Das Tempo war atemberaubend. Als der 3D-Druck über die Hörgeräteindustrie in den USA hinweggefegt war, blieb von der klassischen Produktion kaum etwas übrig. In gerade einmal 500 Tagen krempelte die neue Technologie den Industriezweig komplett um. Die Drucker liefern hochpräzise, dem Ohr perfekt angepasste Hörgeräte und ersetzen teure Werkzeuge und Formen. Auch in vielen anderen Branchen hat es die additive Fertigung, auch bekannt als 3D-Druck, in die Fabrikhallen geschafft und ist auf dem Weg zum Milliarden-Business. Die Auswirkungen sind nun auch in der Arbeitswelt zu spüren. So sind die ausgeschriebenen Stellen für 3D-Druck-Experten im dritten Quartal 2017 um fast 550 Prozent gestiegen – innerhalb eines Jahres. Das ist das Ergebnis des digitalen Job-Monitors des „Handelsblatts“, mit dem die Wirtschaftszeitung vierteljährlich die Nachfrage nach Digitaljobs in Deutschland abbildet.

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3D-Druck: Fachkräfte dringend gesucht

Das Tempo, in dem der 3D-Druck die Industrie erobert, kann der Arbeitsmarkt derzeit nicht mitgehen – und wirkt damit gewissermaßen als angezogene Handbremse. „Die Industrie sucht inzwischen händeringend nach Fachleuten“, sagte Rainer Gebhardt von der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing dem „Handelsblatt“. Experten gehen derweil davon aus, dass der 3D-Druck erst am Anfang steht und in den kommenden Jahren noch weiter an Fahrt gewinnt. Dringend gesucht: Maschinenbauer, Physiker, Elektrotechniker, Mechatroniker, Materialentwickler und Softwareentwickler.

Trendberuf      3D-Druck

Der 3D-Druck dringt in hohem Tempo in immer mehr Arbeits- und Lebensbereiche vor, wodurch auch die Nachfrage nach Experten auf dem Gebiet steigt. Zum einen entstehen völlig neue Jobs, zum anderen verändern sich bestehende Berufe und Ausbildungen. Zukunftsberufe mit 3D-Druck-Hintergrund sind insbesondere Produktdesigner mit technischem Wissen sowie Ingenieure.

Auch die Ausbildung von Fachkräften hinkt der Nachfrage deutlich hinterher. An den Hochschulen in Deutschland entstehen aber inzwischen neue Studiengänge für additive Fertigungsverfahren. Seit dem Sommersemester 2017 bietet etwa die Hochschule Schmalkalden in Thüringen ein zweisemestriges Studium für additive Verfahren und Rapid-Technologien an. Dabei kooperiert sie mit dem Verband der Deutschen Werkzeug- und Formenbauer (VDWF), mit dem Institut für werkzeuglose Fertigung (IwF) der FH Aachen sowie dem Lehrstuhl für Fertigungstechnik der Uni Duisburg-Essen als Bildungspartner. Andere Hochschulen wie die TU Bergakademie Freiberg erweitern ihre klassischen Maschinenbau-Lehrstühle.

Deutlicher Umsatzanstieg beim 3D-Druck erwartet

Das Marktforschungsunternehmen IDC prophezeit dem Marktsegment des 3D-Drucks indes bis 2020 einen deutlichen Umsatzanstieg. IDC schätzt, dass sich der Umsatz bei der additiven Fertigung bis dahin auf 35,4 Milliarden US-Dollar fast verfünffacht. Im Zeitraum von 2015 bis 2020 entspricht dies einer jährlichen Wachstumsrate von gut 24 Prozent. Vor allem in Deutschland haben Unternehmen schon reichlich Erfahrungen mit der additiven Fertigung gesammelt. Einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young im Jahr 2016 zufolge gaben 37 Prozent der deutschen Unternehmen an, die Technologie bereits zu nutzen.

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3D-Druck verbreitet sich rasant

3D-Druck

Es gibt nicht das eine 3D-Druck-Verfahren. Gängige Herstellungsmethoden sind:

Selektives Lasersintern oder SLS: Diese 3D-Drucker arbeiten mit einem Laserstrahl, der schichtweise ein Pulver (etwa aus Polymeren oder Keramik) zu einem Werkstück verschmilzt.

Selektives Laserschmelzen (SLM): Hier wird mit Metall (Aluminium, Edelstahl oder Titan) quasi gedruckt.

Stereolithografie (SL oder SLA): Bei der Herstellung liegt der Gegenstand in einem Flüssigbad, während ein Laser immer wieder über den Ausgangsstoff gleitet.

Fused Deposition Modeling (FDM): Ein Kunststoff wird erwärmt und im Schmelzschichtverfahren zum gewünschten Produkt geformt.

Der 3D-Druck verbreitet sich rasant über alle Branchen hinweg, etwa im Gesundheitswesen. Durch additive Fertigung lassen sich unterschiedlichste Teile produzieren: Die Palette reicht schon jetzt vom Modell eines Organs über Hörgeräte und Zahnkronen bis zu Prothesen. Auch Autobauer Audi druckt an seinem Standort in Ingolstadt komplexe Bauteile aus Aluminium, Stahl und Titan (Video). Der Sportartikelkonzern Adidas plant, mithilfe von 50 3D-Druckern an seinem Standort im bayerischen Ansbach bis Ende 2018 rund 100.000 Schuhsohlen herzustellen. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben eine Sohle schon heute in weniger als einer Stunde und will dies künftig weiter beschleunigen. Durch die neue Fertigungstechnik will Adidas Produkte schneller in die Läden bringen.

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