"Vier von fünf Datenzentren werden laut Studien schon 2019 Clouddaten verarbeiten."

Andreas Weiss
Direktor der EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Diese Aussage vertritt Weiss unter Bezugnahme auf den Cisco Global Cloud Index. Darin wird davon ausgegangen, dass bis 2019 rund 25 Milliarden Geräte mit Internetanschluss weltweit im Einsatz sind. Das erzeugte Datenvolumen wird laut Cisco Global Cloud Index auf mehr als 40 Zetabyte (40 mit 21 Nullen dahinter) pro Monat geschätzt. Der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren soll sich bis dahin je nach Prognose verdrei- bis verzehnfachen.

Andreas Weiss, Direktor der EuroCloud Deutschland_eco e. V Andreas Weiss, Direktor der EuroCloud Deutschland_eco e. V (© 2016 eurocloud.de)

eco Verband: Cloud Computing immer populärer

Grundlage für diese Einschätzungen bildet die Annahme, dass in den nächsten Jahren weite Teile der Wirtschaft ihre Datenspeicherung und Datenverarbeitung in die Cloud legen werden. „Die Funktions- und vor allem die Kostenvorteile der Cloudservices gegenüber firmeneigenen Rechenzentren sind derart hoch, dass Konzerne wie Mittelständler ihre bisherige Zurückhaltung gegenüber Cloudlösungen zügig ablegen werden“, sagt Andreas Weiss voraus.

Darüber hinaus wird sich nach Einschätzung von eco das “Internet of Things” (IoT) in den nächsten Jahren massiv ausbreiten und für heute noch kaum vorstellbare Datenströme sorgen.

"Künftig wird jede Maschine, jedes Haushaltsgerät und so weiter mit dem Internet verbunden sein."

Dr. Béla Waldhausers
Leiter der Kompetenzgruppe Datacenter Infrastruktur im eco Verband

Allein die Digitalisierung der Kraftfahrzeuge und die Verbreitung von Mobile Payment als Standardzahlungsmittel soll enorme Datenmengen produzieren. „Wir reden nicht davon, dass das Auto eine Internetverbindung bereitstellt, wenn gelegentlich ein Mitfahrer surfen will, sondern davon, dass der Wagen im Millisekundentakt Informationen an den Hersteller und die Verkehrsinfrastruktur übermittelt, die Musik via Streaming ankommt und die Windschutzscheibe fortlaufend mit Virtual Reality aktualisiert wird”, verdeutlicht Dr. Béla Waldhauser. Er verweist auf Schätzungen aus dem Cisco VNI Complete Forecast Update 2015, die von mehr als 10 Milliarden Machine-to-Machine-Internetverbindungen noch vor dem Jahr 2020 ausgehen.

Dr. Béla Waldhauser, Leiter der Kompetenzgruppe Datacenter Infrastruktur im eco Verband. Dr. Béla Waldhauser, Leiter der Kompetenzgruppe Datacenter Infrastruktur im eco Verband. (© 2016 eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.)

Markenartikelindustrie ist wichtiger Markttreiber

Als einen wesentlichen Treiber des „Internet of Things“ nennt eco die Markenartikelindustrie. „Jede Zahnbürste, jeder Rasierer und jede Kaffeemaschine, die der Hersteller mit einem Internetanschluss und einer mobilen App versieht, adressiert eine neue Zielgruppe, die zudem gerne bereit ist, für die Innovation einen Aufpreis zu bezahlen“, skizziert Dr. Béla Waldhauser einen neuen Milliardenmarkt.

Als strategisch noch wichtiger bezeichnet der eco-Experte die Erkenntnis, dass sich aus den von den Geräten übermittelten Daten neue Geschäftsmodelle entwickeln lassen, die unter Umständen noch größer als der Ursprungsmarkt sein können. „Wer die Zähne seiner Kunden zweimal täglich scannt, dem fällt vielleicht noch mehr ein, als nur Zahnbürsten zu verkaufen“ macht Dr. Béla Waldhauser seine Einschätzung anschaulich. Er weiß aus zahlreichen Gesprächen: „Viele Industrievorstände sind beeindruckt, wie es AirBnB und Uber gelingt, aus den gesammelten Daten über Big Data- und Smart Data-Analysen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und betrachten das durchaus als Vorbild für ihre eigene Zukunft“. Waldhauser weiß auch: „Bei diesen Datenvolumina wird es eng in den Rechenzentren.“

Ausweichstrategien gegen übergroße Datenmengen und Datenschutz

Angesichts dieser Datenmengen könnten die Breitbandinfrastrukturen auch in Deutschland an ihre Grenzen stoßen, teilt eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. mit. Die Anbieter würden sich schon heute auf „Ausweichstrategien“ einstellen. Als Beispiel nennt der Verband „Fog Computing“, also die Erstverarbeitung der Daten nahe am Datengeber wie beispielsweise im Auto oder im Kühlschrank, bevor es überhaupt zur Weiterleitung an Clouddienste kommt. „Die Mehrzahl der Datenberge wird jedoch in Rechenzentren verarbeitet, die daher eine Schlüsselrolle für die zu erwartende Allgegenwart des Internet darstellen“, sagt Dr. Béla Waldhauser.

Weiterführende Links zum Thema

Homepage eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

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