Sie hat dem Smartphone innerhalb kürzester Zeit zum internationalen Durchbruch verholfen: Die einfache und intuitive Bedienbarkeit – Englisch: Usability. Noch heute zählt Usability zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren digitaler Produkte. Deshalb lobt die Deutsche Messe AG gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2013 den „CeBIT Innovation Award“ zur Förderung von Usability in der IT-Branche aus. Der Preis ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert und wird unter den drei ersten Plätzen aufgeteilt.

Pflanzendoktor im Smartphone

In diesem Jahr belegte das Startup PEAT den ersten Platz. Die jungen Unternehmer haben eine App mit dem Namen Plantix entwickelt, die Krankheiten bei Pflanzen per Bildanalyse erkennt. Ein Foto genügt – und die App sagt ihrem Nutzer, was der Pflanze fehlt. Dafür vergleicht das System das Foto einer Pflanze mit einer Datenbank, in der Zigtausende Bilder hinterlegt sind. Bis zu 30 verschiedene Diagnosen von Schädlingen bis Pflanzenkrankheiten kann Plantix stellen. Außerdem gibt die App Tipps zur Prävention oder Behandlung.

„Aktuell gehen weltweit bis zu 30 Prozent der Ernte wegen Pflanzenkrankheiten oder Schädlingen verloren“, sagte Pierre Munzel, einer der beiden Gründer von PEAT auf der CeBIT. „Wir wollen Kleinbauern, Gärtnern und Landwirten dabei helfen, diese Schäden schneller zu erkennen und zu behandeln.“

Plantix Preisverleihung Teamfoto Das Team von PEAT um Simone Strey und Pierre Munzel (3. und 4. v. l.) nimmt den ersten Preis des CeBIT Innovation Award 2017 aus den Händen der Bundesforschungsministerin Wanka, der Jury-Vorsitzenden Prof. Gesche Joost sowie CeBIT-Chef Oliver Frese entgegen. (© 2017 Bundesministerium für Bildung und Forschung/Bernhard Claßen)

Golfen mit Datenbrille

Den zweiten Platz belegte das Hamburger Startup Viewlicity mit ihrem digitalen Golftrainer PuttView. Mithilfe einer Projektion können Golfer das sogenannte Putten perfektionieren – also das sanfte Einlochen des Golfballs auf dem Green am Ende eines Durchgangs. PuttView projiziert mit einem Beamer den idealen Ballverlauf auf den Boden und vergleicht so den echten Verlauf eines Balls mit der virtuellen Ideallinie. Außerdem gibt es noch eine Outdoor-Variante, bei der Golfer eine Augmented-Reality-Brille nutzen. „Damit können die Spieler den perfekten Putt trainieren“, verspricht Lukas Posniak, einer der Erfinder von PuttView.

PuttView Exponatrundgang BM Wanka Christoph Pregizer, Niclas Schopf und Lukas Posniak (v. l.) von PuttView demonstrieren Bundesforschungsministerin Wanka ihre Anwendung PuttView. (© 2017 Bundesministerium für Bildung und Forschung/Hans-Joachim Rickel) - BMBF/Hans-Joachim Rickel

Mit einer Softwarelösung belegten die Erfinder von SYOD den dritten Platz beim Innovation Award. SYOD bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, geschäftliche und private Daten auf dem eigenen Smartphone oder Tablet sicher zu nutzen. Der Clou: Daten und Anwendungen für den geschäftlichen Kontext werden in einem separaten „Container“ verwaltet. „Private Nutzung von Dienstgeräten kann man technisch ja kaum verhindern“, sagte Fabian Bendun, Geschäftsführer der Backes SRT GmbH aus Saarbrücken. „Mit SYOD schaffen wir endlich eine saubere Trennung von Privat und Geschäft.“

Big Data – was ist das?

Der erste Preis des Innovation Award war von Forschungsministerin Johanna Wanka bereits während der Messeeröffnung am Vorabend verliehen worden. „Viele Menschen wissen nicht, was Big Data ist, haben dennoch Angst davor“, sagte Ministerin Wanka bei der Preisverleihung. „Wir müssen uns bemühen, den praktischen Nutzen der Digitalisierung besser zu demonstrieren. Und deshalb haben wir zum fünften Mal den CeBIT Innovation Award ausgelobt.“

Zuvor hatte eine Fachjury alle Bewerbungen unter Kriterien wie Innovation, gestalterische Leistung, Umsetzbarkeit und Praxistauglichkeit bewertet. Vorsitzende der Jury war Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin und Leiterin des Design Research Labs bei der Deutschen Telekom. „Die Juryarbeit macht richtig Spaß, weil man dabei immer wieder sieht, welche Innovationsbandbreite in Deutschland zu finden ist“, sagte Joost bei der Preisverleihung auf der CeBIT.

Während der CeBIT können Messebesucher die Erfindungen der Finalisten in Halle 6 auf Stand A54 aktuell hautnah erleben. Und für den nächsten Award, der auf der CeBIT 2018 verliehen wird, können sich interessierte Startups ab sofort im Internet bewerben.