Geht der Trend zum Home Office oder eher zum „Unterwegs-Office“?
Beides ist zu beobachten. Das zeitweise Home Office auf Wunsch der Mitarbeiter, das mobile Office eher notgedrungen. Es gibt Studien, die belegen, dass ein vergleichsweise kleinerer Anteil an Arbeit im Home Office gut funktioniert, wohingegen überwiegendes Home Office die Teamarbeit doch stark beeinträchtigt. Interessant finde ich, dass es inzwischen immer mehr „Auswärts“-Arbeitsräume gibt. Vom Kaffeehaus über den Coffeeshop, das Ladenatelier bis hin zu den Coworking-Spaces entstehen immer mehr hybride Work-Live-Welten im urbanen Kontext. Die alte Sehnsucht nach Work-Life-Balance, die wir bisher für uns nicht realisieren konnten, baut sich plötzlich vor unseren Augen als Konsumangebot auf und lädt uns ein.

Video: „Office 365: Vorteile für Unternehmen und deren Mitarbeiter“

 

Welche Folgen hat das für Unternehmen?
Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter am liebsten vor Ort haben. Weil das heute der Platz ist, an dem man sich trifft und zusammen arbeitet.

Gerade haben wir aber gesehen, dass Unternehmen in den Städten zunehmend Konkurrenz von außen bekommen. Vielleicht treffen sich Teams in Zukunft lieber im Coworking-Space als im Büro, zumal sie überall ihre smarten Apps benutzen können und sich nicht mit der lahmen Haus-IT und den Firewalls herumschlagen müssen. Dem Büro droht technisch gerade, seinen professionellen Vorsprung einzubüßen. Die sozialen Medien sind schneller, die Siris und Alexas werden unser individuelles Backoffice. Das Design der Coworking-Spaces ist hipper, die Ladencafés sind näher am Leben dran. Das Büro und das, was es heute zur Arbeit anbietet, braucht die nächste Generation eigentlich nicht mehr. Aber sie braucht einen Ort, wo sie sich gern treffen mag, den sie ‚besetzen‘ kann, wo sie Teamgeist spürt und in den ‚Flow‘ kommt. Das könnte auch das Büro sein, sofern es sich stark öffnet und verändert.

Welche Tipps können Sie aus Ihrer Erfahrung Mittelständlern geben, die Mitarbeiter unterwegs oder im Home Office am besten einzubinden, damit das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht verloren geht?
Mitarbeiter bei Microsoft und IBM bestätigen: Je virtueller sie zusammenarbeiten, desto größer wird ihr Bedürfnis, sich physisch zu treffen. Das Büro sollte an solchen Zusammenkünften nicht sparen. Teamtreffen sind wichtig, gemeinsame Team-Essen mindestens genauso – und der Weg dazwischen lässt sich auch bespielen: Bei Adobe in San José finden die Mitarbeiter zwischen Kantine und Dachterrasse kleine Glashäuser, die sie zur Besprechung nutzen können, wenn sie beim Essen zufällig jemanden treffen und sich spontan austauschen möchten.

Zur Person

Birgit Gebhardt war von 2007 bis 2012 Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Trendbüro, nachdem sie dort bereits sechs Jahre lang als Senior Consultant Produkt- und Kommunikationsstrategien entwickelt hatte. Seit 2012 erforscht sie neue Modelle des vernetzten Wirtschaftens und Arbeitens und berät Kunden aus verschiedenen Branchen auf dem Weg in die New Work Order, deren Chancenfelder sie in den gleichnamigen Studien beschreibt. Im Auftrag der Körber-Stiftung entwickelte sie in ihrem Buch „2037 – Unser Alltag in der Zukunft“ ein Lebensszenario unserer Gesellschaft in 25 Jahren.

Meetingräume lassen sich entsprechend ihrer Verwendung differenzierter gestalten. Die Gestaltung von Begegnung wird zentral. Es gilt, sie stärker zu inszenieren, zu differenzieren und stimmungsvoller aufzuladen. Unternehmen sind gefordert, sich gegenüber Kunden und Talenten stärker zu öffnen. Daher würde ich mal schauen, wie Empfang, Gastfreundschaft, Wertschätzung und Vertrauensbildung außerhalb von Büros praktiziert wird – da, wo ich mich eingeladen und wohlfühle. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Erfahrung im Büro bisher nur halbherzig über Kaffeevollautomaten, Sitzgrüppchen, Empfangstresen und Marken-Repräsentationsgedöns abgebildet haben.

Video: Birgit Gebhardt erklärt, wie wir die Entwicklungen der Zukunft erkennen und Lösungen dafür entwickeln können.

 

Weiterführende Links zum Thema

Direkt zur Webseite New Work Order von Birgit Gebhardt

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