dem Autobahnnetz der Telekom für Daten. Alle Daten laufen hier für den Transport von A nach B zusammen. Der Clou: Durch verschiedene Infrarotsignale, mit denen Lichtimpulse durch die Glasfaser geschickt werden, ergeben sich sozusagen viele Fahrspuren. Daten können dabei parallel nebeneinander herfahren, so ist insgesamt mehr Verkehr möglich.

Eine große Störung im WDM-Netz käme einer Teil- oder gar Totalsperre einer dieser Datenautobahnen gleich, dann würde im schlimmsten Fall nichts mehr gehen. Klar, dass das nicht passieren soll. Dafür gibt es das Netzmanagement Center in Bamberg.
Dessen Mitarbeiter sind hochkonzentriert, denn jeder der Operatoren behält drei bis acht Bildschirme gleichzeitig im Blick. Zusätzlich schauen alle auf den 70 Quadratmeter großen Riesenbildschirm, der sich vor ihnen über eine komplette Wand zieht. Er ist wiederum in 52 Einzelmonitore unterteilt, die Alarmlisten, wichtige Netzinformationen, Nachrichtenstreamings, Land- und Weltkarten sowie ein Social-Media-Monitoring anzeigen. All diese Tools helfen den Operatoren dabei, mögliche Störungen schnell zu finden.

Bloß keine mögliche Störung übersehen: Neben dem Blick auf die Monitorwand behält jeder der Operatoren im  im Großraumbüro des Bamberger Netzmanagement Center drei bis acht Bildschirme gleichzeitig im Blick. Bloß keine mögliche Störung übersehen: Neben dem Blick auf die Monitorwand behält jeder der Operatoren im im Großraumbüro des Bamberger Netzmanagement Center drei bis acht Bildschirme gleichzeitig im Blick. (© 2016 Deutsche Telekom)

Damit Nutzer problemlos telefonieren und surfen können, sind hier im Bamberger NMC zirka 100 Kollegen im Einsatz. 24 Stunden lang in drei Schichten, sieben Tage in der Woche stellen sie sicher, dass Internet und Mobilfunk funktionieren und Kunden von Ausfällen möglichst nichts mitbekommen. Seit 19 Jahren gibt es das Bamberger NMC. Ähnliche Center stehen in Bonn, Stuttgart und Frankfurt. Insgesamt kümmern sich etwa 500 Mitarbeiter in der Abteilung von First-Line Maintenance um das Transportnetz.

Die große Herausforderung: Nachtschichten bewältigen. Denn nachts finden neben normalen Netzmanagement-Aufgaben auch alle Wartungsmaßnahmen im Netz statt. Etwa Baugruppentausche oder Kabelarbeiten werden auf die „verkehrsschwachen“ Zeiten in der Nacht verschoben, damit Kunden nicht zu stark beeinträchtigt werden. „Manchmal hat man mehrere Techniker in der Warteschleife“, sagt Janina Fürst. „Das kann ganz schön stressig sein.“

Alle Hände voll zu tun hatten die Operatoren auch während des Hochwassers in Bayern und Sachsen im Jahr 2013 – Stromausfälle und Wasserhochstände führten zu einer Großstörung des Telekommunikationsnetzes. Mit Hochdruck arbeiteten die Techniker daran, alle Ausfälle zu kompensieren, etwa mit mobilen Netz-Containern und Generatoren oder indem sie Netzverbindungen um das Hochwassergebiet umleiteten.

Viele Daten über eine kleine Glasfaser

Jürgen Kah steht im Konferenzraum des Netzmanagement Centers und fährt die Jalousien einer Glaswand hoch. Vor ihm eröffnet sich ein hervorragender Blick auf die Schaltzentrale mit ihrem mächtigen Riesenbildschirm.

"Unser Kommunikationsnetz ist vergleichbar mit dem Straßenverkehr"

Jürgen KahOperator im Net Management Center "First-Line Maintenance Transport Bamberg"

„Auf den Autobahnen fahren verschiedene Verkehrsteilnehmer, vergleichbar mit unseren Services Telefon, Internet, Mobilfunk. Die Datenströme müssen auf den vorhandenen Fahrspuren – in unserem Fall sind es die verschiedenen Wellenlängen im Glasfaserkabel – transportiert werden. Der Datenbedarf nimmt immer mehr zu, sodass auch unsere Datenautobahnen immer ,breiter‘ werden“, erläutert Kah. Er nimmt ein Glasfaserkabel in die Hand. Es ist etwa so dick wie ein Finger, darin befinden sich spaghettidünne Kabel, in denen sich bunte Glasfasern befinden. Unglaublich, dass auf solch dünnen Fasern gigantische Datenströme übertragen werden können.

Nicht jeder darf in die Nachtschicht

Um für den Schichtbetrieb fit zu sein, braucht man mindestens ein Jahr Einarbeitungszeit, erzählt Janina Fürst. Seit fünf Jahren arbeitet sie im NMC der Telekom. Zuvor hat sie eine Ausbildung zur Systemtechnikerin gemacht.

Sie ist eine der wenigen Frauen im Büro. Nur 15 Prozent der Belegschaft sind weiblich. Janina Fürst mag ihren Job, weil sie sich sehr für Technik interessiert. „Man muss ständig nach kniffligen Lösungen suchen, braucht eine schnelle Auffassungsgabe und logisches Denkvermögen“, sagt sie. „Aber das Wichtigste ist: Ruhe bewahren.“ Um 22 Uhr ist Janinas Schicht zu Ende. Dieses Mal ist sie diejenige, die die noch offenen Probleme an ihren Kollegen abgeben darf.