Bei der LVM ist es Kultur, dass die höchste Fachkompetenz auch die Entscheidungen fällt“, sagt Werner Schmidt. Der Diplom-Mathematiker leitet seit 1997 die IT-Abteilungen der LVM in Münster und gilt ohne Zweifel als Kenner der Materie. Intern sieht er sich in der Rolle des Moderators, der die Interessen der IT-Abteilungen und die der Geschäftsführung unter einen Hut bringt. Das Ziel: Mehrwert für das Unternehmen schaffen. Um das zu erreichen, sind Kompetenz und Fachwissen beim aktuellen Projekt besonders gefragt: Die LVM will ihre unternehmensübergreifenden Systeme modernisieren und sich für die neuen, zukunftsfähigen IP-Netze rüsten. Genauer gesagt: IT-Vorstand Schmidt stellt das vorhandene Agentursystem auf IP-Technik um. „Wir brauchen flexiblere und bessere Möglichkeiten der Vernetzung. Das soll auf eine zukunftssichere Gesamtarchitektur aufsetzen“, erklärt der IT-Vorstand.

IT als Dienstleistung

Das sind gute Nachrichten für die angeschlossenen Versicherungsagenturen. Sie nutzen längst die IT-Abteilungen der LVM gern als Dienstleistungszentrale. Bald sollen maßgeschneiderte IT- und TK-Pakete helfen, schnelle und schlanke Prozessabläufe einzuführen, um damit auch die ständige Erreichbarkeit der Agenturen sicherzustellen. Dank neuer Technik kann die LVM kurzfristig weitere Agenturen gründen und sehr schnell arbeitsfähig machen.

"Ein CIO muss das Business 
verstehen, um mit seinen
IT-Abteilungen das Unternehmen 
aktiv mitgestalten zu können."

Werner Schmidt

CIO und Mitglied des 
Vorstands der LVM Versicherung

Werner Schmidt Werner Schmidt (© 2015 LVM)

Workshops für die Digitalisierung

Einen ähnlichen Zukunftsumbau betreibt die Telekom und rüstet ihre Netze bis 2018 Stück für Stück auf die moderne IP-Technik um. Als lang-jähriger Partner der LVM informierte die Telekom die Münsteraner früh über die Umstellung. Ein wichtiger Hinweis für IT-Vorstand Schmidt. „Der Schritt hin zur IP-Technik eröffnet uns viele Möglichkeiten“, schwärmt er. Da kam der Vorschlag eines Projektteams von T-Systems und der Telekom Deutschland zur rechten Zeit: Warum nicht gemeinsam ausloten, wohin die Reise mit der Digitalisierung geht? In Workshops, so die Idee, lassen sich die individuellen Bedürfnisse der LVM analysieren und festhalten.

Ein guter Vorschlag, befand Schmidt, und setzte Ende 2014 den ersten Termin in der LVM-Direktion in Münster an. Von hier betreut die Versicherungsgesellschaft ihre 2300 Vertrauensleute, so heißen die selbstständigen Handelsvertreter, die sich deutschlandweit um den Vertrieb kümmern.Vonseiten der LVM waren Geschäftsführung, Projektleiter, Abteilungsleiter, IT-Fachleute sowie Mitarbeiter aus Einkauf und Controlling an Bord. Im ersten Schritt ging es um eine Bestandsaufnahme der LVM. Danach stellt die Telekom die umfangreichen Möglichkeiten der neuen Netzstruktur mit ihren Bandbreiten und Sicherheitskonzepten vor. Auf der Prioritätenliste der LVM standen Themen wie Verfügbarkeit sowie mehr Bandbreite für die Agenturen. Auch die gesicherte Übertragung und Verschlüsselung der Kundendaten spielte eine zentrale Rolle, ebenso wie der umfassende Schutz vor Viren und Cyber-Angriffen.

"Eine IP-Transformation ist immer ein individueller Prozess. Da geht 
es um die Besonderheiten einer 
Branche, um die speziellen 
Bedürfnisse des Unternehmens."

Roger Voland

Senior Vice President Business Customer Transformation Deutsche Telekom

Roger Voland Roger Voland (© 2015 Deutsche Telekom)

Gut abgestimmtes IP-Portfolio der Telekom

Auf diese Anforderungen ist das neue IP-Portfolio der Telekom gut abgestimmt. Daher war die Vorstellung der künftigen IP-Produkte und Dienste sehr aufschlussreich für die LVM. Danach entwickelte das Projektteam in den Vier- bis Fünf-Stunden-Meetings einen Masterplan für die Umstellung.Besonders zu berücksichtigen galt, dass die IT-Abteilungen der LVM ganz unterschiedliche Komponenten und Systeme der 2300 Agenturen warten und instand halten. Eine schwierige Aufgabe, und über die Jahre ist die Zahl der Komponenten und Anschlüsse stetig gestiegen. Ein Grund: Die angeschlossenen Agenturen erhalten von der LVM-Direktion einen Daten- und einen Sprachanschluss für die interne Kommunikation. Weitere Telefonanschlüsse beauftragt jede Agentur aber selbst aus ihrem ISDN-Umfeld. „Für uns ist das Zusammenspiel aller Anschlüsse erfolgsentscheidend“, sagt Schmidt. „Das ist mit IP-Technik künftig wesentlich einfacher.“ Ein weiteres Problem: Einige IT-Komponenten, die die LVM seit Jahren nutzt, sind nicht IP-fähig. Um diese zu ersetzen, musste die LVM mit der Telekom klären, welche IP-Produkte wie und wann eingeführt werden. Wichtig war, dass die Telekom einen verbindlichen Rollout-Plan mit der LVM abstimmte. „Am Ende soll eine moderne und einheitliche Netzstruktur auf IP-Basis entstehen“, sagt Roger Voland, Senior Vice President Business Customer Transformation bei der Telekom. „Die Umstellung bringt mehr Schnelligkeit, mehr Flexibilität und mehr Qualität“.

Das können die Versicherungsvertreter gut gebrauchen, denn sie müssen immer und überall erreichbar sein. Laut einer aktuellen Studie des Kölner Marktforschers YouGov nimmt jeder zweite Verbraucher per Mail oder Internet Kontakt zu seiner Versicherung auf. Vertriebsmitarbeiter müssen schnell auf Anfragen reagieren. „Wir wollen weiterhin Kundennähe beweisen“, sagt Schmidt. „Wichtig ist das Vertrauen der Kunden in die Agenturen.“ Die Inhaber müssen sich wiederum auf die Technik der Direktion verlassen können. Leitungen und Netze müssen sicher und schnell sein. Mehr nicht, weniger aber auch nicht. Es ist, so gesehen, einfach eine Frage des Vertrauens.

Die Geschichte der 
LVM Versicherung

  • Begonnen hat alles vor rund 
120 Jahren: 1896 wurde die heutige LVM Versicherung in Münster von westfälischen Landwirten gegründet. Ziel war eine Selbsthilfeorganisation, um die Landwirte vor unterschiedlichsten Haftungsrisiken zu schützen.
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Durch günstige Prämien und die legendäre Roggenwährung während der Inflation Anfang der 20er-Jahre machte der Verein früh von sich reden. Beiträge und Leistungen wurden nicht in der inflationären Reichsmark, sondern in Roggen erbracht.
  • Heute ist das Unternehmen ein bundesweit tätiger Rundum-Versicherer. Der LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster zählt zu den 20 führenden Erstversicherungsgruppen sowie zu den fünf größten Kfz-Versicherern in Deutschland.
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Rund 3,3 Millionen Privatpersonen und Firmen zählen zu dem LVM-Kundenkreis und haben knapp 10,6 Millionen Verträge abgeschlossen. Damit werden Beitragseinnahmen von 3,1 Milliarden Euro erwirtschaftet.
  • Rund 2300 Vertrauensleute – so heißen die selbstständigen Handelsvertreter der LVM Versicherung – sind mit ihren rund 4060 Mitarbeitern deutschlandweit im Vertrieb vor Ort tätig.
  • Aus der Unternehmensdirektion in Münster werden sie von gut 3600 Mitarbeitern unterstützt.
  • Weitere Informationen zur LVM finden Sie hier.